{"id":13804,"date":"2004-12-02T00:55:44","date_gmt":"2004-12-01T23:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13804"},"modified":"2022-09-20T03:39:38","modified_gmt":"2022-09-20T01:39:38","slug":"nachruf-auf-kevin-coyne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2004\/12\/nachruf-auf-kevin-coyne\/","title":{"rendered":"Nachruf auf Kevin Coyne"},"content":{"rendered":"\n<p>Der britische Songwriter und Maler stirbt 60j\u00e4hrig in N\u00fcrnberg.\u00bbNo compromises\u00ab &#8211; das war augenscheinlich das Motto des schrulligen, dabei liebenswerten Multitalents, der schlichtweg stets machte, was er wollte. Zeit seines k\u00fcnstlerischen Lebens war er dem Blues mit all seinen Facetten verbunden, aber eben nicht nur. Coyne guckte immer \u00fcber den Tellerrand, interessierte sich, was sonst so geht, was ihn ber\u00fchren konnte, auch wenn es ihn letztlich nicht v\u00f6llig (wie z. B. Punk) ansprach. Er war offen, Neuem wie Vergessenem &#8211; Hauptsache, im Vordergrund stand nicht seine kommerzielle Verwertbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Coyne, 1944 im mittelenglischen Derby geboren, w\u00e4chst in einfachen Verh\u00e4ltnissen auf und besucht schlie\u00dflich die Kunsthochschule in Birmingham. Er jobbt als Therapeut mit Schwerpunkt Kunsterziehung in diversen Nervenheilanstalten, sp\u00e4ter als Sozialarbeiter in der Drogenszene. Parallel dazu versucht er sich als Musiker mit Psycho-Folk-Blues-Bands, u. a. dem Trio Siren. Coyne bleibt auch als Berufsmusiker, der er letztlich wurde, mittendrin im prallen, oft schwer ertr\u00e4glichen Leben. Was er bis dato erlebt hatte und weiter an Erfahrungen sammelt, flie\u00dft mehr oder minder unmittelbar in sein k\u00fcnstlerisches Schaffen ein: ob als Songwriter, S\u00e4nger, Maler oder Schriftsteller.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Musiker (spektakul\u00e4r sein Gitarrenspiel mit dem Daumen!) f\u00fchlt er sich dem Blues und dem Rock&#8217;n&#8217;Roll verbunden; das Aufbegehrende, das Emotionale, das Leidenschaftliche in diesen Stilen hatten ihn ergriffen, und er versucht sehr expressiv und direkt in seinen Songs umzusetzen, was ihn in Kopf und Bauch umtreibt. In den 1970er Jahren schafft er f\u00fcr jene Zeit unglaubliche Alben, die mit viel Kritikerlob bedacht werden, aber kommerziell nicht viel bewegen&#8230;was ihn aber nicht weiter k\u00fcmmert. Coyne bleibt sich auch in der Folgezeit treu. Legend\u00e4r sein Auftritt beim \u00bbkleinen\u00ab WDR-Rockpalast im Januar 1979 (mit Partner Zoot Money): ein Wechselbad der Gef\u00fchle und Stimmungen, Energie pur, ein unvergesslicher Gig mit theatralischen Einlagen, nie bierernst, stets augenzwinkernd, nicht liebensw\u00fcrdig, aber tief menschlich und vers\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Lebenstempo kann Coyne schlie\u00dflich nur mit Alkohol halten, bis ihn die Abh\u00e4ngigkeit aus der Bahn wirft und auch seine Ehe zerst\u00f6rt. Er siedelt 1985 nach N\u00fcrnberg \u00fcber und versucht mit Erfolg einen Neuanfang. Coyne bleibt produktiv wie eh und je: malt wie ein Besessener, schreibt (Kinder-) B\u00fccher, nimmt praktisch Jahr f\u00fcr Jahr ein Album auf und ist rundum auf Achse. Als Live-Musiker f\u00fchlt er sich am wohlsten, vor allem mit seinen S\u00f6hnen Robert und Eugene. Auf seine Gesundheit hat der \u00bbKugelblitz des Rock&#8217;n&#8217;Blues\u00ab nicht sonderlich geachtet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends macht ihm eine Lungenkrankheit (Fibrose) zunehmend das Leben schwer&#8230;juckt ihn aber nicht weiter. Immer nach vorn, egal, was kommt. Anfang Dezember steht die Pr\u00e4sentation der neuen CD \u00bbLive Rough And More\u00ab an. Diesmal wird er es nicht (mehr) schaffen. Coyne stirbt am 2. Dezember in seiner fr\u00e4nkischen Wahlheimat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der britische Songwriter und Maler stirbt 60j\u00e4hrig in N\u00fcrnberg.\u00bbNo compromises\u00ab &#8211; das war augenscheinlich das Motto des schrulligen, dabei liebenswerten Multitalents, der schlichtweg stets machte, was er wollte. Zeit seines k\u00fcnstlerischen Lebens war er dem Blues mit all seinen Facetten verbunden, aber eben nicht nur. Coyne guckte immer \u00fcber den Tellerrand, interessierte sich, was sonst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[900],"tags":[3353,3355,174],"class_list":["post-13804","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-in-memoriam","tag-kevin-coyne","tag-maler","tag-tod"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Roland Schmitt","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/rs\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13804"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13804\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}