{"id":12376,"date":"2005-07-15T11:11:00","date_gmt":"2005-07-15T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12376"},"modified":"2022-06-12T02:01:40","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:40","slug":"john-le-carre-the-spy-who-came-in-from-the-cold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/john-le-carre-the-spy-who-came-in-from-the-cold\/","title":{"rendered":"John Le Carr\u00e9: The Spy who came in from the cold"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0340739649.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0340739649.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"230\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>(Ein Klassiker noch einmal gelesen. \u00dcberholt oder aktuell? Und was die Originalausgabe der \u00dcbersetzung voraus hat.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Spy who came in from the cold\u201c, das Verb im Imperfekt, und anders als im Titel der deutschen \u00dcbersetzung (\u201eDer Spion der aus der K\u00e4lte kam\u201c), im englischen Original mit der Betonung auf dem kleinen Wort \u201ein\u201c: Der kalte Krieg und die Gef\u00fchlsk\u00e4lte, mit der die Agenten an der \u201eFront\u201c umgehen m\u00fcssen. Schlie\u00dflich erwarten die Geheimdienste nicht nur Ergebnisse, sondern auch absolute Verschwiegenheit. Ein vom Gegner enttarnter Agent, der stirbt, ist da allemal eine gute L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Leamas, die Hauptperson im Buch von John Le Carr\u00e9, hat das selber erlebt. Er war der Leiter des B\u00fcros des englischen Geheimdienstes in Berlin. Mehr durch Gl\u00fcck als eigene Leistung hatte er einen sehr produktiven Agentenring in der damaligen DDR aufgebaut. Dieser wurde ihm dann innerhalb kurzer Zeit von einem neuen Mann im Sicherheitsdienst der DDR, Mundt, zerst\u00f6rt. Am Ende stand Leamas am Checkpoint Charly, wartete auf seinen letzten und wichtigsten Mann und hoffte, als dieser kurz vor dem \u00dcbertritt erwischt wurde, dass er tot sein m\u00f6ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Agenten so kapital wie Leamas scheitern, kommen sie \u00fcblicherweise \u201eins Regal\u201c. Control, der Leiter des britischen Geheimdienstes hat jedoch andere Ideen und entwickelt gemeinsam mit Georg Smiley, der Hauptperson vieler weiterer B\u00fccher Le Carr\u00e9s, eine Strategie, um das \u201eostdeutsche Problem\u201c in den Griff zu kriegen. Hiervon befeuert, pers\u00f6nlich verletzt und zornig auf Mundt, macht sich Leamas auf den Weg, seinen Gegner zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Agenten weniger mit Waffen k\u00e4mpfen, als mit der Manipulation von Personen, mit wahren und falschen Informationen, entwickelt sich eine Geschichte des Versuches eines Geheimdienstes einen anderen, oder einzelne Mitglieder dessen, mit Informationen zu verf\u00fchren. Am Ende muss Leamas erkennen, dass er in der Tat ein Teil der Strategie des englischen Geheimdienstes war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 1963 erschienene \u201eThe Spy who came in from the cold\u201c ist einer der gro\u00dfen Klassiker des Genres. Und heutzutage noch sehr gut zu lesen. Man kann erkennen, welchen gro\u00dfen Vorsprung Spionageromanschreiber zu jener Zeit hatten. Sie haben schon fr\u00fch schriftstellerisches Handwerkszeug benutzt, welches im klassischen Krimibereich erst viel sp\u00e4ter Verwendung fand. Die Grenzen zwischen \u201eGut\u201c und \u201eB\u00f6se\u201c sind nat\u00fcrlich verwischt, wenn Agenten umgedreht werden oder scheinbar gegnerische Agenten f\u00fcr die eigene Seite arbeiten. Le Carr\u00e9 schreibt mit gro\u00dfer Eleganz und arbeitet, da \u201eGut\u201c und \u201eB\u00f6se\u201c so verquer stehen, seine Personen glaubw\u00fcrdig heraus. Die B\u00fccher Le Carr\u00e9s und so auch dieses, zeichnen sich h\u00e4ufig dadurch aus, dass technische Details, wie z.B. die Zugangsberechtigung zu Bankkonten oder wer wann welche Akten einsehen konnte, deren wesentliche Angelpunkte sind. So stellt sich dann schlussendlich die Frage, wo der Spion, aus der K\u00e4lte kommend, landet und am Ende ist es dann eine Geschichte \u2013 wie so meist &#8211; \u00fcber die \u201ewahren Werte\u201c, Ehre und Gewissen. Wie Le Carr\u00e9 diese Geschichte erz\u00e4hlt, ist au\u00dfergew\u00f6hnlich spannend und \u00fcberraschend und verdient noch immer unser besonderes Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p>Leser des englischsprachigen Originals haben den Vorteil, sich nicht den wechselnden \u00dcbersetzungsmoden unterwerfen zu m\u00fcssen, die dazu f\u00fchren, dass \u00e4ltere B\u00fccher, dem modernen Sprachverst\u00e4ndnis angepasst, erneut \u00fcbersetzt werden. Da entsteht dann gelegentlich die Frage, wer denn das Werk f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Sprachgebrauch des englischsprachigen Lesers \u00fcbertr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">John Le Carr\u00e9: The spy who came in from the cold. Sceptre 1999, 224 Seiten, 13,50 \u20ac (deutsch: John Le Carr\u00e9: Der Spion der aus der K\u00e4lte kam. List 2003, 256 Seiten, 7,95 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ein Klassiker noch einmal gelesen. \u00dcberholt oder aktuell? 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