{"id":12456,"date":"2005-08-08T11:11:00","date_gmt":"2005-08-08T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12456"},"modified":"2022-06-12T02:01:35","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:35","slug":"summer-camp-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/summer-camp-12\/","title":{"rendered":"Summer Camp -12-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/crimecamp_12.jpg\" alt=\"crimecamp_12.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Hand\u00fcbungen, wie man sie an einem bestimmten Punkt der theoretischen \u00dcberlegungen machen sollte, sind eine unangenehme Angelegenheit, solange sie nicht gelingen. Solange sie aber nicht gelingen, besteht die M\u00f6glichkeit, dass sie Erkenntnisse liefern. Erkenntnisse, die das Projekt zum Scheitern verurteilen oder, wir hoffen es, den Durchbruch zum Erfolg bringen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nun, zur Zeit k\u00e4mpfe ich mit zwei Problemen, von denen ich nie geglaubt habe, sie blieben mir erspart. Da w\u00e4re einmal dieser kurze und doch so wichtige Moment, in dem Frankensteins Monster sich von seinem Geburtsbett erhebt, ungl\u00e4ubig ins Lampenlicht des Laboratoriums blinzelt, sich betastet und dann vorsichtig zu laufen beginnt. Wie wird das aussehen? L\u00e4uft er so, wie ein k\u00fcnstliches Monster eben l\u00e4uft, oder spaziert er wie ein normal entstandener Mensch durch den Raum?<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf einem Roman nicht ansehen, dass sich sein Autor mehr als eine durchwachte Nacht lang den Kopf \u00fcber die Struktur der Story zerbrochen hat. Selbst dann, wenn ein Roman explizit darauf verzichtet, \u201edas wirkliche Leben\u201c in seinen oberfl\u00e4chlichen Abl\u00e4ufen abzubilden, darf niemals der Eindruck beim Leser entstehen, er nehme gerade an einer Versuchsreihe moderner Prosa teil. Der Krimi, so wie er bisher geplant ist, wird einige liebgewordene und durchaus bew\u00e4hrte Erz\u00e4hlstrategien missachten und versuchen, \u201eWirklichkeit\u201c aus anderen Perspektiven zu beleuchten. Sch\u00f6n und gut; und dennoch: Wenn es nicht gelingt, den Leser davon zu \u00fcberzeugen, es handele sich dabei tats\u00e4chlich um Wirklichkeit \u2013 und zwar um eine, die er SO noch nicht wahrgenommen hat -, dann ist das Projekt gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir bei Problem Nummer 2 w\u00e4ren. Die Leser. Man sollte sie weder unter- noch \u00fcberfordern, sie sind keine Idioten, aber auch keine Genies, die in Sekundenschnelle erahnen k\u00f6nnen, wozu der Autor Wochen oder Monate des \u00dcberlegens gebraucht hat. Was n\u00fctzt mir eine ausgefeilte Erz\u00e4hltechnik, wenn sie den Leser nur konfus und ratlos zur\u00fcckl\u00e4sst? Das was ich schreibe, darf nicht nur keine Br\u00fcche haben, es muss in seiner Selbstverst\u00e4ndlichkeit auch nachvollziehbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen beiden Problemen k\u00e4mpfe ich also im Moment. Erste Hand\u00fcbungen sind gl\u00fccklich absolviert, manches klingt ganz gut, anderes noch viel zu gestelzt, zu sehr auf den beabsichtigten Effekt ausgelegt und weniger auf das Erz\u00e4hlziel ausgerichtet. Gut, es sind nur Hand\u00fcbungen, vielleicht zwei oder drei Seiten. Aber sie m\u00fcssen einen potentiellen Leser packen, m\u00fcssen ihm sagen: Moment mal, das ist die Wirklichkeit, die Wirklichkeit, wie sie mir bislang noch niemand gezeigt hat, und sie ist spannend genug, mich bei der Stange zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit muss ich kommen, will ich das Projekt nicht betr\u00fcbt zu den Akten legen. Ist noch m\u00f6glich, und ich bleibe dran. Indes: Sollte es scheitern, w\u00e4re dies keine Katastrophe. Projekte d\u00fcrfen scheitern, man lernt immer aus ihnen. Fertige Romane d\u00fcrfen das nicht. Sie sind Zeugen eines fehlgeschlagenen Planes, und daf\u00fcr zahlt kein Mensch freiwillig Geld und opfert Lesezeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich \u00fcbe weiter und halte euch auf dem Laufenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hand\u00fcbungen, wie man sie an einem bestimmten Punkt der theoretischen \u00dcberlegungen machen sollte, sind eine unangenehme Angelegenheit, solange sie nicht gelingen. Solange sie aber nicht gelingen, besteht die M\u00f6glichkeit, dass sie Erkenntnisse liefern. 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