{"id":13299,"date":"2003-05-27T02:17:26","date_gmt":"2003-05-27T00:17:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/05\/tatu\/"},"modified":"2022-05-25T03:13:21","modified_gmt":"2022-05-25T01:13:21","slug":"live-t-a-t-u","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/05\/live-t-a-t-u\/","title":{"rendered":"Live: t.A.T.U."},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Saarbr\u00fccken, Saarlandhalle. 27.5.2003<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gab Journalisten, die tats\u00e4chlich \u00fcberrascht waren, dass tATu die angek\u00fcndigte Pressekonferenz platzen lie\u00dfen. (Den Weg zum Raum nicht gefunden, weil kein Ortskundiger vorweg lief, so die offizielle Begr\u00fcndung.) Es gab auch welche, die sich \u00fcber das d\u00fcnne Programm echauffierten. Und es gab welche, die hinterher verbreiteten, es sei alles Playback gewesen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Erstmal: wer auf die PK vertraute, der hat weniger Ahnung von Rock\u00b4n\u00b4Roll als die zwei Pop-Ladies aus Russland. Und bis heute nicht verstanden, wie viel ihres Erfolgs auf Inszenierung beruht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: wie viel Repertoire sollen zwei M\u00e4dchen aus dem Hut zaubern, die gerade mal ein Album herausgebracht haben? Klar, dass manche Lieder doppelt kamen. Machen alle Bands so am Anfang ihrer Karriere. Immerhin gab\u00b4s hier ein paar zweite Durchl\u00e4ufe auf Russisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und drittens: das Konzert in der Saarbr\u00fccker Saarlandhalle (das bisher einzige Deutschlandkonzert von tATu) war kein Clubkonzert vor Rock-Puristen, sondern vor knapp zweitausend BRAVO-gest\u00e4hlten Teenagern plus ein paar Anstands-Eltern. (Und manche der Teenager waren Original-tATu-gestylt, mit entsprechenden Frisuren und wei\u00dfem Bl\u00fcschen \u00fcber kurzen Faltenr\u00f6cken.) Herrjeh, tATu sind das Gesch\u00f6pf von Produzenten-Legende Trevor Horn (The Buggles, Frankie goes to Hollywood) und einem russischen Marketing-Fachmann. Wer hier \u0084Konzert\u0093 immer noch mit \u0084Authentizit\u00e4t\u0093 \u00fcbersetzt, hat wirklich gar nichts kapiert. Und offenbar auch ein paar schiefe T\u00f6ne aus den Mikros \u00fcberh\u00f6rt. Alles war hier wei\u00df Gott nicht Playback.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wo die Grenze war, ist tats\u00e4chlich schwer zu sagen. Fest steht, dass die Stimmen zumindest elektronische Unterst\u00fctzung bekamen: Filter, Hall etc. Und eine Drei-Mann-Band kriegt den Single-Sound auch nicht so naturgetreu hin, wie es in Saarbr\u00fccken der Fall war&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem war es aber ein zufriedenstellendes, professionell abgewickeltes Konzert. Die M\u00e4dels sangen, tanzten und animierten sich durch ihr Programm, unterst\u00fctzt von vier T\u00e4nzerinnen, und schienen trotz der halbleeren Halle bester Laune. Vielleicht haben sie auch sowieso nur den Pulk von Hardcore-Fans vor der B\u00fchne wahrgenommen. Jedenfalls gab\u00b4s etliche Handk\u00fcsse ans Publikum und viele, viele Spasibas. W\u00e4hrend die schwarzhaarige Yulia meist das Wort f\u00fchrte, \u00fcbersetzte die rothaarige Lena angschlie\u00dfend auf Englisch. (Und anwesende, russischkundige Fans best\u00e4tigten, dass es wirklich nur Nettigkeiten waren, die Yulia von sich gab.)