{"id":12336,"date":"2005-07-03T11:11:00","date_gmt":"2005-07-03T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12336"},"modified":"2022-06-07T03:44:46","modified_gmt":"2022-06-07T01:44:46","slug":"summer-camp-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/summer-camp-7\/","title":{"rendered":"Summer Camp -7-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/crimecamp_7.jpg\" alt=\"crimecamp_7.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach all der Theorie wollen wir jetzt etwas Leben in unser Camp bringen. Unser Erz\u00e4hler soll eine der handelnden Personen sein, ein Mann, der sich erinnert, ein Mann, der schlie\u00dflich mordet. Aber warum?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Der Kern der Geschichte<\/strong><br \/>(liegt nat\u00fcrlich in der Vergangenheit; ist tragisch; wird vom Erz\u00e4hler sukzessive freigelegt)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>20 Jahre ist es jetzt her, dass in dem mittelgro\u00dfen und \u2013pr\u00e4chtigen Ort, zu dem der Bahnhof geh\u00f6rt, ein Verbrechen geschah (Zwischenbemerkung, nur f\u00fcr die Galerie, d.h. f\u00fcr mein kurzes Ged\u00e4chtnis: Vielleicht sind in diesem Ort noch weitere Verbrechen geschehen, die man einbauen k\u00f6nnte? Mal sehen.), wie man es sonst nur in der Zeitung liest. Eine Frau hat ihre Familie ausgel\u00f6scht: Mann, zwei Kinder \u2013 nein, nicht ganz ausgel\u00f6scht, denn das dritte Kind, ein Sohn, gerade 14, hat schwerverletzt \u00fcberlebt.<\/p><p>Was war passiert? Mutma\u00dfungen. Die n\u00fcchtern-realistischste: Der Mann wollte sich von seiner Frau trennen, mit der Geliebten zusammenziehen. Folge: Kurzschlussreaktion. Ein Revolver, viele Sch\u00fcsse, drei Tote, ein Schwerverletzter \u2013 und dann setzt sich die Frau das Ding an die Schl\u00e4fe; aus.<\/p><p>Der \u00fcberlebende Sohn kommt zu Verwandten in einer anderen Stadt, aber als er vollj\u00e4hrig ist, kehrt er zur\u00fcck. Wohnt im Haus, das das Verbrechen gesehen hat, und der Sohn sieht das Verbrechen fortan jeden Tag, eine unsterbliche, immer pr\u00e4sente Vergangenheit. Dass man da die Kurve nicht kriegt, liegt auf der Hand. Schulisch und beruflich versagt der Junge. Gottlob war man halbwegs wohlhabend gewesen, das hinterlassene Verm\u00f6gen l\u00e4sst sich prima verzehren. Ein Au\u00dfenseiter, stets misstrauisch, nicht gerne in Gesellschaft, weil die ja \u00fcber einen reden, \u00fcber das, was passiert ist, weil die einen auch fragen, warum das alles passieren musste und: wer die Freundin des Vaters war, die an allem Schuld hat. So denkt er jedenfalls.<\/p><p>Aber er wei\u00df keine Antwort. Er hat die Frau einmal beobachtet, wie sie sich mit dem Vater getroffen hat, und das Gesicht hat er nie vergessen, er hat es aber leider auch nicht wiedergesehen. Bis heute abend. Heute sieht er sie. Sie sitzt unter den Wartenden im H\u00e4uschen am Bahnhof.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieser Kern ist wirklich nur der Kern, die Zusammenfassung einer Story, die wie Hintergrundrauschens stets &#8222;da&#8220; sein wird. Er sollte aber gen\u00fcgen, die ersten wichtigen \u00dcberlegungen hinsichtlich der formalen Vorgehensweise einerseits und der Personenzeichnung andererseits anstellen zu k\u00f6nnen. Wenn wir unseren Erz\u00e4hler mit diesem Hintergrund in die Geschichte einf\u00fchren, liegt es nahe, ihn die Geschichte als eine Art inneren Monolog sukzessive reportieren zu lassen, etwas, das verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sachlich-erinnernd beginnt und dann, auch am Sprachduktus sollte man\u2019s merken, immer weiter zerf\u00e4llt, subjektiver wird, das hei\u00dft auch: grammatisch schlampiger, mit Gedankenspr\u00fcngen, Assoziationen usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Und: Wir wollen einen Krimi schreiben, keinen psychologischen Roman, obwohl ein Krimi nat\u00fcrlich auch psychologischer Roman sein kann. Nat\u00fcrlich spr\u00e4che nichts dagegen, dem Publikum hinsichtlich des T\u00e4ters von Anfang an reinen Wein einzuschenken. Ich habe aber das unbestimmte Gef\u00fchl, mir damit eine reizvolle Ebene zu verbauen. Deshalb gibt es zwei P\u00e4rchen in diesem Roman, von denen jenes rein \u00e4u\u00dferlich zur Konstellation Erz\u00e4hler \u2013 Freundin des Vaters passen k\u00f6nnte, also zwei etwa 35j\u00e4hrige M\u00e4nner und zwei etwa 50j\u00e4hrige Frauen. Die f\u00fcnfte Person ist eine j\u00fcngere Frau, so Mitte, Ende 20 vielleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mit dem zweiten oder &#8222;anderen&#8220; Verbrechen k\u00f6nnte auch das zweit oder &#8222;andere&#8220; P\u00e4rchen betreffen &#8211; hier m\u00f6chte ich allerdings warten, bis die theoretischen \u00dcberlegungen abgeschlossen sind. So mancher Krimi ist schon an einem Zuviel des Guten gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p>So. Das klingt alles irgendwie vielversprechend, ist aber bislang weder ein vern\u00fcnftig elaboriertes Konzept noch gar ein guter Roman. Beim n\u00e4chsten Mal wollen wir uns die Dynamik zwischen den Personen etwas genauer betrachten und versuchen, erste Spannungsb\u00f6gen als handlungstragende Elemente zu konstruieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach all der Theorie wollen wir jetzt etwas Leben in unser Camp bringen. Unser Erz\u00e4hler soll eine der handelnden Personen sein, ein Mann, der sich erinnert, ein Mann, der schlie\u00dflich mordet. 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