{"id":12421,"date":"2005-07-29T11:12:00","date_gmt":"2005-07-29T09:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12421"},"modified":"2022-05-13T01:47:24","modified_gmt":"2022-05-12T23:47:24","slug":"zwischenzeugnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/zwischenzeugnis\/","title":{"rendered":"Zwischenzeugnis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/360.gif\" alt=\"360.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8230; und wie immer werden die Zeugnisse mit Versp\u00e4tung \u00fcberreicht. Das erste Halbjahr ist l\u00e4ngst Geschichte, aber \u201ewatching the detectives\u201c hat nun mal gerade seine sechs Monate hinter sich. Also: Wie war er denn so, der Krimi im ersten Halbjahr 2005?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Generell: gut. Jedenfalls international. Die drei herausragenden Werke waren, f\u00fcr meine Wenigkeit, Fred Vargas\u2019 \u201e<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/vargas-stein-rezension1\/\" data-type=\"post\" data-id=\"12344\">Der vierzehnte Stein<\/a>\u201c, Iain Levisons \u201e<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/iain-levison-betriebsbedingt-gekuendigt\/\" data-type=\"post\" data-id=\"12413\">Betriebsbedingt gek\u00fcndigt<\/a>\u201c und David Peaces \u201e<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/david-peace-1974\/\" data-type=\"post\" data-id=\"12370\">1974<\/a>\u201c. Keine \u00dcberraschung. Das sagt auch so ungef\u00e4hr die \u201eKrimibestenliste\u201c, welche wiederum das herausragende Krimiereignis national genannt werden darf. Sie wird gewiss den deutschen Durchschnittskrimileser nicht in toto umkrempeln, aber ein verl\u00e4sslicher F\u00fchrer durch den Dschungel der Neuerscheinungen ist mir allemal lieber als ein weiterer Krimipreis, um \u201edie Besten\u201c zu ehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass die drei genannten Werke (meine h\u00f6chst subjektive Auswahl, noch einmal) allesamt das sind, was man als \u201eambitioniert\u201c bezeichnet. Vargas arbeitet mit Zeichen, Symbolen und Mythen, eher un\u00fcblich f\u00fcr Krimis, aber gelungen. Levison und Peace pointieren das gesellschaftlich-moralische Hier und Jetzt bis zum Zynismus, schreiben sehr \u00f6konomisch, ohne F\u00fcllstoff.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den herk\u00f6mmlicheren Krimis dieses ersten Halbjahres haben ebenfalls die Ausl\u00e4nder die Nase vorn. Guillermo Martinez\u2019 \u201e<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/03\/guillermo-martinez-die-pythagoras-morde\/\" data-type=\"post\" data-id=\"11918\">Die Pythagoras-Morde<\/a>\u201c ist intelligenter Whodunnit, Laura Lippmans \u201e<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/06\/laura-lippman-butchers-hill\/\" data-type=\"post\" data-id=\"12200\">Butchers Hill<\/a>\u201c stellt die Vorteile eines sauberen Handwerks und eines atmosph\u00e4risch klug gearbeiteten Settings unter Beweis.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Krimis als gute Gelegenheit zur Besichtigung anderer L\u00e4nder betrachtet, kommt aktuell an Island nicht vorbei. Nach Indridason und Blomkwist jetzt Ing\u00f3lfsson mit seinem gediegenen \u201e<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/07\/sommerkrimi-2\/\" data-type=\"post\" data-id=\"12407\">R\u00e4tsel von Flatey<\/a>\u201c. Deutsche Krimileser m\u00f6gen Skandinavien. Jedenfalls mehr als etwa Kuba, wo man sich zwar all inclusive einen Sonnenbrand einf\u00e4ngt, seltener jedoch mit Leonardo Padura am Strand liegt. Schade. Obwohl: Mit Padura am Strand?<\/p>\n\n\n\n<p>Und der deutsche Krimi? Die Antwort hat drei Buchstaben: Ani. Sein \u201eS\u00fcden und der Mann im langen schwarzen Mantel\u201c ist das heimatliche Highlight dieses Halbjahres. Zufall, dass auch hier mit \u201eFormalit\u00e4ten\u201c virtuos umgegangen wird, wie bei Vargas und Kompanie?<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl nicht. Aber noch etwas: Anis Buch (das letzte seiner Art, leider, denn der Autor wendet sich anderen Sujets zu) k\u00f6nnte auch f\u00fcr etwas stehen, das ich mal \u201eden anderen Regionalkrimi\u201c nennen m\u00f6chte. Der herk\u00f6mmliche boomt weiterhin, ganze Verlage scheinen inzwischen nicht schlecht davon zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun habe ich prinzipiell nichts gegen Regionalkrimis, nicht einmal gegen besagte herk\u00f6mmliche, die mir irgendeinen Landstrich meines gro\u00dfen und sch\u00f6nen Heimatlandes vorf\u00fchren und mich, der ich lieber anderswo eskapiere, mit Mord und Totschlag locken. Oder zus\u00e4tzlich mit \u201ehistorisch\u201c. Historische Heimatkrimis \u2013 bittesch\u00f6n. Aber Ani, der Tiefbayer, weist auch hier in eine alternative Richtung. Die Region nicht als Kulisse, sondern als geistiger Ort. Im \u00fcbrigen ist auch z.B. Peaces \u201e1974\u201c ein Heimatroman. Nordengland. Ein Heimatroman, wie ihn in Deutschland allerdings noch keine\/r geschrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten eine Menge Durchschnittsdruckerschw\u00e4rze. Paprotta, Blaudez, Bottini und einige andere nehme ich vorderhand davon aus, weil ich sie noch nicht gelesen habe. Wie \u00fcberhaupt, und dies zum Beschluss: Auch ich sitze unter meinem Hut und kann starren und starren wie ich will \u2013 viel weiter als \u00fcber die Krempe hinaus komm ich einfach nicht.<br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und wie immer werden die Zeugnisse mit Versp\u00e4tung \u00fcberreicht. Das erste Halbjahr ist l\u00e4ngst Geschichte, aber \u201ewatching the detectives\u201c hat nun mal gerade seine sechs Monate hinter sich. 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