{"id":12548,"date":"2005-08-30T11:11:00","date_gmt":"2005-08-30T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12548"},"modified":"2025-10-08T05:13:34","modified_gmt":"2025-10-08T03:13:34","slug":"leonardo-padura-das-meer-der-illusionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/leonardo-padura-das-meer-der-illusionen\/","title":{"rendered":"Leonardo Padura: Das Meer der Illusionen"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eDas Meer der Illusionen\u201c ist der vierte Band des \u201eHavanna Quartetts\u201c von Leonardo Padura. Er bringt damit seine Beschreibung der Gesellschaft Kubas Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Abschluss. Wie bei den vorigen B\u00fcchern auch hat er wahre Begebenheiten, die sich in Kuba zugetragen hatten, aufgegriffen und mit in die Geschichte einflie\u00dfen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Havanna, 1989. Mario Conde ist Kommissar bei der kubanischen Polizei und hat die Schnauze voll von seinem Job. Eine Reinigungswelle fegt durch die Polizei, viele korrupte Kollege wurden entlassen, und dann erwischt es auch seinen Chef (und Freund), der als Vorgesetzter die Verantwortung \u00fcbernehmen muss. Mario Conde hat Angst vor der Zukunft und tr\u00e4umt von dem gro\u00dfen Roman, den er schreiben m\u00f6chte, und so k\u00fcndigt er seinen Job.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch ein letzter Fall liegt zwischen ihm und der \u201eFreiheit\u201c und am Meer die Leiche eines ehemals erfolgreichen Kaders. Dieser ist vor 14 Jahren in den Westen gefl\u00fcchtet und hat in Miami ein eher unspektakul\u00e4res Leben gef\u00fchrt. Nun durfte er seinen alten Vater besuchen&#8230; und liegt jetzt erschlagen, Hoden und Penis abgeschnitten, im Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn \u201eDas Meer der Illusionen\u201c \u00fcber eine glaubw\u00fcrdige Inszenierung verf\u00fcgt, das Hauptaugenmerk des Autors ist nicht auf den Krimiplot gerichtet. Die institutionelle Arbeit des Polizeiapparates ist Mario Condes Sache nicht. Er bem\u00fcht auch nicht die Allmacht eines totalit\u00e4ren Staates, der willk\u00fcrlich das Kreuz jedes Aufrechten und erst recht jedes Gauners brechen k\u00f6nnte. Nein, Mario Conde n\u00e4hert sich mit Intuition und Reflexion der L\u00f6sung des Falles.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hauptinteresse wird auch nicht von den politischen Zust\u00e4nden in Kuba beansprucht, obgleich nat\u00fcrlich die politische Situation Kubas im Buch pr\u00e4sent ist. Nein, sinnlich, philosophisch beschreibt das Buch eine Generation der Hoffnungslosen und Verzweifelten. Diese Generation der in den 50er Jahren Geborenen hat ihr ganzes Leben im Schatten der kubanischen Revolution verbracht. Fremdbestimmt und ziellos. Und sie hat, so scheint es, auch wenig Grund f\u00fcr Hoffnung auf ein besseres und selbstverantwortetes Leben. Und somit ist es nat\u00fcrlich doch ein eminent politisches Buch.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00f6rtlich lautet die \u00dcbersetzung des spanischen Titels \u201eLandschaft des Herbstes\u201c. Das trifft die Stimmung des Buches sehr gut. Sinnbild von Mario Condes Leben ist der angek\u00fcndigte Hurrikan namens Felix. In einer der st\u00e4rksten Szenen des Buches versucht er den Hurrikan zu beschw\u00f6ren, dieser solle endlich kommen, die bestehende Ungewissheit ertrage Conde nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Padura schreibt wie selten ein Krimi geschrieben wurde. Solche Kriminalromane werden gerne als \u201eliterarische Krimis\u201c bezeichnet. Diese Kategorisierung ist nicht falsch, aber sie erhellt nicht, sie grenzt den Roman nicht von anderen ab. Gerechter wird man dem Buch, wenn man es poetisch nennt und also Leonardo Padura einen Poeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Bernd Kochanowski<\/p>\n\n\n\n<p>Leonardo Padura: Das Meer der Illusionen. Unionsverlag 2005, 19,90 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas Meer der Illusionen\u201c ist der vierte Band des \u201eHavanna Quartetts\u201c von Leonardo Padura. Er bringt damit seine Beschreibung der Gesellschaft Kubas Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Abschluss. Wie bei den vorigen B\u00fcchern auch hat er wahre Begebenheiten, die sich in Kuba zugetragen hatten, aufgegriffen und mit in die Geschichte einflie\u00dfen lassen. 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