{"id":12145,"date":"2005-05-31T11:11:00","date_gmt":"2005-05-31T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12145"},"modified":"2022-06-14T23:52:36","modified_gmt":"2022-06-14T21:52:36","slug":"summer-camp-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/05\/summer-camp-2\/","title":{"rendered":"Summer Camp -2-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/crimecamp_2.jpg\" alt=\"crimecamp_2.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Krimi beginnt mit dem Anfang und endet mit dem Schluss. So what? Wenn wir beide schon haben \u2013 wo liegen dann noch die Probleme?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/karteikarte_sc_1.jpg\" alt=\"karteikarte_sc_1.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Klingt das nicht furchtbar langweilig? F\u00fcnf Leutchen, die sich eine Stunde lang an\u00f6den, und am Schluss ist ein Mord geschehen, und der wird noch nicht einmal vern\u00fcnftig aufgekl\u00e4rt!<\/p>\n\n\n\n<p>Kleiner Trost: Ein Krimi, der mit \u201eDie sieben verst\u00fcmmelten Leichen lagen unter der Abdeckplane des LKW\u201c beginnt und standesgem\u00e4\u00df nach turbulenter Verfolgungsjagd mit dem Zurstreckebringen des Killers endet, ein solcher Krimi muss ja nicht zwangsl\u00e4ufig spannend sein. Ergo (hoch lebe der Umkehrschluss), bedeutet ein lendenlahmes Setting nicht automatisch ein dr\u00f6ges Buch.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstredend steckt hinter allem volle Absicht. Ein Entwurf wie der oben notierte zwingt uns geradezu, solide Spannungsb\u00f6gen zu konstruieren, uns nicht auf die Macht und Effizienz blo\u00dfer Effekte zu verlassen. Zugleich schr\u00e4nkt er uns nat\u00fcrlich ein. \u201eIn einem Raum\u201c spielt das Ganze, binnen einer guten Stunde. Gehen wir von 240 Seiten Roman aus (zum Umfang mehr in der \u00fcbern\u00e4chsten Campstunde), bedeutet das rein rechnerisch vier Seiten pro erz\u00e4hlter Minute!<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits kommen wir auch hier gar nicht erst in Versuchung, durch nerv\u00f6sen Aktionismus und Ortswechsel potentielle Schw\u00e4chen unseres Konstrukts kaschieren zu wollen. Jeder Fehler f\u00fchrt unweigerlich in die schlimmste H\u00f6lle von allen, die Langeweile, \u00fcber die schlimmste Vorh\u00f6lle von allen, den aus Unlogik und \/ oder Ratlosigkeit fabrizierten Pfusch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss auch gestehen, dass es mich mit zunehmenden Alter (abnehmendes gibt\u2019s ja leider nicht) immer mehr nervt, wenn KrimiautorInnen an die niederen, sprich von Fernsehen und Kino gepr\u00e4gten Instinkte der Leser appellieren. St\u00e4ndig muss etwas \u201eDramatisches\u201c passieren, kein Leerlauf, keine Sekunde f\u00fcr den Leser, \u00fcber das Geschriebene nachzudenken \u2013 er k\u00f6nnte ja auf den dummen Gedanken kommen, Nichtaktionistisches in einem Buch sei so etwas wie die Werbepausen im Fernsehen und auf\u2019s Klo gehen oder Bier holen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung steckt indes im letzten Satz: \u201eDie krimitypische Aufkl\u00e4rung des Falles findet nicht statt\u201c. Kein Detektiv? Kein Kommissar? Keine hochnotpeinliche Untersuchung samt krachender M\u00f6rder\u00fcberf\u00fchrung?<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts. Dem Leser wird die L\u00f6sung nicht mundgerecht serviert. Sie muss aber, das ist der Anspruch, aus dem Text selbst zu ermitteln sein. Auch hier plagt mich das zunehmende Alter: Das Langweiligste an Krimis ist meistens die Aufl\u00f6sung. Und oft auch das \u00c4rgerlichste. Entweder liegt die L\u00f6sung auf der Hand \u2013 dann \u00e4rgert es mich, weil alles so einfach ist. Oder du hast als Leser keine Chance, dir selbst das logische Ende zusammenzudenken \u2013 dann \u00e4rgert es mich, weil mich der Autor wie ein schlechter Lehrer bei der Hand nimmt. Wir probieren mal etwas Neues, und wenn wir dabei auf die Schnauze fallen, dann \u00e4rgern wir uns nur dar\u00fcber, wenn\u2019s nicht wehtut.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00fcbsch eingef\u00e4delt. Aber noch nichts weiter als Hirngespinste, Absichten, Postulate und gro\u00dfe Versprechungen. Eben so, wie es zu Beginn einer Planung sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich Ihnen, junger Freund (spricht der Mann fortschreitenden Alters) einen Rat geben darf, dann den: \u00dcbersch\u00e4tzen Sie sich! Goethe w\u00e4re nicht Goethe geworden, wenn er sich nicht \u00fcbersch\u00e4tzt h\u00e4tte! Und ein zweiter Rat: Halten Sie sich gleichzeitig f\u00fcr den letzten literarischen Heuler, das Untalentierteste seit Donna Leon, stellen Sie alles in Frage! Dann kann\u2019s was werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Momentan schwirren im Kopf des Autors, der stolz auf diese eine und erste Karteikarte guckt, Gedankenpixel ordnungslos herum. Zur Handlung etwa: Wir werden wohl mit R\u00fcckblenden arbeiten und ein \u201eBeziehungsnetz\u201c zwischen den beteiligten Personen kn\u00fcpfen. Wie soll der Mord geschehen, wenn doch die gesamte Handlung in einem Raum stattfindet? Gift? Naheliegend. Noch offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht hilft es uns, wenn uns beim n\u00e4chsten Mal mit der Erz\u00e4hlperspektive besch\u00e4ftigen. Hier erfolgt die vorentscheidende Weichenstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wem die Schreibhand juckt, der kann entweder seinen Senf kommentierend dazugeben oder&nbsp;<a href=\"mailto:dpr@hinternet.de?subject=summer%20camp%202\">hier<\/a>&nbsp;mailen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Krimi beginnt mit dem Anfang und endet mit dem Schluss. So what? 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