{"id":12359,"date":"2005-07-12T11:11:00","date_gmt":"2005-07-12T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12359"},"modified":"2022-06-01T00:42:04","modified_gmt":"2022-05-31T22:42:04","slug":"t-jefferson-parker-silent-joe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/t-jefferson-parker-silent-joe\/","title":{"rendered":"T. Jefferson Parker: Silent Joe"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0786890037.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0786890037.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"250\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>&#8222;Mouth shut, Eyes open&#8220;<\/em>, unter dieser Maxime wurde Joe von seinem Vater ausgebildet. Abends ist Joe als Leibw\u00e4chter, Bote und Fahrer seines Vaters unterwegs, tags\u00fcber arbeitet er als Polizist, zuletzt als Aufseher im Staatsgef\u00e4ngnis. Im Alter von f\u00fcnf Jahren wurde er von seinen jetzigen Eltern adoptiert und wuchs in einem sehr wohlhabenden Elternhaus mit engen Kontakt zu den sogenannten Eliten auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Anfang des Buches begleitet Joe seinen Vater, einen hohen Aufsichtsbeamten des Orange County, auf einer seiner dubiosen n\u00e4chtlichen Touren. Geheimnisvolle Unterhaltungen finden statt, kurze Worte werden ins Telefon gesprochen, viel, sehr viel Geld wechselt den Besitzer und ein etwa zw\u00f6lfj\u00e4hriges M\u00e4dchen wird im Auto mitgenommen \u2013 am Ende ist der Vater tot, erschossen. Joe f\u00fchlt sich schuldig und versucht zu rekonstruieren, was er jener Nacht nicht verstand, was sein Vater beabsichtigte und welches Geheimnis dieser vor ihm, seinem Sohn verbarg.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das s\u00fcdliche Kalifornien ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Der Anteil der Mexicanos ist hoch. Speziell in Orange County, zwischen LA und San Diego, findet man Amerikaner wei\u00dfer, mexikanischer und asiatischer Herkunft zu \u00e4hnlichen Anteilen. Politische Weggef\u00e4hrten und Feinde (zumeist wei\u00df), vietnamesische Gauner, mexikanische Underdogs und Reiche, die noch reicher werden wollen, waren die Gespr\u00e4chspartner von Joes Vater in seinen letzten Lebenstagen. Sein Vater war Joes gro\u00dfes Vorbild, und Joe meinte bislang von ihm alles Wichtige gelernt zu haben. Nun aber ist er gezwungen, sich mit der politischen Arbeitsmethodik seines Vaters auseinander zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonderer Reiz des Buches von T. Jefferson Parker liegt in der reduzierten Sprache. Die Geschichte wird aus der Sicht Joes erz\u00e4hlt, sehr zur\u00fcckgenommen und sehr schlicht. Hier erz\u00e4hlt niemand, der dem Leser zeigen will, wie toll er ist und was er alles kann. In einfachen S\u00e4tzen beschreibt Joe, was er sieht und was sich ereignet. Seine Gef\u00fchle und Empfindungen kann der Leser verstehen. In seiner scheinbaren Naivit\u00e4t erinnert der Stil an den von \u201eShella\u201c, oder (in der Danksagung namentlich genannt) \u201eMotherless Brooklyn\u201c. Parker schafft mit dieser Erz\u00e4hlweise eine sehr geheimnisvolle, wenig vordergr\u00fcndige Spannung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauert eine Weile, bis der Leser begreift, dass Joe kein Simpel ist. Joe, dessen Gesicht entstellt ist, beherrscht asiatischen Kampfsport, ist ein sehr guter Sch\u00fctze, hat ein eidetisches Ged\u00e4chtnis (i.e. \u201etotal recall\u201c), ist \u201estreetwise\u201c und moralisch integer. Auch wenn Parker bei den F\u00e4higkeiten Joes etwas \u00fcbertreibt, am Ende passt es. \u201eSilent Joe\u201c ist kein Buch f\u00fcr Leser, die oberfl\u00e4chliche \u201eKnaller\u201c brauchen. Die Konstruktion eines Krimiplots beherrscht Parker, wenn auch manche der L\u00f6sungen zu erahnen sind. Es ist ein innovativer und eigenst\u00e4ndiger Krimi, der mit seiner Tiefendarstellung der Hauptperson alle denen Lesevergn\u00fcgen bereiten wird, welche sich mit Personen und Seelenschichtungen besch\u00e4ftigen wollen. Mir gef\u00e4llt an T. Jefferson Parker sehr gut, dass er B\u00fccher und keine Serien schreibt. Joe, seine Konsequenz und seine Innenwelten hat der Leser am Ende des Buches sch\u00e4tzen gelernt. Sie bieten ihm mehr als die \u00fcblichen Serienhelden &#8211; damit aber ist es auch gut. M\u00f6ge Joe bei dem Versuch, in alle gro\u00dfen Fl\u00fcsse der USA zu steigen, Frieden und innere Reinheit finden.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">T. Jefferson Parker: Silent Joe. \nHyperion Books 2002, 400 Seiten, 7,49 \u20ac \n(deutsch als \"Der stille Mann\", Ullstein 2002, 12\u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Mouth shut, Eyes open&#8220;, unter dieser Maxime wurde Joe von seinem Vater ausgebildet. Abends ist Joe als Leibw\u00e4chter, Bote und Fahrer seines Vaters unterwegs, tags\u00fcber arbeitet er als Polizist, zuletzt als Aufseher im Staatsgef\u00e4ngnis. 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