{"id":12150,"date":"2005-06-02T11:11:00","date_gmt":"2005-06-02T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12150"},"modified":"2022-06-14T23:52:03","modified_gmt":"2022-06-14T21:52:03","slug":"christoph-guesken-faust-auf-faust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/06\/christoph-guesken-faust-auf-faust\/","title":{"rendered":"Christoph G\u00fcsken: Faust auf Faust"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3894252987.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Sollte Christoph G\u00fcsken f\u00fcr \u201eFaust auf Faust\u201c seine Seele verkauft haben: Sofort r\u00fcckg\u00e4ngig machen das Gesch\u00e4ft! Reingelegt worden!<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei hat es Mephisto, der alte H\u00e4ndler auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, eigentlich ganz gut mit dem Autor gemeint. Handlung jedenfalls wurde bei dem Deal in H\u00fclle und F\u00fclle \u00fcber den Tisch geschoben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Ex-Kompagnon eines Ex-Privatdetektivs wird des Mordes am Ehemann seiner Geliebten verd\u00e4chtigt. Der Ex-Privatdetektiv l\u00e4sst sich jetzt f\u00fcr Geld von Typen zusammenschlagen, die damit ihren Freundinnen imponieren wollen. Er lebt mit einer Frau zusammen, die Hexe studiert, und bald auch mit einer Frau \u2013 der Schwester des Mordverd\u00e4chtigen -, die selbst Privatdetektivin ist und die Unschuld ihres Bruders beweisen will. In M\u00fcnster, wo der Roman spielt, geschehen zur gleichen Zeit einige merkw\u00fcrdige Morde, die allesamt etwas mit dem Faustischen Pakt (Verkauf mir deine Seele, daf\u00fcr mach ich dich zum Genie!) zu tun haben und mit der obskur-okkulten Schule, an der die Freundin Hexe lernt. Und einer der dortigen Dozenten hat einen Bruder, der der Ex-Freund der Schwester des Ex-Kompagnons des Ex-Detektivs ist. Man trifft sich zuf\u00e4llig oder auch nicht, der kennt den beziehungsweise die, interessant, interessant, der Mordverd\u00e4chtige erscheint mehrfach auf der Bildfl\u00e4che und macht dunkle Andeutungen. Ecetera.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, sagte der Teufel, also das ist doch was! Und weil Sie es sind, leg ich noch eine lockere Schreibe obendrauf und \u2013 warten Sie mal \u2013 ein paar h\u00fcbsche kleine Slapstickgags und coole Dialoge. Unterschreiben Sie jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur der Teufel hat einen Pferdefu\u00df, auch seine Vertr\u00e4ge. Aber hallo. Im Kleingedruckten steht n\u00e4mlich: Und f\u00fcr all das hast du knapp \u00fcber 200 Seiten Platz. Mach mal. Bring all die M\u00f6chtegerngenies, dummen Blondchen, taffen Schwestern, blasiert-diabolisch-eindimensionalen Dozenten, depressiven Ex-Liebhaber und Hexen-Azubis unter, kn\u00fcpfe Verbindungen, konstruiere Verwicklungen, Irrwege, Umwege, Auswege.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n; bei solch personalintensiver Story k\u00f6nnen die Figuren nun mal nicht \u00e0 la nature gezeichnet werden. Muss eben Holzschnitt gen\u00fcgen. Hat ja auch seine \u00c4sthetik. Und weil es ein Krimi ist und der Platz knapp, sollte man sich auch gar nicht erst mit Logik aufhalten. Der Leser wird am Ende eh von allem so erschlagen sein, dass er das Buch zuklappt, die Lampe ausknipst und einschl\u00e4ft. Morgens wacht er auf, und alle dr\u00e4ngenden Fragen haben sich von selbst erledigt. Folgende etwa:<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar findet alles am Ende seine Aufkl\u00e4rung \u2013 aber ich frage mich: wie eigentlich? Und warum ausgerechnet SO? Und muss auch DIESE Volte noch sein? Wieso ist DER HIER (keine Namen, bitte!) pl\u00f6tzlich doch nicht DER, der er zu sein schien? Begr\u00fcndung? Ist halt so. Aha. Holzschnitt; da geht\u2019s nicht anders. Ist die Polizei in M\u00fcnster wirklich so r\u00fcckst\u00e4ndig, dass sie die Identit\u00e4t eines zerst\u00fcckelten Mannes nicht zweifelsfrei ermitteln kann, der Detektiv es aber nach fl\u00fcchtiger Betrachtung von ein paar Fotos sofort schafft? Und die Sache mit dem Faust\u2019schen Bund? Wird einem schon klar, wenn man den Klappentext liest. Muss ja so sein. B\u00f6se Sache. Blo\u00df: Wie um Himmelswillen schaffen es diese blassen, d\u00fcmmlichen Ganoven, zwar von ihrem eigenen Genieschwurbel umnebelte, aber doch einigerma\u00dfen intelligente Menschen so in ihren Bann zu ziehen? Hypnose? Und dann werden Leute get\u00f6tet, die dann doch nicht get\u00f6tet wurden, und das alles sieht man auf einem Video, das dann aber doch nicht so interessant zu sein scheint? Hm. Nein. So bitte nicht mehr. Und wenn sich schon irgendwo eine Art Andeutung eines Spannungsbogens zeigt \u2013 warum wird er dann gleich wieder abgerissen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte Christoph G\u00fcsken keineswegs f\u00fcr einen schlechten Autor. Nur f\u00fcr einen Autor, der ein schlechtes Buch geschrieben hat. Bleibt mir nur die bittere Erkenntnis, dass Handlungsschwangerschaften nicht das probate Mittel sind, die deutsche Krimilandschaft zu beleben. Wusste ich aber schon vorher.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Christoph G\u00fcsken: Faust auf Faust. Grafit 2005, 215 Seiten, 8 \u20ac 50<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollte Christoph G\u00fcsken f\u00fcr \u201eFaust auf Faust\u201c seine Seele verkauft haben: Sofort r\u00fcckg\u00e4ngig machen das Gesch\u00e4ft! Reingelegt worden! Dabei hat es Mephisto, der alte H\u00e4ndler auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, eigentlich ganz gut mit dem Autor gemeint. 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