{"id":12536,"date":"2005-08-25T11:11:00","date_gmt":"2005-08-25T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12536"},"modified":"2022-06-12T02:15:50","modified_gmt":"2022-06-12T00:15:50","slug":"norbert-horst-todesmuster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/norbert-horst-todesmuster\/","title":{"rendered":"Norbert Horst: Todesmuster"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3442459125.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/3442459125.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"239\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Authentische Polizeiarbeit ist eine triste Sache. Berufsalltag halt und daher nur in Ma\u00dfen krimitauglich. Da ist es fast ein Gl\u00fcck, dass die meisten Autoren nichts von Polizeiarbeit verstehen, ihr Wissen von Vorg\u00e4ngern \u00fcbernehmen, die auch nichts davon verstanden haben oder ein recherchiertes Faktenger\u00fcst mit den Ergebnissen ihrer Phantasie beh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Horst versteht etwas von Polizeiarbeit; sie ist sein t\u00e4glich Brot. So gesehen, beginnt man die Lekt\u00fcre von \u201eTodesmuster\u201c mit einer gewissen Bef\u00fcrchtung ob der dr\u00f6gen Dinge, die einem da wohl geschildert werden. Es braucht indes nur wenige Seiten, diese Bef\u00fcrchtung als unbegr\u00fcndet ad acta zu legen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Fall ist ungew\u00f6hnlich. Ein Mord ohne Leiche, Blutspuren in einem aufgegebenen Bergwerksstollen, Anzeichen schwerer Folter. Indizien werden m\u00fchsam zusammengetragen, Zeugen im benachbarten Dorf verh\u00f6rt, erste Verd\u00e4chtige auf diese Weise ermittelt, doch eigentlich kommt die Sonderkommission, personell eh dezimiert, nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles wird unaufdringlich in Tagebuchform und mit vielen banalen, aber wesentlichen Details aus der Perspektive des Ermittlungsleiters Konrad Kirchenberg erz\u00e4hlt. Genau diese Perspektive wiederum ist es, die \u201eTodesmuster\u201c zu einem \u00fcberdurchschnittlich gut geschriebenen, ja, bei aller Routine, die da beschrieben wird, spannenden Krimi werden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wir befinden uns im Gehirn des Helden, lesen nur das, was er gerade denkt, gerade sieht und h\u00f6rt, eine Kunstsprache, die der Realit\u00e4t solcher Abl\u00e4ufe sehr nahe kommt und dennoch eine fl\u00fcssige Story zustande bringt. Manchmal lakonisch-stichwortartig, manchmal pr\u00e4zise reflektierend. Ein Privatleben hat Kirchenberg auch, es wird auf die gleiche Weise ausgebreitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das macht Sinn. Das Erkennen ist ein Arbeits- und Denkprozess, der von seinen R\u00fcckschl\u00e4gen und Umwegen lebt, von den Sackgassen, in die man rennt. Am Ende steht Wissen, aber es ist der Prozess selbst, der z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTodesmuster\u201c ist ein weiteres Belegst\u00fcck der These, dass Handlung und Action in einem Kriminalroman von wesentlicher Bedeutung sind, ohne ausreichendes Sprachverm\u00f6gen des Autors jedoch belanglos und beliebig bleiben, ein Nervenkitzel, nicht mehr. Was f\u00fcr ein langweiliges Buch h\u00e4tte \u201eTodesmuster\u201c werden k\u00f6nnen, was f\u00fcr ein spannendes und gut erz\u00e4hltes ist es geworden!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Norbert Horst: Todesmuster. Goldmann 2005. 283 Seiten, 7,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Authentische Polizeiarbeit ist eine triste Sache. Berufsalltag halt und daher nur in Ma\u00dfen krimitauglich. Da ist es fast ein Gl\u00fcck, dass die meisten Autoren nichts von Polizeiarbeit verstehen, ihr Wissen von Vorg\u00e4ngern \u00fcbernehmen, die auch nichts davon verstanden haben oder ein recherchiertes Faktenger\u00fcst mit den Ergebnissen ihrer Phantasie beh\u00e4ngen. 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