{"id":12399,"date":"2005-07-19T11:12:00","date_gmt":"2005-07-19T09:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12399"},"modified":"2022-06-12T02:01:39","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:39","slug":"rebecca-pawel-death-of-a-nationalist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/rebecca-pawel-death-of-a-nationalist\/","title":{"rendered":"Rebecca Pawel: Death of a nationalist"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/1569473447.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/1569473447.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"229\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>(Ob wir Rebecca Pawels Erstling jemals auf Deutsch werden lesen k\u00f6nnen? Der Rezensent zumindest h\u00e4tte nichts dagegen.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der spanische B\u00fcrgerkrieg 1936-1939, die Zeit von Hemingways \u201eFor whom the bell tolls\u201c, selten war die Selbstzerfleischung eines Volkes so gro\u00df wie in diesem Krieg. \u201eDeath of a nationalist\u201c von Rebecca Pawel handelt von der Zeit danach, der Zeit des \u00dcbergangs. Ende M\u00e4rz 1939. Franco wird dieser Tage dem Volk und der Welt seinen Sieg verk\u00fcnden. Die Falangisten (Nationalisten) begeben sich an die Aufr\u00e4umarbeiten und verhaften Kommunisten und Republikaner, die sich \u00fcberall verstecken, zu Tausenden. Die Sieger sind wohl mehr mit ihrer Rache als mit dem Wiederaufbau des Landes besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung sind die Folgen eines Krieges ja \u00fcberall die gleichen, da unterscheidet sich Berlin 1945 wenig von Madrid 1939: Zuwenig zu Essen, Schwarzm\u00e4rkte und Kriegsgewinnler. Pawel beschreibt sehr glaubw\u00fcrdig, wie die Menschen reagieren. Die milit\u00e4rf\u00e4higen M\u00e4nner verstecken sich und versuchen ihre \u201eSpiele\u201c weiterzuspielen, w\u00e4hrend die Frauen bestrebt sind, das \u00dcberleben zu organisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leiche eines Mitglieds der&nbsp;<em>guardia civile&nbsp;<\/em>(paramilit\u00e4rische Polizeieinheit) wird gefunden, die vermeintliche T\u00e4terin ist schnell ausgemacht und auf offener Strasse erschossen. Nur, dass der verantwortliche Offizier, Sergeant Carlos Tejada, Zeichen findet, die in ihm Zweifel aufkommen lassen und er anf\u00e4ngt Nachforschungen anzustellen. Das Opfer, mit dem er die Belagerung von Toledo \u00fcberlebt hatte, war mit ihm eng befreundet.<\/p>\n\n\n\n<p>Pawel inszeniert eine Geschichte, bei der auf der einen Seite Sergeant Carlos Tejada steht, welcher versucht, den Tod seines Freundes aufzukl\u00e4ren und dabei immer st\u00e4rker mit seinen Idealen und seiner Loyalit\u00e4t in Konflikt ger\u00e4t \u2013 ohne allerdings mit ihnen zu brechen. Und auf der anderen Seite Gonzalo Llorente, ein Kommunist, der versucht, den M\u00f6rder seiner Geliebten ausfindig zu machen. Dabei entwickelt sich eine komplexe Geschichte, bei der es nicht nur um die Frage nach dem T\u00e4ter geht, sondern auch um die Personen, welche versuchen, sich selbst und ihren Idealen treu zu bleiben. Wie Hemingway zeigt sie auch die Mitleidlosigkeit ideologischer Obsession.<\/p>\n\n\n\n<p>Pawel schreibt unpr\u00e4tenti\u00f6s; nicht auf vordergr\u00fcndige Aktion angelegt, kann sie ihrer Erz\u00e4hlung aber eine rasante Beschleunigung geben, wenn diese es erfordert. Ihr Personal, seine Motivationen und Handlungen bringt sie glaubw\u00fcrdig her\u00fcber. Spannung generiert sie geschickt dadurch, dass sie haupts\u00e4chlich aus der Sicht ihrer beiden Protagonisten schreibt, so dass der Leser immer etwas mehr wei\u00df als diese. Merklich ist zudem, dass Pawel zuweilen geradezu poetisch schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDeath of a nationalist\u201c ist ein absolut befriedigendes (und das meine ich nicht im schulischen Sinne) Leseerlebnis. Geschichte \u00b4mal nicht als oberfl\u00e4chliches wohlfeiles Am\u00fcsement des Lesers, sondern mit Tiefenwirkung. Sie legt hier ein sehr eigenst\u00e4ndiges Buch mit gut konstruierter Story vor. Es ist das erste Buch von Rebecca Pawel, einer New Yorker Lehrerin f\u00fcr Englisch und Journalismus. Voller Neugier bleibt abzuwarten, wie sich ihre B\u00fccher im Weiteren entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><br \/>Rebecca Pawel: Death of a nationalist. Soho Crime 2003, 262 Seiten, 11,50 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><br \/><em>(Der Rezensent, dessen Rezension ohne Frage positiv ausgefallen ist, weist auf eine weitere positive Besprechung des Buches hin, erkl\u00e4rt jedoch, damit habe es auch schon ein Ende mit den Gemeinsamkeiten. Man findet besagte (englischsprachige) Rezension \u2192<a href=\"http:\/\/www.brothersjudd.com\/index.cfm\/fuseaction\/reviews.detail\/book_id\/1376\">hier<\/a>.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ob wir Rebecca Pawels Erstling jemals auf Deutsch werden lesen k\u00f6nnen? Der Rezensent zumindest h\u00e4tte nichts dagegen.) 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