{"id":1343,"date":"2003-11-11T22:06:19","date_gmt":"2003-11-11T21:06:19","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=1343"},"modified":"2022-08-22T01:27:18","modified_gmt":"2022-08-21T23:27:18","slug":"la-linea-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2003\/11\/la-linea-1\/","title":{"rendered":"La Linea 1"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich hab gestern abend fast zwei Stunden lang eine Linie angeguckt. H\u00f6r ich da schon die Pfleger, die mich gleich abholen kommen? Ja, wahrscheinlich. Denn dieser Abend war auch ein Selbstversuch: wie lange ertrage ich einen bewegten Strich, der cholerische Ausbr\u00fcche kriegt, wenn irgendwas nicht nach seinem Gusto l\u00e4uft?<\/p>\n\n\n\n<p>Ziemlich lange. Und es geht mir wunderbar dabei. Denn die Linie ist nat\u00fcrlich La Linea. Das kleine Knollenm\u00e4nnchen, das nur aus einem wei\u00dfen Umriss besteht. Jeder kennt es: es schlendert immer auf einer wei\u00dfen Linie entlang, die eigentlich eine Fortsetzung von ihm selbst ist. Im Hintergrund wechseln die Farben, es klimpert lustige Jazzmusik, und aus der Linie wachsen die unm\u00f6glichsten und \u00fcberraschendsten Dinge: eine Treppe, ein Fernseher, Tiere, Frauen, Wellen, Gitter und \u2013 L\u00f6cher! Ende Gel\u00e4nde. Dann kann das Strichm\u00e4nnchen nicht weiter, denn ohne Linie kein La Linea! Und schon geht das w\u00fctende Gezetere los. Geduld ist nicht die Sache des M\u00e4nnchens. Erst wenn die Hand des Zeichners erscheint und die Linie verl\u00e4ngert, kehrt wieder Ruhe ein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Fairness halber muss man sagen: manchmal freut sich das M\u00e4nnchen auch. Wirft Kussh\u00e4nde und kichert vergn\u00fcgt, bevor es sich wieder von rechts nach links auf der Linie in Richtung Abenteuer st\u00fcrzt. Und als Zuschauer freut man sich mit. Denn La Linea ist Minimalismus und ganz gro\u00dfe Kunst. Osvaldo Cavandoli ist der Zeichner, der Ende der 60er die Idee hatte, zweidimensionales Fernsehen zu machen. Hier gibt\u00b4s keine Tiefe. Nur den Strich und eine Farbe. Und die Eigengesetzlichkeiten des Cartoons. Da entpuppen sich die typischen Mengenlehre-Accessoires \u2013 Quadrat, Kreis, Recht- und Dreieck \u2013 pl\u00f6tzlich als Schlagzeug. Leider ist der L\u00e4rm so markersch\u00fctternd, dass die Linien por\u00f6s werden und das M\u00e4nnchen einfach wegbr\u00f6ckelt. Oder es badet in einer Sch\u00fcssel \u2013 an die der Zeichner, schwupp, einen Henkel dranmalt, und schon wird ein Pisspott draus. Aus dem das w\u00fctende M\u00e4nnchen schnellstm\u00f6glich aussteigt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt, die Kommunikation mit dem Zeichner&#8230; Hier wird Freud und Leid einer ganzen Branche exemplarisch ausgelebt. Wer l\u00e4sst sich schon gern von seinem eigenen Gesch\u00f6pf rumkommandieren? Aber man ist nun mal aufeinander angewiesen. Das verhindert allerdings kleinere Kollisionen nicht. Wer sehen will, wie das M\u00e4nnchen seinem Sch\u00f6pfer in den Finger bei\u00dft und auf welch politisch inkorrekte Weise der sich r\u00e4cht, sollte sich unbedingt die La Linea-DVD besorgen. \u00dcbrigens die erste von geplanten drei Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie enth\u00e4lt \u00fcber drei\u00dfig Linea-Episoden plus einige Bonus-Bilder, die Vorstadien der Produktion zeigen. Die Musik stammt haupts\u00e4chlich von Franco Godi, bekannt durch Herrn Rossi. Und wem La Linea als Pausenf\u00fcller im Fernsehen immer zu kurz war, f\u00fcr den ist das hier genau das Richtige: fast zwei Stunden gepflegte Linien-Unterhaltung. Stylish, zeitlos elegant und einfach immer wieder verbl\u00fcffend durch seine Einfachheit und Rafinesse. Das Experiment kann beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab gestern abend fast zwei Stunden lang eine Linie angeguckt. 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