{"id":12340,"date":"2005-07-05T11:11:00","date_gmt":"2005-07-05T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12340"},"modified":"2022-06-12T02:01:41","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:41","slug":"ian-rankin-black-and-blue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/ian-rankin-black-and-blue\/","title":{"rendered":"Ian Rankin: Black and blue"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Es hat zwar ein paar Jahre gedauert, doch das Warten hat sich gelohnt. &#8222;Das Souvenir des M\u00f6rders&#8220;, deutsche \u00dcbersetzung von &#8222;Black and blue&#8220; des schottischen Autors Ian Rankin, wird allseits als Meisterwerk gelobt. Dr. Bernd Kochanowski hat das Original gelesen und kann nur zustimmend nicken.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0312966776.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0312966776.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"248\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Sie sind mir suspekt: Diese endlosen Krimi-Serien mit zehn und mehr B\u00fcchern, die immer um die gleiche Zentralfigur kreisen. Was uns unter dem Vorwand der Entwicklung einer Person angeboten wird, entpuppt sich h\u00e4ufig als Masche. Aber, so muss ich zugeben, manche Autoren wie Ian Rankin schaffen es, ihre Serien weiter zu entwickeln und uns immer wieder mit neuen Inhalten und anderen Erz\u00e4hlstrategien zu \u00fcberraschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kritik am Seriengedanken ist es aber wohl nicht aufzufassen, wenn deutsche Verlage, eigentlich Sachwalter der Interessen eines Autors, bei ausl\u00e4ndischen Autoren die eigentliche Reihenfolge des Erscheinens der B\u00fccher einer Serien ver\u00e4ndern. \u00d6konomische Gesichtspunkte sind hier wohl eher im Vordergrund zu sehen. So kommt denn, unter dem Titel \u201eDas Souvenir des M\u00f6rders\u201c, der deutschsprachige Leser erst jetzt in den Genuss des 1997 erschienenen und im gleichen Jahr mit dem &#8222;Gold Dagger&#8220; ausgezeichneten Buchs \u201eBlack and Blue\u201c von Ian Rankin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Rankin selber hat in einem Interview \u201eBlack and Blue\u201c als sein komplexestes und w\u00fctendstes Buch bezeichnet. Und in der Tat findet der Leser ein aufw\u00e4ndig konstruiertes Werk vor: Eine Mordserie aus den 70er Jahren, die unaufgekl\u00e4rt blieb, dient einem T\u00e4ter aus der Gegenwart als Vorbild, und der fr\u00fchere M\u00f6rder macht sich auf die Suche nach seinen Imitator. Wir erleben zornige Polizisten von damals und heute, an denen die unaufgekl\u00e4rten Morde nagen. Ein Arbeiter einer \u00d6lplattform wird tot aufgefunden, und die Suche nach T\u00e4ter und Motiv f\u00fchrt in die Halbwelt und zur \u00d6lindustrie, sowie zu deren Problemen mit der \u00d6ko-Bewegung und den Umbr\u00fcchen, die das \u00d6l in Nordschottland mit sich gebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind gewisserma\u00dfen zwei ineinander geschachtelte Geschichten, die da von Aberdeen aus, dem \u00d6ldorado Schottlands, s\u00fcdw\u00e4rts greifen. Und Rankins John Rebus steckt \u2013 wieder einmal &#8211; in der Klemme. Ein fr\u00fcherer Fall, bei dem sein damaliger \u201eMentor\u201c sich wom\u00f6glich regelwidrig verhielt, wird vom Fernsehen hochgekocht; was dazu f\u00fchrt, dass gegen Rebus ermittelt wird. Das alles f\u00fcgt sich zu einem Hard-boiled mit britischen Charme. John Rebus der eigensinnige, aber gradlinige \u201eDetective Inspector\u201c mit dem Hang zum Selbstzerst\u00f6rerischen, hat Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten, so dass er mehr gegen als mit der Polizei ermittelt. Und, so hat uns Rankin ja schon mehrfach gezeigt, das Milieu in Schottland scheut auch nicht vor dem Polizistenmord zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird vom Detektiv aus gedacht und das auf hohem Niveau. Es geht nicht um die pseudopsychologische Durchdringung der Serient\u00e4ter. Auch wenn die einzelnen Handlungsstr\u00e4nge manchmal nur F\u00e4den sind, die zwischenzeitliche Sorge des Lesers, dass dem Autor dieses Werk aus dem Ruder l\u00e4uft, bewahrheitet sich am Ende nicht. Rankin wird seinem gro\u00dfen Gestaltungswillen weitestgehend gerecht. Bei manchen Wendungen tut der Leser sich zwar ein wenig schwer, die Schlussfolgerungen Rebus\u2019 nachzuvollziehen, aber von diesen kleinen Schw\u00e4chen abgesehen ist es ein \u00e4u\u00dferst unterhaltsames Buch. Der Autor ist, \u201ew\u00fctendstes Buch\u201c hin oder her, ein Menschenfreund. Er kann den Erz\u00e4hlrhythmus variieren und humorvoll schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch ein Vergleich des Titels der deutschen \u00dcbersetzung mit dem des Originals andeutet, lohnt sich dabei durchaus ein Ausflug ins englische Original. Man mag den Titel des Originals als Anspielung auf das Seelenleben Rebus oder als W\u00fcrdigung des \u00d6lplattformarbeiters auffassen. Man kann aber auch einfach, so wie Rebus, die gleichnamige Schallplatte der Rolling Stones auflegen. Der Titel des englischen Originals bietet eindeutig Freir\u00e4ume zum Interpretieren. Rankin baut auch manchmal ohne Anf\u00fchrungsstriche und Hinweis f\u00fcr den Leser Originaltitel von Rocksongs ein. Diese dann gelegentlich zu erkennen, ist ein Spa\u00df, der einem in der deutschen \u00dcbersetzung abgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Bernd Kochanowski<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ian Rankin: Black and blue. St. Martin's Minotaur 1999, 352 Seiten, ca. 7,49 \u20ac<br \/>deutsch als \"Das Souvenir des M\u00f6rders\", aus dem Englischen von Giovanni Bandini, Goldmann 2005, 608 Seiten, 9,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Es hat zwar ein paar Jahre gedauert, doch das Warten hat sich gelohnt. &#8222;Das Souvenir des M\u00f6rders&#8220;, deutsche \u00dcbersetzung von &#8222;Black and blue&#8220; des schottischen Autors Ian Rankin, wird allseits als Meisterwerk gelobt. Dr. Bernd Kochanowski hat das Original gelesen und kann nur zustimmend nicken.) 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