{"id":13557,"date":"2004-09-08T11:11:00","date_gmt":"2004-09-08T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13557"},"modified":"2022-07-18T23:39:30","modified_gmt":"2022-07-18T21:39:30","slug":"whitesnakethe_t","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/09\/whitesnakethe_t\/","title":{"rendered":"Live: Whitesnake\/The Tracelords"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Karlsruhe, Europahalle, 4.9.2004.<\/h2>\n\n\n\n<p>Da war er wieder: The Last of the Famous International Playboys.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man David Coverdale irgendetwas \u00fcbel nehmen? Dass er Whitesnake immer wieder aufleben l\u00e4sst und wohl bis an sein Lebensende fortf\u00fchren wird? Dass er seit fast 20 Jahren aus einem Repertoire von vielleicht 18 Songs sch\u00f6pft? Dass er seit 30 Jahren dieselbe Hosengr\u00f6\u00dfe hat und ihm auch heute die Hemden, die genauso eng sind wie damals, passen? Dass er den Mikrofonst\u00e4nder immer noch wie in alten Zeiten durch die Luft schleudert und es wohl keinen anderen Mikrofonst\u00e4nderschleuderer gibt, der das Teil \u00e4hnlich schamlos als Phallus-Symbol missbraucht? Dass auf seinen ausgewaschenen Blue Jeans die Rolling-Stones-Zunge prangt? Direkt, aber auch wirklich direkt links neben dem Schritt?Ich kann ihm nichts \u00fcbel nehmen. David Coverdale ist ein Ph\u00e4nomen. Ein lebender Anachronismus, ein charmanter Seelenverk\u00e4ufer des Schweinerock. Welche Retro-Bewegung ist gerade angesagt? Die 70er? Die 80er? Die 90er? Her damit, sagt Coverdale, ich kenne sie alle, ich war immer dabei.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und es sage noch mal einer, der Mann habe keine \u00dcberraschungen zu bieten. Jeder, der die Bandgeschichte von Whitesnake ein bisschen verfolgt hat, kam wohl ins Schmunzeln, als er das Motto der diesj\u00e4hrigen Herbsttournee las: \u0084Greatest Hits Tour 2004\u0093 \u0096 hat der Ex-Deep-Purple-S\u00e4nger mit all seinen wechselnden Bandbesetzungen je etwas anderes geboten?<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann das: Als Whitesnake in der Karlsruher Europahalle p\u00fcnktlich wie die Maurer um 21 Uhr die B\u00fchne betreten (den Mantel des Schweigens \u00fcber die grausame Vorgruppe The Tracelords aus Hagen! Im Ged\u00e4chtnis bleiben sie allenfalls f\u00fcr ihre world\u0092s most unsexy Coverversion von Boney M\u0092s \u0084Daddy Cool\u0093), passiert das Unerh\u00f6rte: Mit dem alten Deep-Purple-Kracher \u0084Burn\u0093 er\u00f6ffnen Coverdale und seine f\u00fcnf Musiker die Show. Darin eingeflochten ein weiterer Purple-Song: \u0084Stormbringer\u0093. Die dritte Nummer \u0084Absolution Blues\u0093 ist ein St\u00fcck aus Coverdales Zusammenarbeit mit Ex-Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page, bevor bei der \u0084Whitesnake Greatest Hits Tour\u0093 dann endlich mit dem vierten Song eine Whitesnake-Nummer auftaucht. Bei der Tour im letzten Jahr, zumindest beim Gig in M\u00fcnchen im Mai, als Whitesnake nach langer Pause wieder Konzerte in Deutschland gaben, hatte sich der mittlerweile in Kalifornien lebende Engl\u00e4nder seiner Deep-Purple-Vergangenheit noch verweigert.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt, im September 2004, ist alles anders. \u0084Mistreated\u0093, neben \u0084Burn\u0093 der Klassiker auf dem 1974 erschienenen Purple-Album \u0084Burn\u0093 (das Coverdale als Nachfolger Ian Gillans schlagartig bekannt machte), gibt\u0092s zwar nicht mit ganzer Band, aber auf Zuruf eines Fans l\u00e4sst sich Coverdale erweichen, 30 Sekunden davon a cappella wiederzugeben, nachdem er seinem Gitarristen ein kurzes \u0084Give me an F Sharp Minor\u0093 zugeraunt hat. That\u0092s entertainment.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der alte Charmeur den Spa\u00df an den ganz alten Zeiten wiederentdeckt hat, l\u00e4sst auch der weitere Verlauf des Gigs vermuten. Waren es 2003 noch die Songs der \u00841987\u0093-LP, die eindeutig das Ger\u00fcst der Heavy-Lichtgewitter-Nebelmaschinen-Show bildeten, erinnert die Tournee 2004 mehr an die Whitesnake-Zeiten vor \u00841987\u0093, als Blues und Soul noch st\u00e4rker als Einfl\u00fcsse zu erkennen waren und die Band eher auf der B\u00fchne eines kleinen, verrauchten Clubs zu Hause schien als in den gro\u00dfen, zugigen Hallen. Nat\u00fcrlich kommen Coverdale und seine aktuellen Mitstreiter (Doug Aldrich und Reb Beach an den Gitarren, Marco Mendoza am Bass, Tommy Aldridge an den Drums und Timothy Drury an den Keyboards) auch jetzt nicht an \u00841987\u0093 vorbei. Doch der damalige Vorwurf \u0084Jetzt klingt er wie eine Robert-Plant-Kopie\u0093 l\u00e4sst sich in der Karlsruher Europahalle nicht aufrecht halten. Whitesnake swingt \u0096 jedenfalls mehr als je zuvor in den letzten zwanzig Jahren. Fast schon symbolhaft deutlich wird das nach gut 90 Minuten beim Warten auf die erste Zugabe: Eigentlich kann nur \u0084Still of the night\u0093 kommen (die Monster-Nummer von \u00841987\u0093) &#8211; aber die Musiker kommen zur\u00fcck und spielen \u0084Take me with you\u0093 vom Album \u0084Trouble\u0093 aus dem Jahr 1978, einen trockenen Up-Tempo-Bluesrock-Hammer, der eine enorm ambitionierte Band und einen David Coverdale sieht, der die Rumba-Rasseln schwingt. Ein seltener Anblick.<\/p>\n\n\n\n<p>\u0084Still of the night\u0093 gibt\u0092s dann auch noch, als zweite Zugabe und Rausschmei\u00dfer des Abends. So sollte es sein &#8211; so war\u0092s. Gro\u00dfartig.<\/p>\n\n\n\n<p>Karlsruhe, Europahalle, 4.9.2004.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karlsruhe, Europahalle, 4.9.2004. Da war er wieder: The Last of the Famous International Playboys. Kann man David Coverdale irgendetwas \u00fcbel nehmen? 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