{"id":12393,"date":"2005-07-18T11:12:00","date_gmt":"2005-07-18T09:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12393"},"modified":"2022-06-12T02:01:39","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:39","slug":"summer-camp-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/summer-camp-9\/","title":{"rendered":"Summer Camp -9-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/crimecamp_9.jpg\" alt=\"crimecamp_9.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das n\u00e4here Kennenlernen des Personals (in der letzten Folge versprochen) verschieben wir um eine Woche und widmen uns zun\u00e4chst einer an sich banalen und f\u00fcr viele vielleicht auch \u00fcberraschenden Problematik: Wie umfangreich soll unser Roman eigentlich werden?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Autoren, die die Tinte nicht halten k\u00f6nnen, werden jetzt vielleicht ausrufen: Wie? Wie lang? Mir doch egal! So lang, bis mir nichts mehr einf\u00e4llt! Sch\u00f6n, ich respektiere das vorderhand, frage mich aber, ob ich als Leser eines 600 Seiten langen Textes, dessen Inhalt auf 200 gut untergebracht w\u00e4re, \u00fcber die gleiche Geduld und Toleranz verf\u00fcgen w\u00fcrde. Wahrscheinlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zuerst einmal beruhen \u00dcberlegungen des Autors zum Umfang seines Textes auf taktisch-\u00f6konomischen Erw\u00e4gungen. Mit einem 80-Seiter wird ein Deb\u00fctant ebenso wenig einen Verlag finden wie mit einem 800-Seiter, Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel. Verlage sch\u00e4tzen Krimis, die zwischen 200 und 400 Seiten stark sind, der Leser tut es wohl auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst wer solche \u00dcberlegungen geringsch\u00e4tzt, wird nicht umhinkommen, sich Gedanken \u00fcber den Umfang zu machen. Denn wenn wir bisher auch kaum etwas \u00fcber die eigentliche Handlung, den eigentlichen Ablauf wissen, so wurde das Thema doch schon so weit umrissen, dass Antworten auf folgende Fragen m\u00f6glich sein sollten:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Worum geht es mir eigentlich? Um das Abspulen, das Ineinandergreifen von mehr oder weniger Handlung oder um die Darstellung einer psychischen Konstellation und ihrer Folgen? Wer einen Actionthriller mit st\u00e4ndig wechselnden Schaupl\u00e4tzen und einem nur noch in Dutzenden aufzufahrenden Personal konzipiert, tut gut daran, sein Werk etwas breiter anzulegen. Wer hingegen eine sehr konkrete Situation, bei der sehr viel (in doppelter Hinsicht) Kopfarbeit ist, ausloten m\u00f6chte, der wechselt zu<br \/>2. Bis in welche Tiefen will ich eigentlich vordringen? Wir wissen immerhin schon, dass zu unserem Krimi auch eine Vorgeschichte geh\u00f6rt, die weitgehend im Kopf des Erz\u00e4hlers reportiert werden soll. Damit wissen wir auch, dass etwa ausufernde Milieuschilderungen fehl am Platze sind. Was wir wissen m\u00fcssen, erfahren wir kurz und knapp, es steht in enger Verbindung zur Gegenwart des Erz\u00e4hlers und jener j\u00fcngeren Vergangenheit im Warteh\u00e4uschen am Bahnhof. Die Bewegungen, die wir sprachlich vollziehen, sind zwar schnell \u2013 aber nicht schnell, um die Handlung zu bewegen, sondern um die innere Konstellation des Erz\u00e4hlers und der anderen Personen zu umkreisen, sie immer enger miteinander zu verkn\u00fcpfen, bis am Ende nichts au\u00dfer der Katastrophe mehr denkbar ist.<br \/>3. Das wiederum f\u00fchrt unweigerlich zu einer zentralen \u00dcberlegung, den Leser betreffend. Was will ich ihm zumuten? Oder konkreter: Wie stelle ich ihn mir vor? Traue ich ihm zu, eigene Schl\u00fcsse anzustellen oder halte ich es f\u00fcr opportun, ihm alles m\u00f6glichst haarklein zu explizieren? Auch wichtig: Welches \u201eLesegef\u00fchl\u201c m\u00f6chte ich eigentlich ansprechen? Will ich ihn bei der Hand nehmen und ihn durch eine atmosph\u00e4rische Handlung f\u00fchren oder mute ich ihm zu, sich in ein System kommunizierender Stimmen und Ereignisse zu versenken, bei dem es nicht m\u00f6glich sein sollte, diese oder jene Passage rasch zu \u00fcberfliegen? Wie setze ich das dramaturgische Element der Wiederholung ein?<\/p>\n\n\n\n<p>Es g\u00e4be noch mehr Punkte zu beachten, noch mehr Fragen zu stellen. Die nach dem Umfang des Textes allerdings ist wichtig, auch weil sie, wie man sieht, eine ganze Reihe von anderen Fragen aufwirft, \u00fcber die man sich klar werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Krimi, das steht fest, wird es dem Leser nicht leicht machen; er wird Arbeit fordern, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, selbstst\u00e4ndig Schl\u00fcsse zu ziehen. Wir erz\u00e4hlen nur dort, wo es sein muss (siehe \u201eErz\u00e4hlperspektiven\u201c) im etwas breiteren, \u201etraditionelleren\u201c Ton, ansonsten gilt es, Gedanken in all ihrer Vielfalt sichtbar zu machen. Wir erzeugen die Spannung aus der Zuspitzung dieser Gedanken, nicht aus vordergr\u00fcndigen Aktionen heraus, die wir folglich auch nicht zu schildern brauchen. Wir schreiben auch keinen psychologischen Roman, in dem alle Personen bis auf den Grund ausgeleuchtet werden. \u2013 Und damit w\u00e4ren wir halt doch wieder beim Personal, das es endlich etwas genauer zu skizzieren gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend sei aber festgelegt, dass unser Roman zwischen 200 und 250 Seiten stark sein soll. Das ist noch ein wenig ungenau, weist aber schon die Richtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das n\u00e4here Kennenlernen des Personals (in der letzten Folge versprochen) verschieben wir um eine Woche und widmen uns zun\u00e4chst einer an sich banalen und f\u00fcr viele vielleicht auch \u00fcberraschenden Problematik: Wie umfangreich soll unser Roman eigentlich werden?<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[2330,2391,2626],"class_list":["post-12393","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-crime-school","tag-summmer-camp","tag-umfang"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12393\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}