{"id":12732,"date":"2005-09-13T11:11:00","date_gmt":"2005-09-13T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=12732"},"modified":"2022-06-14T23:59:20","modified_gmt":"2022-06-14T21:59:20","slug":"paula-l-woods-inner-city-blues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/paula-l-woods-inner-city-blues\/","title":{"rendered":"Paula L. Woods: Inner City Blues"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0449007251.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/0449007251.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"247\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Blickwinkel in den B\u00fcchern von Paula L. Woods ist der Gegenentwurf zur Polizistenwelt des&nbsp;<em>LA-Quartetts&nbsp;<\/em>von James Ellroy: Schwarz und weiblich. Die Stadt der Engel (Los Angeles) steckt voller Rassenkonflikte und die ber\u00fchmte Polizei der Stadt repr\u00e4sentiert teilweise noch die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse von gestern mit billiger Anmache und rassistischen Spr\u00fcchen &#8211; Beschwerde kaum m\u00f6glich, denn kein Kollege w\u00fcrde anschlie\u00dfend mehr mit der Frau zusammenarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Charlotte Justice ist Polizistin bei der Robbery Homicide Division (RHD) des Los Angeles Police Departments (LAPD) und seit 2 Tagen unterwegs. In South Central tobt dort wieder einmal ein urspr\u00fcnglich rassisch motivierter Aufstand, der die Strassen mit Gewalt \u00fcberzieht. Am Ende nur noch Pl\u00fcnderungen und langaufgestauter Zorn \u2013 der Zorn der Polizei gegen \u201edie Strasse\u201c und der Zorn der Schwarzen der Strasse gegen die \u201eSchl\u00e4ger\u201c der Polizei. Eine der Leichen die zur\u00fcckbleibt, ist die eines ehemaligen F\u00fchrers einer militanten Organisation. Er steht im dringenden Verdacht, vor 12 Jahren Charlottes Ehemann und Baby erschossen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Charlotte schildert eine Untersuchung, die gef\u00e4rbt wird von ihrer \u2013 immer noch bestehenden &#8211; pers\u00f6nlichen Verzweiflung, der Anmache durch \u201eKollegen\u201c und den Dem\u00fctigungen als Schwarze. Der Ton ist ungew\u00f6hnlich und schildert aus einer anderen Perspektive. Diese ist konsequent Schwarz und damit ein Gegenentwurf zur \u00fcblichen amerikanischen Krimiwelt, bei der Afro-Amerikaner h\u00e4ufig zu Gang-Mitgliedern reduziert werden. Aber bei aller Noir-H\u00e4rte, gel\u00f6st wird die Suche nach dem T\u00e4ter im Stil eines klassischen \u201ecozy-whodunits\u201c; bei dem der ge\u00fcbte Leser Spuren h\u00e4ufig schon fr\u00fch als solche erkennt, ohne sie deshalb deuten zu k\u00f6nnen. Die Autorin schreibt klug und gebildet, mitunter mit interessanten Bildern. Das Buch ist aus der Sicht eines Mitglieds der&nbsp;<em>LA-niggerati&nbsp;<\/em>(*) geschrieben; das Milieu ist jenes der \u201ehigh achiever\u201c, erfolgreiche \u00c4rzte, Anw\u00e4lte, Psychologen und Charlotte Justice selber hat einen Master in \u201eCriminology\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gediegene b\u00fcrgerliche Mitte&#8230; kunstsinnig, kultiviert. Bei der Verwendung der m\u00fcndlichen Rede wird der soziale Background der Sprecher aufgezeigt. Interessant ist das, wenn ein wei\u00dfer Polizistenprolo dadurch zeigt, dass er genau das ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Paula L. Woods hatte schon Mitte der 90er Jahre mit einem Buch \u00fcber den Afro-amerikanischen Krimi gezeigt, dass sie das Genre genau kennt. Mit ihrem eigenen Werk hat sie ein sehr gutes Buch vorgelegt. Gut erz\u00e4hlt, spannender Plot, glaubhafter Kontext, komplexe Geschichte. Was dem Buch noch zur aller vordersten Spitze fehlt, ist ein langer Atem bei den Nebenstr\u00e4ngen. Diese sind zu sequentiell, da taucht einer nach dem anderen auf, ohne dass sie dann noch weiter eine Rolle spielen. Die Autorin hat genug Ideen und schriftstellerische F\u00e4higkeiten, dass es, wenn sie die Komplexit\u00e4t ihrer Ausschm\u00fcckungen weiter steigert, f\u00fcr ganz gro\u00dfe Werke reicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(*) Niggerati: Ein von \u2192<a href=\"http:\/\/i.am\/zora\">Zora Neale Hurston<\/a>&nbsp;geschaffener Begriff f\u00fcr die afro-amerikanischen Intellektuellen der zweiten Generation aus Harlem.<\/em><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Paula L. Woods: Inner City Blues. W.W.Norton 1999. 316 Seiten. Momentan nur als \"Sondereinband\" f\u00fcr 19,50 \u20ac oder gebraucht lieferbar.<br \/>(deutsch als \"Alte Wunden heilen nicht\", Droemer Knaur 2002, z.Zt. nur gebraucht lieferbar)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blickwinkel in den B\u00fcchern von Paula L. 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