{"id":12468,"date":"2005-08-11T11:10:00","date_gmt":"2005-08-11T09:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12468"},"modified":"2022-06-12T02:01:34","modified_gmt":"2022-06-12T00:01:34","slug":"renate-kampmann-fremdkoerper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/renate-kampmann-fremdkoerper\/","title":{"rendered":"Renate Kampmann: Fremdk\u00f6rper"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3463404834.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3463404834.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"245\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr die nicht nur hierzulande enorme Beliebtheit von Krimis aus dem Forensikmilieu kann man nur spekulieren. Vielleicht ist es dieses Nebeneinander von archaischem Grauen und n\u00fcchterner Wissenschaft, das den Reiz des Zweiges begr\u00fcndet. Dass dessen Helden in aller Regel Heldinnen sind, mag das Bild abrunden. Die Frau als Mittlerin zwischen dem Irrationalen und dem Rationalen. Ende des psychoanalytischen Einstiegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Renate Kampmanns \u201eFremdk\u00f6rper\u201c spielt in diesem Milieu. Ihre Protagonistin Leonie Simon arbeitet als Gerichtsmedizinerin in Hamburg, hat eine detektivische Ader und das ausgepr\u00e4gte Talent, sich \u00fcberall Feinde und sonstige Gegner zu machen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf dem Dachboden eines Mietshauses wird die mumifizierte Leiche einer seit vier Jahren vermissten jungen Frau gefunden, Tochter einer Oberstaatsanw\u00e4ltin, was die Sache wesentlich kompliziert. Zur gleichen Zeit wird Hamburg durch die Taten eines sogenannten \u201eSniper\u201c in Atem gehalten, eines Killers also, der wahllos Menschen erschie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman entwickelt seine beiden Handlungsstr\u00e4nge gem\u00e4chlich und pr\u00e4zise, in einer diesem Transport von Informationen angemessenen Sprache, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Manchmal, wenn etwa medizinische Ph\u00e4nomene zu erkl\u00e4ren sind, ein wenig dozentenhaft, aber das st\u00f6rt nicht wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erz\u00e4hlperspektive der Leonie Simon gesellt sich bald die des Killers. Der Leser hat nun einen Informationsvorsprung, er kriecht in die Psyche des Sniper und wei\u00df lange vor der Protagonistin, dass sich die Handlungsstr\u00e4nge auf das Unheilvollste miteinander verkn\u00fcpfen. Dramaturgisch geschickt gemacht, und auch die Zuf\u00e4lligkeit, die solchen Begegnungen zweier eigentlich separater Abl\u00e4ufe innewohnt, entbehrt nicht ausreichender Logik.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller Konzentration auf diese Ereignisse gelingt es Renate Kampmann, die wirkliche Welt in pr\u00e4gnanten Snapshots einzufangen und zu integrieren. Die wirkliche Welt in all ihrer Brutalit\u00e4t: Totgepr\u00fcgelte Kinder, misshandelte Frauen, die allt\u00e4gliche Kriminalit\u00e4t und die Verwahrlosung einer ignoranten Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, \u201eFremdk\u00f6rper\u201c ist nicht der bef\u00fcrchtete Versuch, sich an einen Trend zu h\u00e4ngen. Vielmehr ein eigenst\u00e4ndiger und souver\u00e4n gearbeiteter Krimi, dramaturgisch gekonnt und mit psychologischem Augenma\u00df in Szene gesetzt. Sehr erfreulich.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Renate Kampmann: Fremdk\u00f6rper. Kindler 2005, 432 Seiten, 19,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr die nicht nur hierzulande enorme Beliebtheit von Krimis aus dem Forensikmilieu kann man nur spekulieren. Vielleicht ist es dieses Nebeneinander von archaischem Grauen und n\u00fcchterner Wissenschaft, das den Reiz des Zweiges begr\u00fcndet. Dass dessen Helden in aller Regel Heldinnen sind, mag das Bild abrunden. 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