{"id":13547,"date":"2004-08-17T11:11:00","date_gmt":"2004-08-17T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13547"},"modified":"2022-07-18T20:09:59","modified_gmt":"2022-07-18T18:09:59","slug":"urge_overkill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/08\/urge_overkill\/","title":{"rendered":"Live: Urge Overkill\/Stoll Vaughan"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hannover, Caf\u00e9 Glocksee, 17.8.2004.<\/h2>\n\n\n\n<p>Alles zu seiner Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Aussagen, die anderswo zu drei Euro ins Phrasenschwein f\u00fchren, gewinnen an gewissen Orten neue Bedeutung. Zum Beispiel auf der B\u00fchne des Caf\u00e9 Glocksee in Hannover, wo Mitte August die Chicagoer Band Urge Overkill eines ihrer Deutschland-Konzerte gab.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Urge Overkill? Da war doch mal was&#8230; Richtig: Drei Glamrock-Hardrock-Popmusik-Poser, die Anfang der 90er in den einschl\u00e4gigen Medien extrem angesagt waren. Bei den meisten im Ged\u00e4chtnis verankert haben sie sich mit zwei Coverversionen: Hot Chocolate&#8217;s &#8222;Emma&#8220; (bei UO hie\u00df es dann &#8222;Emmaline&#8220;) und nat\u00fcrlich &#8222;Girl, you&#8217;ll be a woman soon&#8220;, mit dem sie es 1994 in Quentin Tarantinos &#8222;Pulp Fiction&#8220; schafften. Die Pforte zum Mainstream-Himmel (oder doch eher H\u00f6lle?!) war ge\u00f6ffnet, der Schritt zum n\u00e4chsten gro\u00dfen Rockmusik-Ding schien nur noch eine Frage sehr kurzer Zeit. Aber es kam, wie es oft kommt: Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit (um mal welche der Rockmusik-S\u00e4ue zu zitieren, die danach durchs Dorf getrieben wurden). Urge Overkill hatten mit Neil Diamonds Song, zu dem sich Uma Thurman das falsche Pulver durch die Nase zog, nur ein kurzes Gastspiel im Mainstream, um dann still und leise zu verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sind sie wieder da. Von still und leise kann bei der Show keine Rede sein, aber ganz angekommen im Hier und Jetzt wirken Urge Overkill auch nicht, wenn sie &#8211; mittlerweile zu viert &#8211; einen Gig hinlegen, f\u00fcr den man das Wort unambitioniert erfinden m\u00fcsste, w\u00fcrde es nicht bereits existieren. Sie haben&#8217;s noch drauf, die Gitarren krachen, Drummer Blackie Onassis haut ordentlich rein &#8211; und dennoch machen die beiden S\u00e4nger und Gitarristen Nash Kato und King Roeser permanent den Eindruck, als sei ihnen selbst nicht ganz geheuer, was sie da tun. Die Songs, die sie zum Besten geben, stammen in erster Linie vom 1993er-Album &#8222;Saturation&#8220;. Die sind sicher nicht schlecht, aber zweifelsohne&#8230; alt. Und kommen zehn Jahre zu sp\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Bestenfalls halbherzig spulen die in die Jahre gekommenen Hipster ihr bandinternes Greatest-Hits-Programm ab. Ganz ohne die Coolness und die narzistische Selbstinszenierung, die sie fr\u00fcher auszeichnete. Bei der ersten Zugabe dr\u00e4ngt sich beim Blick auf die B\u00fchne unweigerlich der Eindruck auf, vier Vegetarier in der Schlachterei zu beobachten. &#8222;Girl, you&#8217;ll be a woman soon&#8220;. Nat\u00fcrlich. War ja klar. Muss ja. H\u00e4tt&#8216; aber so auch nicht sein m\u00fcssen. Dann doch lieber einen Neuanfang ohne die alten Hits, wenn die zwischenzeitlich zu Altlasten geworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles zu seiner Zeit. F\u00fcr Urge Overkill scheint die Zeit vorbei zu sein. Damit keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen: Rock &#8217;n&#8216; Roll ist kein Jugendding. Zumindest nicht ausschlie\u00dflich. Wer mitmischen will, sollte allerdings noch genug Feuer unterm Arsch haben. Ohne das geht gar nix. Aber wer wei\u00df: Vielleicht reicht&#8217;s ja noch mal f\u00fcr einen Tarantino-Soundtrack.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover, Caf\u00e9 Glocksee, 17.8.2004. Alles zu seiner Zeit. 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