{"id":12220,"date":"2005-06-30T11:11:00","date_gmt":"2005-06-30T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12220"},"modified":"2022-06-12T02:01:41","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:41","slug":"daniel-dubbe-tropenfieber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/06\/daniel-dubbe-tropenfieber\/","title":{"rendered":"Daniel Dubbe: Tropenfieber"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3894014563.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3894014563.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"251\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dieser Krimi hat Tempo. Detektiv Richard Karter wird beauftragt, seinen verschwundenen Kollegen Markmann zu finden, der wiederum auf Madagaskar hinter dem gleichfalls verschollenen russischen Dichter Limonov her war. Also ab ins Flugzeug \u2013 und schon finden wir uns an Karters Seite auf der gro\u00dfen mysteri\u00f6sen Insel im Indischen Ozean wieder, hineingeworfen in Schw\u00fcle, Exotik und Hoffnungslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Frauen sind scheinbar Prostituierte. Nun gut, ein Madegasse, der sich eine Woche ausschlie\u00dflich im Rotlichtviertel einer deutschen Gro\u00dfstadt aufh\u00e4lt, wird wohl das hiesige weibliche Geschlecht \u00e4hnlich schildern. Die M\u00e4nner, so sie schwarz sind, vertreiben sich ihre Zeit als Provinzdespoten und ihre Helfershelfer oder Chauffeure, so sie wei\u00df sind, lassen sie sich, entt\u00e4uscht von der Welt, auf der Suche nach einer besseren, treiben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Irgendwann begegnen sie Karter. Kurze, fl\u00fcchtige Begegnungen, snapshots pers\u00f6nlicher Trag\u00f6dien. Geht in Ordnung. Mehr erwarte ich auch gar nicht von einem Roman, der mit knapp 160 Seiten nicht vorgeben kann, mir soziologische und psychologische Analysen zu liefern.<\/p>\n\n\n\n<p>Tempo also. Gut aufgebaut, mit einem erfreulich unspektakul\u00e4ren Ende, wenngleich uns das etwas \u00fcberraschend kommt. Die Sprache des Erz\u00e4hlers ist \u2013 nun ja, wie soll man es ausdr\u00fccken: Bieder? Normal? Wenig ambitioniert? Eigentlich schon, und damit beginnt das Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn \u201eTropenfieber\u201c ist alles andere als ein unambitionierter Krimi. Joseph Conrad wird zitiert, und dieser Limonov, zu dem die Erz\u00e4hlperspektive mehrmals wechselt (wie auch zu Markmann), taucht vor uns auf wie \u201eDem Herzen der Finsternis\u201c entsprungen. Gescheitert, am Ende, ein Gr\u00fcbler, der sich selbst f\u00fcr etwas bestraft, das die Welt an ihm verbrochen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Karter hingegen bleibt merkw\u00fcrdig blass. Was ihn nicht daran hindert, geschliffene Weisheiten abzusondern.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eOriginalit\u00e4t hat in Deutschland etwas Unerlaubtes, denn unsere Haupttugend ist die Anpassung. Wir wissen zwar nicht an was, das ist uns aber auch egal. Die Anpassung ist in uns drin: unser Steuerungsprogramm seit den Tagen der Preu\u00dfen und der deutschen Kleinstaaterei. Warum reisen wir?\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und so weiter. Nein, hier hat sich Dubbe eindeutig \u00fcbernommen. Was tief sein soll, ist doch nur flach, was uns zum Nachdenken anregen soll, zeitigt nichts weiter als h\u00f6lzerne, unrealistische Dialoge. Der Klimmzug hinauf zu Conrad misslingt, Dubbes intellektuelle Muskulatur dr\u00fcckt die Story nicht \u00fcber die Stange.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zum ersten Mal werden wir Zeuge des prinzipiellen Missverst\u00e4ndnisses, oberfl\u00e4chliches Themenanrei\u00dfen sei zu den Charakteristika von \u201eLiteratur\u201c, &#8222;anspruchsvoller&#8220; gar zu rechnen. W\u00e4hrend dem eigentlich Literarischen, der formalen Gestaltung, keine weitere Beachtung geschenkt wird. Das ist wirklich schade, denn \u201eTropenfieber\u201c funktioniert als eher beobachtender, weniger handelnder Krimi nicht einmal schlecht, wenn man \u00fcber die \u00fcblichen Ungereimtheiten hinwegsieht. Und wen es diesen Sommer nach Madagaskar verschlagen sollte, hat ihn sicherlich im Reisegep\u00e4ck.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Daniel Dubbe: Tropenfieber. Edition Nautilus 2005. 159 Seiten, 12,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Krimi hat Tempo. 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