<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem: hier standen keine gecasteten Peinlichkeiten auf der B\u00fchne, sondern coole Frauen mit viel Ausstrahlung, die auch einfach mal gemessenen Schrittes auf- und abschreiten konnten, ohne dabei zu verlieren. Und, \u00e4hem, das war auch noch aus Reihe 150 erkennbar: die beiden sind wirklich sehr, sehr h\u00fcbsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Musikalisch gab\u00b4s neben den beiden Single-Hits \u0084Everything she said\u0093 und \u0084They won\u00b4t get me\u0093 unter anderem noch ihren (unaussprechlichen) Grand Prix-Titel (hier wesentlich kraftvoller und mitrei\u00dfend im Vergleich zum Auftritt in Riga) und viel melancholische Popmusik. Zum Teil als zarte Synthie-Balladen und ansonstens als harte Rockmusik mit vornehmlich gebr\u00fcllten Texten. Zumindest statten die Songwriter sie mit h\u00fcschen, eing\u00e4ngigen Melodien aus, und ihr Repertoire d\u00fcrfte zu den besseren z\u00e4hlen, denkt man an andere Jungstars (gerade hierzulande).<\/p>\n\n\n\n<p>Und um diese Frage auch noch zu beantworten: ja, sie haben sich gek\u00fcsst. Allerdings immer nur in den wohl choreographisch daf\u00fcr vorgesehenen Gesangspausen. Wirklich spontan sah das nicht aus&#8230; Aber: wie eine kleine Umfrage im Publikum ergab, glauben an die lesbische Love-Story nicht mal die kleinen Fans. Und: ja, sie haben sich auch noch ein bisschen ausgezogen. Aber in jedem Christina Aguilera-Video sieht man heute mehr Haut. Am lustigsten vielleicht noch die Aktion, Fans auf die B\u00fchne zu holen und dann die Jungs Jungs und die M\u00e4dchen M\u00e4dchen k\u00fcssen zu lassen. Letztere gingen (erwartungsgem\u00e4\u00df) unbefangener damit um und schienen die Sache spa\u00dfig zu nehmen. Aber, Respekt, auch die Jungs gehorchten am Ende. Und abgesehen von der Bl\u00f6dheit, auf Befehl von zwei Popstars Dinge zu tun, die man gar nicht tun will, geh\u00f6rt doch auch ein bisschen Mut dazu, da mitzumachen. Jedenfalls stell ich es mir im Saarland nicht am\u00fcsant vor, am n\u00e4chsten Tag in der Berufsschule oder vor den anderen Lehrlingen als der Typ zu gelten, der auf der B\u00fchne einen anderen Typ gek\u00fcsst hat&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Anyway. Es gibt Bands, die liefern on stage alles, nur nicht das, was man von ihnen erwartet und wof\u00fcr man bezahlt hat. Das l\u00e4sst sich \u00fcber das tATu-Konzert nicht sagen. Dank daf\u00fcr bitte an Herrn Putin richten. Dass das Konzert nicht wie alle anderen geplanten Deutschland-Auftritte abgesagt wurde, d\u00fcrfte an seiner heimlichen Schirmherrschaft liegen. Denn das Konzert war Teil der diesj\u00e4hrigen (ansonsten ganz auf E-Musik ausgerichteten) Musikfestspiele Saar (!). Und deren spektakul\u00e4rste Programmpunkte wurden vom hiesigen Organisator direkt mit Putin abgekaspert. Was passiert, wenn man nicht so will wie er (also: Putin), kann man ja mal die Tschetschenen fragen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Saarbr\u00fccken, Saarlandhalle. 27.5.2003 Es gab Journalisten, die tats\u00e4chlich \u00fcberrascht waren, dass tATu die angek\u00fcndigte Pressekonferenz platzen lie\u00dfen. (Den Weg zum Raum nicht gefunden, weil kein Ortskundiger vorweg lief, so die offizielle Begr\u00fcndung.) Es gab auch welche, die sich \u00fcber das d\u00fcnne Programm echauffierten. 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