{"id":12355,"date":"2005-07-11T11:11:00","date_gmt":"2005-07-11T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12355"},"modified":"2022-06-07T03:44:23","modified_gmt":"2022-06-07T01:44:23","slug":"summer-camp-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/summer-camp-8\/","title":{"rendered":"Summer Camp -8-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/crimecamp_8.jpg\" alt=\"crimecamp_8.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zeit f\u00fcr eine kleine Ablaufdramaturgie. Sie wird uns sp\u00e4ter hoffentlich gute Dienste bei der Feinarbeit der Personenzeichnung und dem Aufbau der Spannungsb\u00f6gen leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz grob habe ich schon die Kameraf\u00fchrung (\u201eErz\u00e4hlperspektiven\u201c) erw\u00e4hnt, dieses Zoomen aus der Totalen des Erz\u00e4hlers zu den handelnden f\u00fcnf Personen und gewisserma\u00dfen in sie hinein. Wir k\u00f6nnen jetzt, bezogen auf die Handlung, weiter differenzieren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Story besteht strenggenommen aus drei Teilen, die sich immer heilloser ineinander verschlingen, ohne hoffentlich den Leser unn\u00f6tig zu verwirren. Einmal der Erz\u00e4hler selbst, der sich erinnert, also die Jetztzeit repr\u00e4sentiert. Er rekonstruiert die Geschehnisse im Warteh\u00e4uschen (j\u00fcngere Vergangenheit) und gleichzeitig die tragische Vorgeschichte seines Lebens (\u00e4ltere Vergangenheit). Erz\u00e4hlperspektivisch und, daraus zwingend folgend, erz\u00e4hl- und sprachtechnisch f\u00fchrt das zu diesen Konsequenzen:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die Jetztzeit wird in der dritten Person Singular erz\u00e4hlt. Warum? Um den Eindruck von der erz\u00e4hlperspektivisch \u201eTotalen\u201c, dem quasi n\u00fcchtern schildernden Auge des Betrachters zu verst\u00e4rken. W\u00fcrde man ihn hier schon \u201eich\u201c sagen lassen, k\u00e4me eine Subjektivit\u00e4t ins Spiel, die im Sinne der Handlung aber auch des Lesers nicht w\u00fcnschenswert w\u00e4re. Der Sprachduktus ist der eines Erz\u00e4hlers, der sich um die Rekonstruktion der Ereignisse bem\u00fcht, also auch versucht, sein Ged\u00e4chtnis anhand von Details und ihrer Schilderung auf Trab zu bringen. Entsprechend die Sprache: Nicht unbedingt emotionslos, aber das Emotionale bezieht sich nicht auf den Inhalt selbst, sondern auf die Absicht, sich \u00fcberhaupt an etwas zu erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die j\u00fcngere Vergangenheit: Sie ist praktisch der vom Erz\u00e4hler rekonstruierte Inhalt. Es beginnt abermals in der dritten Person Singular (\u201eTotale\u201c), doch je n\u00e4her die Kamera den geschilderten Personen und Ereignissen kommt, desto emotionaler, sprachlich auch subjektiver wird sie. Irgendwann ist die Kamera den einzelnen Personen so nahe, dass sie \u201ein ihre Gehirne\u201c eindringt. Dies bewirkt einen Perspektivwechsel zum \u201eIch\u201c der Person, also weg vom Erz\u00e4hler.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die \u00e4ltere Vergangenheit: Das traurige und tragische Schicksal des Erz\u00e4hlers wird peu \u00e0 peu enth\u00fcllt. Die schreckliche Entwicklung der Geschichte selbst resultiert ja aus dem Lebendigwerden dieser Erinnerung. Dies sollte also folgerichtig aus der j\u00fcngeren Vergangenheit heraus geschehen, auch formal. Ich bin hier noch am \u00dcberlegen, wie das elegant zu machen w\u00e4re. Momentan schwebt mir vor, dass die Kamera langsam zur\u00fcck in die Totale gezogen wird, aber nicht zur\u00fcck in die dritte Person Singular der Gegenwart, sondern eine sehr subjektive erste Person. Aber noch sehr vage, das alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche, ein kleines Beispiel zur Verst\u00e4ndlichung zu geben:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erz\u00e4hler beschreibt den Raum. (Kamera kommt n\u00e4her) Der Erz\u00e4hler widmet sich den Personen in diesem Raum (wobei er von sich selbst, denn er ist ja auch dort anwesend, wie von einem fremden \u201eEr\u201c spricht). Die Perspektive wechselt zum Ich der beschriebenen Person. Wir klinken uns eine Zeitlang in ihre Gedankeng\u00e4nge ein. Ein Stichwort f\u00e4llt, die Kamera zieht sich zur\u00fcck, das Stichwort \u201esticht\u201c (h\u00e4, h\u00e4) in die \u00e4ltere Erinnerung des Erz\u00e4hlers, in dessen Kopf wir uns nun befinden. Die tragische Geschichte wird so allm\u00e4hlich offengelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch, ich denke, das k\u00f6nnte funktionieren, wenn man es anst\u00e4ndig umsetzt. N\u00e4chste Woche wollen wir hier ankn\u00fcpfen und die beteiligten Personen n\u00e4her kennenlernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit f\u00fcr eine kleine Ablaufdramaturgie. Sie wird uns sp\u00e4ter hoffentlich gute Dienste bei der Feinarbeit der Personenzeichnung und dem Aufbau der Spannungsb\u00f6gen leisten. Ganz grob habe ich schon die Kameraf\u00fchrung (\u201eErz\u00e4hlperspektiven\u201c) erw\u00e4hnt, dieses Zoomen aus der Totalen des Erz\u00e4hlers zu den handelnden f\u00fcnf Personen und gewisserma\u00dfen in sie hinein. 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