{"id":13230,"date":"1997-10-02T11:11:00","date_gmt":"1997-10-02T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13230"},"modified":"2022-07-03T23:16:28","modified_gmt":"2022-07-03T21:16:28","slug":"dragon-ball-1-das-geheimnis-der-drachenkugeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/10\/dragon-ball-1-das-geheimnis-der-drachenkugeln\/","title":{"rendered":"Dragon Ball 1 &#8211; Das Geheimnis der Drachenkugeln"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Dragon-Ball-1-Das-Geheimnis-der-Drachenkugeln.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Dragon-Ball-1-Das-Geheimnis-der-Drachenkugeln-784x1200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13231\" width=\"200\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Dragon-Ball-1-Das-Geheimnis-der-Drachenkugeln-784x1200.jpg 784w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Dragon-Ball-1-Das-Geheimnis-der-Drachenkugeln-392x600.jpg 392w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Dragon-Ball-1-Das-Geheimnis-der-Drachenkugeln-98x150.jpg 98w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Dragon-Ball-1-Das-Geheimnis-der-Drachenkugeln.jpg 926w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Kulturredaktionen sind f\u00fcr gew\u00f6hnlich schnell zu schockieren. Kaum sind hundert Jahre vergangen, fordern irgendwelche modernistischen Wirrk\u00f6pfe auch schon eine Anpassung der Rechtschreibung an die gegebenen Verh\u00e4ltnisse, ohne zu ahnen, da\u00df sie damit alles tun, um die abendl\u00e4ndische Kultur vom Rand der Scheibe zu schubsen. Und als ob das noch nicht genug w\u00e4re, bringt der Carlsen-Verlag jetzt den ersten naturbelassenen Manga im orignal japanischen Layout auf den deutschen Markt. Geradeso als ob sich ein Manga nicht vollst\u00e4ndig eindeutschen lie\u00dfe. Akira Toriyamas &#8222;Dragon Ball&#8220; kommt im Taschenbuchformat daher und wird von hinten nach vorn und von rechts nach links gelesen. Marketing-Gag eines Comic-Verlags, um ein eher m\u00e4\u00dfiges Manga zu verkaufen oder das i-T\u00fcpfelchen auf einem erstklassigen Manga-Genu\u00df?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch nicht nur das Layout, auch der Inhalt unterscheidet sich von den Mangas, die der westliche Leser normalerweise zu Gesicht bekommt: Beim ersten fl\u00fcchtigen Durchbl\u00e4ttern des Manga (von hinten nach vorn nat\u00fcrlich!) f\u00e4llt sofort auf, da\u00df die Panels von &#8222;Dragon Ball&#8220; nicht etwa von futuristischen Waffen, unter deren Last die zumeist minderj\u00e4hrigen Manga-Protagonisten gew\u00f6hnlich zusammenzubrechen drohen, sondern von witzig gezeichneten Figuren dominiert werden. Diese tummeln sich in einer phantasievollen M\u00e4rchenwelt, die der unseren zumindestens in technischer Hinsicht weit \u00fcberlegen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn von &#8222;Dragon Ball&#8220; lernen wir Son-Goku kennen, einen naiven zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Naturburschen mit einem Affenschwanz. Der Sonderling wurde fernab der Zivilisation ausgesetzt und dort von Son-Gohan aufgezogen, einem &#8222;Meister in allen Kampfstilen, der von niemandem \u00fcbertroffen wurde&#8220;. Und \u00fcber die Jahre hat er dieses Wissen seinen Z\u00f6gling weitergegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Son-Gokus t\u00e4gliche Routine, die aus recht bizarr anmutenden Arten der k\u00f6rperlichen Ert\u00fcchtigung und der Nahrungsbeschaffung besteht, wird aber j\u00e4h durch eine Person unterbrochen, die Son-Goku instinktiv als Monster und somit gar nicht zu sehr zu Unrecht als Gefahrenquelle erkennt: Bulma, ein gewieftes sechzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, das seine Sommerferien dazu nutzen will, die sieben Drachenkugeln (Dragon Balls) zusammenzubringen. Denn, so berichtet die Legende, wer alle sieben Kugeln besitzt, hat einen Wunsch frei, der von dem g\u00f6ttlichen Drachen ShenLong erf\u00fcllt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und eben eine dieser Kugeln besitzt Son-Goku. Allerdings will sich dieser um nichts in der Welt von seiner Drachenkugel, dem letzten Erinnerungsst\u00fcck an seinen &#8222;Gro\u00dfvater&#8220; trennen. Nach erfolglosem Einsatz einer Pistole besinnt sich Bulma auf eine weitaus gef\u00e4hrlichere Waffe, mit deren Hilfe sie Son-Goku schlie\u00dflich in einen Strudel von Abenteuern auf der Suche nach den restlichen Drachenkugeln zieht: den weiblichen Charme, um nicht gleich &#8222;Sex&#8220; zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung zeigt eine recht eigenartige Einstellung gegen\u00fcber Sexualit\u00e4t. In Japan mag dies wahrscheinlich niemandem auffallen, geschweige denn st\u00f6ren, aber f\u00fcr europ\u00e4ische, speziell deutsche