{"id":13552,"date":"2004-08-24T13:31:36","date_gmt":"2004-08-24T11:31:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13552"},"modified":"2022-05-31T02:46:57","modified_gmt":"2022-05-31T00:46:57","slug":"lambchop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/08\/lambchop\/","title":{"rendered":"Live: Lambchop\/Diana Darby"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hannover, Pavillon, 22. August 2004.<\/h2>\n\n\n\n<p>Sie sind nichts weniger als das Aufregendste, was zurzeit auf deutschen B\u00fchnen zu sehen ist. Das hei\u00dft: Zu sehen war. Lambchop, das Musiker-Kollektiv um Kurt Wagner aus dem amerikanischen Nashville, absolvierten im Kulturzentrum Pavillon in Hannover den letzten Gig ihrer Deutschlandtour in diesem Sommer. Und es war ein bemerkenswerter.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dass Stille nicht gleich Stille ist, zeigt der direkte Vergleich des grandiosen, kaum in einer Schublade einzuordnenden Pop-Rock-Jazz-Country-Orchesters mit Diana Darby, die das Vorprogramm bestritt. Die Stille, die die zierliche Singer\/Songwriterin mit ihrer Ein-Frau-Show verbreitet, wirkt beklemmend. Mit \u00e4therischer Stimme zu melancholischen E-Gitarre-Kl\u00e4ngen vorgetragene Kompositionen, die einen Blick auf innere Befindlichkeiten der K\u00fcnstlerin zulassen, den man sich lieber ersparen w\u00fcrde. Eindimensionale Songs, ohne (Selbst-)Ironie, ohne Ausgang, ohne Hoffnung. Diana Darby wei\u00df, wie man eine gute Melodie schreibt, schreckt aber nicht vor Akkord-Folgen zur\u00fcck, die schon fr\u00fchere Generationen nicht mehr ertragen konnten. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht:<\/p>\n\n\n\n<p>Welten entfernt dagegen die Interpretation von Intimit\u00e4t, die Lambchop in ihren Instrumentenkoffern mit sich tragen. Kurt Wagner, S\u00e4nger und Songwriter, hat f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse eine abgespeckte Truppe mitgebracht. \u0084Nur\u0093 neun Musiker stehen\/sitzen auf der B\u00fchne. Anders als bei fr\u00fcheren Tourneen sind keine Streicher und mit dem gelegentlich von Deanna Varagona gespielten Bariton-Saxophon auch nur ein Blasinstrument dabei. Konzentration auf das Wesentliche, und bei Lambchop hei\u00dft das: sparsam gesetzte Gitarren-Akzente, das Piano (auf der B\u00fchne steht ein echter Fl\u00fcgel), die Steel Guitar \u0096 und vor allem und \u00fcber allem: Kurt Wagners gleichzeitig br\u00fcchige, schmeichelnde und Ehrfurcht gebietende Stimme, die einen Zuh\u00f6rer nach der letzten Zugabe (\u0084The\u00f6ne\u0093 vom 95-er Album \u0084How I quit smoking\u0093) mitten in die Stille des verklingenden letzten Akkordes hinein zum Zuruf \u0084What a voice\u0093 veranlasst. Recht hat der Mann!<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Wagner und sein Orchester gegen Ende des Sets und in den ersten Zugaben m\u00e4chtig aufdrehen und zeigen, dass Lambchop gewaltig rocken k\u00f6nnen (bei etlichen Songs spielen nicht weniger als f\u00fcnf Musiker Gitarren!), sind es doch die leisen Stellen, die charakteristisch f\u00fcr ein Lambchop-Konzert sind und dem Zuh\u00f6rer die Tr\u00e4nen in die Augen treiben. Selten hat man acht Mann und eine Frau so filigran und doch so intensiv musizieren h\u00f6ren. Lambchop f\u00fcgen der Stille neue, ungeahnte Dimensionen zu \u0096 um im n\u00e4chsten Moment auszubrechen und einen Sound-Sturm zu entfachen, der seinesgleichen sucht. Und ob sie laut oder leise spielen, eine Sache ist immer klar, sei es bei den \u00e4lteren St\u00fccken oder den neuen Songs der beiden gleichzeitig ver\u00f6ffentlichten Alben \u0084AwCmon\u0093 und \u0084NoYouCmon\u0093 : Die Luft brennt, mehr Dichte ist nicht zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u0084Wir werden ohne den Begriff der Sch\u00f6nheit nicht auskommen\u0093 zitiert das Info der Plattenfirma einen Satz von Bertolt Brecht. Auf Lambchop bezogen ist jeder Widerspruch zwecklos.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover, Pavillon, 22. August 2004. Sie sind nichts weniger als das Aufregendste, was zurzeit auf deutschen B\u00fchnen zu sehen ist. Das hei\u00dft: Zu sehen war. 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