{"id":12494,"date":"2005-08-16T11:11:00","date_gmt":"2005-08-16T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12494"},"modified":"2022-06-12T02:03:04","modified_gmt":"2022-06-12T00:03:04","slug":"john-le-carre-smileys-people","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/john-le-carre-smileys-people\/","title":{"rendered":"John Le Carr\u00e9: Smiley&#8217;s People"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0340559179.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0340559179.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"245\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Smiley, \u00fcber 30 Jahre die immer wiederkehrende Figur aus Le Carr\u00e9s B\u00fcchern, kommt einfach nicht los von Karla. Dieser scheint sein Schicksal zu sein: Freundschaften, den britischen Geheimdienst, seine Arbeit, seine Ehe &#8211; alles hat Karla kaputt gemacht. Und wieder einmal ist Smiley unterwegs und verfolgt Karla und seinen unerm\u00fcdlich in Gro\u00dfbritannien wandelnden Geist. Das vorliegende, 1980 erschienene Buch \u201eSmiley\u00b4s People\u201c ist der dritte und letzte Band der Trilogie \u201eKarlas Quest\u201c, welche das Ringen zwischen Smiley, zeitweise Chef des britischen Geheimdienstes, und Karla, Leiter einer Abteilung des russischen Dienstes, beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im ersten Band, \u201eTinker, Tailor, Soldier, Spy\u201c enttarnt Smiley einen, von Kala \u00fcber 20 Jahre gepflegten Maulwurf, der bis in den F\u00fchrungszirkel des britischen Geheimdienstes aufstieg. Verrat \u00fcberall wo Smiley hinsieht, im Geheimdienst und privat. Im Folgebuch, \u201eA honourable schoolboy\u201c versucht Smiley, nun selber Chef des Geheimdiensts, den zerschlagenen Dienst wieder aufzurichten und initiiert eine Aktion gegen Karlas Mitarbeiter in Hongkong &#8211; am Ende wird Smiley aussortiert und ins \u201eRegal\u201c gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Jahre sp\u00e4ter, \u201eSmiley\u00b4s People\u201c. Es beginnt wie ein Whodunit. Mitten in der Nacht. Smiley, der sich mittlerweile haupts\u00e4chlich mit deutscher Lyrik besch\u00e4ftigt, erh\u00e4lt einen Anruf. Die Leiche eines fr\u00fcheren russischen Generals und Agenten des Geheimdienstes wurde in einem Londoner Park gefunden. Kurz vor seinem Tod hatte er versucht, aus der Versenkung, in die ihn der Dienst geschickt hatte, nicht wissend, dass auch Smiley mittlerweile dort verschwunden ist, Kontakt mit diesem aufzunehmen. Smiley rekonstruiert die letzten Wege des Generals im Park und findet eine Spur. Eine Spur die ihn hinf\u00fchrt zu alten Mitarbeitern und Agenten und zum gro\u00dfen Geheimnis des Generals; eine Spur, die ihn letztendlich ganz nah an Karla bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und w\u00e4hrend Smiley dieser Spur folgt, k\u00e4mpft er mit Karlas D\u00e4monen, die ihn immer noch verfolgen: Seine kaputte Ehe&#8230; sein vergeblicher Versuch vor 20 Jahren, Karla zum \u00dcberlaufen zu bewegen&#8230; sein Leben. Und er empfindet Schuld, dass der General und seine Leute, wenn auch gegen seinem Rat, vom Geheimdienst fallen gelassen wurden. Und \u00fcberhaupt. Sein Geheimdienst, ein Schatten seiner selbst, von der neuen Labourregierung weiter geknebelt, will nichts mit dem Fall zu tun haben, freute sich aber, sollte Smiley Ergebnisse erzielen. \u00dcber weite Strecken ist es ist ein Roman ohne Hast; wie auch&#8230; die Protagonisten sind k\u00f6rperlich alt: Smiley kommt aus der Puste, wenn er wenige Treppenstufen steigt. Conny, seine fr\u00fchere Mitarbeiterin, die alle wichtigen Informationen im Kopf hat, kann nicht einmal alleine vom Sessel aufstehen und stirbt fast in seiner Gegenwart an einem Anfall &#8211; und auch Karla wirkt m\u00fcde. Smileys fr\u00fchere Vertraute sind alle aus dem Dienst ausgeschieden. Zum Ende des Buches hin hat es etwas r\u00fchrend Komisches, wenn Smiley seine Truppen sammelt, und diese Ehemaligen, Aussortierten sich einen russischen Boten verkn\u00f6pfen und Informationen erpressen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Trilogie \u201eKarlas Quest\u201c ist f\u00fcr mich eines der Gro\u00dfereignisse des Genres \u2013 immer noch. Und \u201eSmiley\u2019s people\u201c ein w\u00fcrdiger Abschluss. Es besitzt nicht die Komplexit\u00e4t von \u201eTinker, Tailor, Soldier, Spy\u201c, aber sehr gro\u00dfe erz\u00e4hlerische Tiefe; wie kaum ein Zweiter kann Le Carre die Lebensgeschichten seiner Protagonisten erz\u00e4hlen; und wie Le Carr\u00e9 Spannung erzeugt, aus Kleinigkeiten, so scheinbar nebenbei &#8230; ich sehe direkt die Schamesr\u00f6te in den Gesichtern der \u201eCliffhanger -Gro\u00dfmeister\u201c der Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich ist es ein tragisch wehm\u00fctiges Buch. Zum einen ganz allgemein, weil der Verfall des Geheimdienstes ja nur den Verlust der Bedeutung Gro\u00dfbritanniens widerspiegelt. Statt eigener Gr\u00f6\u00dfe die Anlehnung an den atlantischen Cousin. Zum anderen aber auch ganz pers\u00f6nlich, denn Smiley ist von Anfang an ein Besiegter und das einzige was er erreichen kann, ist, dass Karla, sein gro\u00dfer Gegner, auch geschlagen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">John Le Carr\u00e9: Smiley's People. Hodder &amp; Stoughton Ltd 2002. 384 Seiten, 8,65 \u20ac<br \/>(deutsch: \"Agent in eigener Sache\". List 2002, 8,95 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Smiley, \u00fcber 30 Jahre die immer wiederkehrende Figur aus Le Carr\u00e9s B\u00fcchern, kommt einfach nicht los von Karla. Dieser scheint sein Schicksal zu sein: Freundschaften, den britischen Geheimdienst, seine Arbeit, seine Ehe &#8211; alles hat Karla kaputt gemacht. Und wieder einmal ist Smiley unterwegs und verfolgt Karla und seinen unerm\u00fcdlich in Gro\u00dfbritannien wandelnden Geist. 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