Verh\u00e4ltnisse sind die andauernden Anspielungen auf zumindestens aus westlicher Sicht typisch japanische Perversionen \u00fcberzogen. (Um Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Das Wort &#8222;Perversion&#8220; wird hier vollkommen wertfrei benutzt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das gegenseitige Kennenlernen der beiden Helden, das von allerlei Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen gegen\u00fcber dem anderen Geschlecht gepr\u00e4gt ist, parodiert recht witzig den in Japan \u00fcblichen Unterw\u00e4sche-Fetischismus und entlarvt ganz nebenbei die inflation\u00e4re Vermarktung der Sexualit\u00e4t minderj\u00e4hriger Schulm\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anzunehmen, &#8222;Dragon Ball&#8220; w\u00e4re eine speziell auf pubertierende Teenager zugeschnittene Ansammlung von Klischees in Sachen Sexualit\u00e4t, welche quasi nur nebenbei mit einem Schu\u00df Abenteuer gew\u00fcrzt ist, w\u00e4re allerdings zu kurz gedacht. &#8222;Dragon Ball&#8220; z\u00e4hlt nicht umsonst allein schon in den Verkaufszahlen zur obersten Liga aller Mangas. Eine Flut von Video-Spielen, Zeichentrickabenteuern, Merchandisingartikeln sowie Nachfolgeprojekten wie &#8222;Dragon Ball X&#8220; oder &#8222;Dragon Ball GT&#8220; zeigen, da\u00df &#8222;Dragon Ball&#8220; in Japan eine riesige Fangemeinde gefunden hat. Doch auch weltweit braucht sich &#8222;Dragon Ball&#8220; nicht zu verstecken. Wer sich zum Beispiel mit Hilfe einer Suchmaschine im Internet nach &#8222;Dragon Ball&#8220; umsieht, wird zweifellos unter einer Lawine von Links erschlagen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Carlsen bem\u00fcht sich nun, diesen Erfolg auch nach Deutschland zu importieren. Eine ausgekl\u00fcgelte Marketingstrategie, in der der \u00fcberraschend niedrige Preis nur einer von vielen Faktoren ist, zielt speziell auf die Altersgruppe der BRAVO-Leser. Doch auch in das Manga an sich wurde viel Arbeit investiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team Iwamoto-Seebeck\/Seebeck, das schon oft erstklassige \u00dcbersetzungen f\u00fcr Carlsen geliefert hat, b\u00fcrgt ja mittlerweile f\u00fcr unverkrampfte, fl\u00fcssig zu lesende Texte. Der Leseflu\u00df des anspruchsvolleren Lesers wird allerdings schon auf Seite 6 j\u00e4h gestoppt: Zumindestens der Rezensent mu\u00dfte sich hier Tr\u00e4nen des Schmerzes aus den Augen wischen, als er lesen mu\u00dfte, da\u00df Son-Goku gerade das &#8222;Holzha-cken&#8220; beendet hat. Carlsen hat &#8222;Dragon Ball&#8220; tats\u00e4chlich in vorauseilendem Gehorsam in rechtschreibreformierter Schreibung herausgegeben, was zum Gl\u00fcck im Laufe der Handlung nicht allzusehr auff\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Lettering von Gerhard F\u00f6rster ist gut gelungen und l\u00e4\u00dft sich somit trotz des Taschenbuchformats sehr gut lesen. Ein st\u00f6render Schnitzer findet sich allerdings im obersten Panel der Seite 36: Die Beschriftung des Hauses &#8222;HOIPOI-KAPSEL #1&#8220; wirkt deplaziert fett, unperspektivisch und ragt au\u00dferdem leicht \u00fcber das Haus hinaus. Auf den folgenden Seiten (z.B Seite 73) ist die englische Originalbeschriftung allerdings wiederhergestellt. Hatte ein aufmerksamer Bewohner des Dragon Ball-Universums etwa nicht nur Einsicht, sondern au\u00dferdem zuf\u00e4llig einen Eimer Farbe dabei?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch immer, &#8222;Dragon Ball&#8220; ist ein angenehmer Lesespa\u00df, der nicht nur f\u00fcr Teenager empfehlenswert ist. Jeder Leser, der auch nur entfernt neugierig auf das Manga ist, sollte sich einfach einen Ruck geben, und einen Zehnmarkschein in &#8222;Dragon Ball 1: Das Geheimnis der Drachenkugeln&#8220; investieren. Ob er dann zu den weltweit Millionen z\u00e4hlenden Dragon Ball-Fans z\u00e4hlt und somit zum Erfolg dieses Manga in Deutschland beitr\u00e4gt, bleibt abzuwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein kleiner Verwirrungseffekt zum Schlu\u00df: &#8222;Dragon Ball&#8220; kommt in zwei unterschiedlichen Ausgaben auf den Markt, eine f\u00fcr den Zeitschriftenhandel, eine f\u00fcr den Buchhandel, die allerdings erst in ein paar Wochen verf\u00fcgbar sein wird. Einziger Unterschied zwischen beiden Versionen: Die Buchhandelsversion hat ein fortlaufendes R\u00fcckenmotiv, wie man es ja inzwischen von Disneys Lustigen Taschenb\u00fcchern kennt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Akira Toriyama<br \/>DRAGON BALL - Das Geheimnis der Drachenkugeln<br \/>Carlsen 9,95 DM<br \/>ISBN 3-551-73251-5<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturredaktionen sind f\u00fcr gew\u00f6hnlich schnell zu schockieren. 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