{"id":12528,"date":"2005-08-23T11:11:00","date_gmt":"2005-08-23T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12528"},"modified":"2022-06-14T23:57:21","modified_gmt":"2022-06-14T21:57:21","slug":"charles-benoit-relative-danger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/charles-benoit-relative-danger\/","title":{"rendered":"Charles Benoit: Relative danger"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/1590580923.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/1590580923.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"221\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im US-amerikanischen Krimi kann man \u00fcber die letzten Jahre eine Verschiebung, weg von verwurbelten R\u00e4tseln hin zum erz\u00e4hlenden Roman beobachten. Charles Benoits Erstling \u201eRelative Danger\u201c ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die neue Stilistik. Er ist ein Krimi gewordener Reiseroman, geschrieben f\u00fcr eine Nation, bei der man das Gef\u00fchl hat, dass f\u00fcr sie die Juden der Gegenwart die Moslems sind.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Douglas Pearce ist arbeitslos und hat fr\u00fcher als Flaschensp\u00fcler in einer kleineren Brauerei gearbeitet. Er wird als junger, gutm\u00fctiger Kerl geschildert, der eine eher unscharfe Vorstellung von der Welt au\u00dferhalb seines Heimatortes und insbesondere au\u00dferhalb der USA hat [womit er nat\u00fcrlich in der Realit\u00e4t in den USA nicht alleine dasteht]. Da bittet ihn eine \u00e4ltere Dame Nachforschungen zum Tode seines Onkels anzustellen. Dieser, ein Weltenbummler und ehemals guter Bekannter der Dame, war vor 50 Jahren in Singapur erschossen worden. Der T\u00e4ter konnte nicht ermittelt werden. In Pearce Familie war der Onkel immer das schwarze Schaf gewesen, \u00fcber das keiner sprach, und ohne etwas \u00fcber ihn zu wissen, meinte Douglas immer, dass da eine Geistesverwandtschaft zwischen ihnen best\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Douglas macht sich auf den Weg nach Nordafrika. F\u00fcnfzig Jahre nach dem Ableben des Onkels tut er sich nat\u00fcrlich schwer, in fremden L\u00e4ndern Ankn\u00fcpfungspunkte zu dessen Lebensgeschichte zu finden. Dennoch hat er Erfolg, lernt Menschen kennen, die ihm helfen; und er scheint auch beobachtet zu werden, denn immer wieder ger\u00e4t er in gef\u00e4hrliche Situationen. Ausgehend von Casablanca reist er durch L\u00e4nder, die ihm geographisch, kulturell und sprachlich fremd sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hierbei handelt es sich um das eigentliche Thema des Buches: Es schildert eine ferne Welt, jenseits der Terrorangst und der verzerrten Wahrnehmungen des Pauschaltourismus \u2013 es ist eine Welt, die Douglas zunehmend akzeptabel erscheint. \u00c4hnliches haben andere nat\u00fcrlich auch schon versucht zu erz\u00e4hlen, aber selten so gekonnt. Benoit kennt offensichtlich die fernen Gegenden dieser Welt aus eigener Anschauung, und die Geschichte gibt ihm ausreichend Gelegenheit das zu demonstrieren. Das Buch h\u00e4lt was es verspricht, nicht mehr \u2013 aber auch nicht weniger. Der Autor w\u00fcrzt das Programm mit viel Humor, z.B. wenn er eine Gruppe britischer Fremdarbeiter in Bahrain beschreibt, die dringend einen zehnten Mann zum Saufen suchen \u2013 bei weniger schenkt der Barkeeper nichts aus \u2013 und bei einem Rugbyspiel enden. Charles Benoit ist ein kluger Beobachter und ihm ist ein sprachlich und erz\u00e4hlerisch sehr reifer und ausgewogener Erstling gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwachpunkt des Buches ist etwas die \u201eR\u00e4tselarbeit\u201c. Hier hat der Autor nicht so viel investiert. Im Verlauf des Buches werden nur wenige (falsche) Spuren gelegt, so dass die Aufl\u00f6sung des R\u00e4tsels einerseits (aus der inneren Logik der Geschichte heraus) etwas aus dem Hut gezaubert wirkt, aber andererseits (f\u00fcr den Leser) vorhersehbar ist. Wenn Charles Benoit hier in Zukunft \u201enachbessert\u201c, k\u00f6nnen wir noch viel von ihm erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Charles Benoit: Relative Danger. Poisoned Pen Press 2004. 620 Seiten, 20 \u20ac<br \/>(bislang noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im US-amerikanischen Krimi kann man \u00fcber die letzten Jahre eine Verschiebung, weg von verwurbelten R\u00e4tseln hin zum erz\u00e4hlenden Roman beobachten. Charles Benoits Erstling \u201eRelative Danger\u201c ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die neue Stilistik. 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