{"id":12518,"date":"2005-08-20T11:11:00","date_gmt":"2005-08-20T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12518"},"modified":"2022-06-12T02:15:50","modified_gmt":"2022-06-12T00:15:50","slug":"sommerkrimi-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/sommerkrimi-6\/","title":{"rendered":"Sommerkrimi -6-"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3378006633.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3378006633.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"258\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Italien dort, wo es stirbt. Ein kleiner Ort im Hinterland der Adria, ein paar Zwanzig Menschen, viele schon \u00e4lter, eine Gemeinschaft, die vergangenen Zeiten nachtrauert und von den gegenw\u00e4rtigen vergessen wurde. Und dann ist alles anders: In diesem dr\u00fcckend hei\u00dfen Sommer wird ein Mann von einer Viper gebissen, und eine andere Person sorgt daf\u00fcr, dass jede Rettung zu sp\u00e4t kommt. Etwas bewegt sich in Montesecco.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard Jaumann erz\u00e4hlt uns in \u201eDie Vipern von Montesecco\u201c eine hochmoralische Geschichte, den allm\u00e4hlichen Einbruch des &#8222;Anderen&#8220; in eine auf den ersten Blick idyllische Welt. Das Verbrechen sch\u00fcrt Misstrauen, bringt Dinge ans Tageslicht, die besser verborgen geblieben w\u00e4ren, und je mehr diese Welt ins Wanken ger\u00e4t, desto bedrohlicher schiebt sich eine andere in die harmlose Topografie Monteseccos. Eine Welt ohne Ordnung, ohne Gesetz, eine Welt am Rande des Archaischen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>F\u00fcr dieses Andere stehen die Vipern, eine mythische Kraft, die sich das St\u00e4dtchen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck erobert. Sehr sch\u00f6n, wie Jaumann hier mit einem Grundcharakteristikum von Krimi spielt: Dem Einbruch des Abnormalen in die Beschaulichkeit. Und so beil\u00e4ufig wird uns das erz\u00e4hlt, dass wir gar nicht merken, wie wir pl\u00f6tzlich nicht mehr auf dem sonnen\u00fcberfluteten Platz vor der Kneipe sitzen und den Gespr\u00e4chen zuh\u00f6ren, sondern l\u00e4ngst an einem sehr dunklen Ort der Psyche gelandet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Dinge indes st\u00f6ren: Einmal die Schreibsprache, in der die Einwohner Monteseccos manchmal reden wie gestelzt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eMarisa Curzio sagte: \u201aIhr einziger Sohn wurde von einer Viper gebissen und ist nach Stunden elend daran gestorben. Auf der Todesanzeige neben ihrem Haus hat jemand h\u00f6hnisch die Viper hochleben lassen. Ihr Mann hat geschworen, seinen Sohn nicht zu beerdigen, bis der T\u00e4ter gefa\u00dft wird. Es waren seine letzten Worte, bevor er selbst t\u00f6dlich verungl\u00fcckte. Zwei Leichen und diese Worte sind alles, was Assunta geblieben ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Menschen reden so, wie der Autor erz\u00e4hlt, das passt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann das Bem\u00fchen des Autors, uns jede Reaktion genauestens zu erl\u00e4utern, obwohl der Inhalt f\u00fcr sich spricht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSie sp\u00fcrten, da\u00df sie aufeinander angewiesen waren, und mehr denn je begriffen sie, da\u00df das Verbrechen, das am Anfang all dessen gestanden hatte, nicht nur Giorgio Lucarelli, sondern ihnen allen gegolten hatte.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zu dieser Einsicht zu gelangen, ist allein Aufgabe des Lesers, und der Text erm\u00f6glicht ihm diese Einsicht auch. Da muss es der Autor nicht auch noch niederschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt mindern diese Einw\u00e4nde die Qualit\u00e4t von Jaumanns Buch jedoch nur unwesentlich. Die Geschichte selbst ist stark genug, den Leser bis zum Ende bei der Stange zu halten.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Bernhard Jaumann: Die Vipern von Montesecco. Kiepenheuer 2005. 275 Seiten, 18,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Italien dort, wo es stirbt. Ein kleiner Ort im Hinterland der Adria, ein paar Zwanzig Menschen, viele schon \u00e4lter, eine Gemeinschaft, die vergangenen Zeiten nachtrauert und von den gegenw\u00e4rtigen vergessen wurde. 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