{"id":13733,"date":"1997-03-15T11:11:00","date_gmt":"1997-03-15T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13733"},"modified":"2022-05-31T16:20:21","modified_gmt":"2022-05-31T14:20:21","slug":"paul-austers-stadt-aus-glas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/03\/paul-austers-stadt-aus-glas\/","title":{"rendered":"Paul Austers Stadt aus Glas"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mazzuccellis Bilder der Gro\u00dfstadt<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Paul-Austers-Stadt-aus-Glas.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Paul-Austers-Stadt-aus-Glas.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14592\" width=\"175\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Paul-Austers-Stadt-aus-Glas.jpeg 408w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Paul-Austers-Stadt-aus-Glas-102x150.jpeg 102w\" sizes=\"(max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Bei Stadt aus Glas handelt es sich um den ersten Teil der New York Trilogie, die hierzulande wie in den Staaten in nicht unwesentlichem Ma\u00df f\u00fcr Austers Reputation verantwortlich ist. Um Mi\u00dfverst\u00e4ndnissnen vorzubeugen: es handelt sich bei dieser Trilogie nicht um einen Roman in Fortsetzung sondern um drei Romane, die nur lose miteinander verbunden sind und auch f\u00fcr sich alleine Sinn ergeben. Tats\u00e4chlich erschien Stadt aus Glas mitte der Achtziger bei Hoffmann &amp; Campe zun\u00e4chst separat, noch ehe der letzte Teil der Trilogie im Original vorlag. Diese &#8211; wenig bekannte &#8211; erste Einf\u00fchrung Austers auf dem deutschen Buchmarkt war allerdings nicht von verk\u00e4uferischem Erfolg gekr\u00f6nt, und so ist es schlie\u00dflich dem Einsatz des Rowohlt Verlags zu verdanken, da\u00df Paul Auster sich in Deutschland als einer der f\u00fchrenden amerikanischen Autoren etablieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mehrfach angek\u00fcndigt, erscheint nun ebenfalls bei Rowohlt eine Comic-Adaption von Paul Austers Stadt aus Glas in der Bearbeitung von Paul Karasik und David Mazzucchelli, der auch die graphisch-k\u00fcnstlerische Umsetzung besorgte. Es ist dies Rowohlts erste von mehreren geplanten \u00dcbernahmen aus der &#8222;Neon Lit&#8220;-Serie, die seit 1994 in den USA bei Avon Books unter der Regie von Bob Callahan und Art Spiegelman (Maus) entsteht. Auch nichtcomicinteressierten Auster-Fans d\u00fcrfte Spiegelman kein unbekannter mehr sein, zeichnete er doch das Titelbild, das s\u00e4mtliche Ausgaben von Austers bisher letzem Roman Mr. Vertigo ziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das einzige, was man den Machern des Buches wirklich vorwerfen kann, ist, da\u00df Mazzucchellis Name auf dem Einband etwas unterrepr\u00e4sentiert ist, hat er doch die Hauptarbeit geleistet und zwar ganz vorz\u00fcglich. Sowohl die Auswahl der Textpassagen als auch die graphische Umsetzung sind absolut musterg\u00fcltig. Die Stimmung des Buches ist wirklich hervorragend getroffen mit frappierenden \u00dcberg\u00e4ngen von Bild zu Bild und psychedelischen Perspektivspielen, bei denen Gegenst\u00e4nde durch groteske Vergr\u00f6\u00dferungen bis zur Unkenntlichkeit entstellt werden. Besonderes gelungen ist dies nicht zuletzt bei der Erz\u00e4hlung des jungen Peter Stillman, einer Art Kaspar-Hauser-Figur, der von seinem gleichnamigen Vater in einem dunklen Zimmer gehalten und von jeder Form von Sprache ferngehalten wurde &#8211; eine Passage, die schon in Austers Vorlage ein schauriges Kabinettst\u00fcckchen abgab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwarz\/Weiss-\u00c4sthetik der Comicunmsetzung erinnert einerseits an Franz Masereels Holzschnitte, andererseits an die &#8222;Schwarze Serie&#8220;, die sie, wie Austers Vorlage den Detektivroman, weniger parodiert als vielmehr zur Grundlage nimmt, um sich &#8222;existenzielleren&#8220; Fragen zu widmen als dem \u00fcblichen &#8222;Whodunnit&#8220;, beispielsweise etwa Fragen nach Identit\u00e4t und der (unwirklichen) Wirklichkeit des Lebens in der Gro\u00dfstadt, die gl\u00e4sern wirkt aber undurchschaubar bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>STADT AUS GLAS ist ein durchweg gelungener Einstand, also, f\u00fcr Neon-Lit, der auch bei weniger Comic-begeisterten Menschen (wie mir zum Beispiel) dabei helfen sollte, Vorurteile abzubauen, die dem Genre noch immer anhaften. Das Buch ist f\u00fcr jeden Auster-Fan, auch k\u00fcnftige und solche, die die Vorlage bereits zur Gen\u00fcge kennen, vollstens zu empfehlen, denn Mazzucchellis Arbeit ist was sie ist: kongenial.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Paul Auster, Stadt aus Glas. New York Trilogie I. \nNeon Lit. Comic. \nHg. Bob Callahan \/ Art Spiegelman. \nTextbearbeitung: Paul Karasik \/ David Mazzucchelli. Illustration David Mazzucchelli.\nRowohlt, DM 16,90<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mazzuccellis Bilder der Gro\u00dfstadt Bei Stadt aus Glas handelt es sich um den ersten Teil der New York Trilogie, die hierzulande wie in den Staaten in nicht unwesentlichem Ma\u00df f\u00fcr Austers Reputation verantwortlich ist. Um Mi\u00dfverst\u00e4ndnissnen vorzubeugen: es handelt sich bei dieser Trilogie nicht um einen Roman in Fortsetzung sondern um drei Romane, die nur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":52,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1424],"tags":[3340,1247,3342,3341],"class_list":["post-13733","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-comics","tag-david-mazzucchelli","tag-new-york","tag-paul-auster","tag-paul-karasik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Andreas Hau","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/andreas-hau\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13733","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/52"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13733"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13733\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}