{"id":13735,"date":"1996-08-26T22:02:00","date_gmt":"1996-08-26T20:02:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13735"},"modified":"2022-06-05T00:04:26","modified_gmt":"2022-06-04T22:04:26","slug":"mai-die-letzte-tochter-des-mihiro-clans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/08\/mai-die-letzte-tochter-des-mihiro-clans\/","title":{"rendered":"Mai: Die letzte Tochter des Mihiro Clans"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Telekinese und Pubert\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt wird ein Dorf und Inseln sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Eine Garantie f\u00fcr intellektuelle Inzucht. Das haben nicht nur die Briten am eigenen Leib gesp\u00fcrt. Selbst im Land der aufgehenden Sonne, das sich mit fremden Kulturen sichtlich schwer tut, sind die Einfl\u00fcsse der westlichen Welt nicht mehr zu leugnen. Doch bis heute gelingt es selten genug, beide Traditionen unter einen Hut zu bringen. Der \u00fcblichere Ausdruck ist ein unvermitteltes und abruptes Nebeneinanderher von japanischer und westlicher Kultur: moderne Glaspal\u00e4ste neben Schreinen in traditioneller Holzbauweise. Ebensowenig wie Kleidung und Wohnungseinrichtung sind die japanischen Comics davon ausgenommen. Die zelebrieren in einem kulturellen Spreizschritt eine Art japanische Postmoderne.<\/p>\n\n\n\n<p>Ryochi Ikegamis j\u00fcngster Wurf &#8222;Mai, the psychic girl&#8220; (dt. Mai, die letzte Tochter des Mihiro Clans) ist ein typisches Beispiel f\u00fcr diese kulturelle Schizophrenie. Im Vordergrund dieser Reihe steht die 14j\u00e4hrige Mai Kuju, an sich ein stinknormaler Teenager, der die Schulbank dr\u00fcckt, Steaks br\u00e4t und sich, wie wohl alle M\u00e4dels in diesem Alter, Sorgen um die Form ihres Busens macht. W\u00e4ren da nicht die psychokinetischen F\u00e4higkeiten, die sie von ihrer Mutter geerbt hat. Hinter Menschen mit diesen F\u00e4higkeiten ist eine mysteri\u00f6se Organisation her, die von einem Hauptquartier in den Schweizer Bergen aus operiert und ihre Handlanger \u00fcberall zu haben scheint. Kein Wunder also, da\u00df sie von Mais F\u00e4higkeiten Wind bekommt und versucht, sie in ihre Gewalt zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt wie ein Potpurri aus den George Lukas&#8216; Yedi-Rittern, Stephen Kings Feuerkind und anderen hierzulande mehr oder weniger bekannten Motiven. Trotz dieses Hangs zum Plagiat ist Ryochi Ikegami sichtlich bem\u00fcht, diesen Motiven einen eigenen Kontext zu geben, indem er die Handlung vor japanischem Dekor ablaufen l\u00e4\u00dft und mit einigen mangatypischen Actionszenen anreichert. Ein entscheidendes Problem bleibt dabei allerdings bestehen: da die zugrundeliegenden Motive den Lesern bekannt sind, kann er sich den Verlauf der Handlung aus den Fingern saugen &#8211; und liegt damit nicht einmal falsch. Bis zum Ende des ersten Bandes zumindest. Ob Ryoshi Ikegami und sein Zeichner Kazuya Kudo noch ein paar ungeahnte Wendungen parat haben bis es zum psychokinetischen Showdown kommt, werden die n\u00e4chsten Folgen zeigen. Unterm Strich ist ein ost-westlicher Manga entstanden, der durch seine konzeptionelle Unschl\u00fcssigkeit schon wieder originell ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ryochi Ikegami\/Kazuya Kudo<br \/>MAI - DIE LETZTE TOCHTER DES MIHIRO CLANS<br \/>Feest Comics 16,80 DM<br \/>ISBN 3-89343-756-8<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Telekinese und Pubert\u00e4t Die Welt wird ein Dorf und Inseln sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Eine Garantie f\u00fcr intellektuelle Inzucht. Das haben nicht nur die Briten am eigenen Leib gesp\u00fcrt. 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