{"id":13944,"date":"2011-04-26T07:58:36","date_gmt":"2011-04-26T05:58:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=13944"},"modified":"2022-06-18T02:38:38","modified_gmt":"2022-06-18T00:38:38","slug":"sam_hayes_das_v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/04\/sam_hayes_das_v\/","title":{"rendered":"Sam Hayes: Das verbotene Zimmer"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"301\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/hayes_zimmer.jpg\" alt=\"hayes_zimmer.jpg\"\/> Man durfte skeptisch sein. Ein 500-Seiter zum Thema P\u00e4dophilie? Das klingt nach einem geh\u00f6rigen Quantum geschw\u00e4tzig formulierter Betroffenheit, einem Mischmasch aus umst\u00e4ndlicher Erz\u00e4hlung und triefender Moral, wie es einem mehrmals im Jahr auf den Schreibtisch kommt und von diesem schnell wieder verschwindet. Aber \u0084Das verbotene Zimmer\u0093 erweist sich denn doch als Ausnahme von der Regel. Nicht makellos, hinnehmbar auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Hayes\u0092 Roman erz\u00e4hlt drei Geschichten, die allm\u00e4hlich zu einer werden. Die kleine Ava erlebt schreckliche Dinge in einem Kinderheim. Dort \u0096 es ist inzwischen ein Internat f\u00fcr h\u00f6here T\u00f6chter \u0096 beginnt auch Frankie Jahrzehnte sp\u00e4ter ihre Arbeit. Der dritte Strang berichtet von Nina, ihrer Familie und wie das Grauen \u00fcber sie hereinbricht und alles ver\u00e4ndert. Die Zusammenh\u00e4nge ahnt man schnell beziehungsweise wei\u00df man, denn der Verlag verr\u00e4t in seiner Inhaltszusammenfassung freundlicherweise schon einen entscheidenden Teil des Plots. Es geht um P\u00e4dophilie, achtzehn tote Kinder, am Rande um die Gefahren des Internets (auch ein interaktiver Chat spielt eine Rolle, was den Rezensenten besonders interessiert hat).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 500 Seiten erweist sich der Roman zwar \u0096 soll man sagen \u0084nat\u00fcrlich\u0093? \u0096 als etwas zu umfangreich, man kann Sam Hayes jedoch attestieren, ihr Konstrukt mit einiger Raffinesse gew\u00e4hlt und auch handwerklich solide in die Welt gesetzt zu haben. Spannend ist das Buch allemal, eine Lovestory darf nicht fehlen \u0096 aber genau hier tappt die Autorin in ihre eigene dramaturgische Falle. Am Ende n\u00e4mlich braucht sie zweierlei: eine \u00fcberraschende Aufl\u00f6sung und eine Art b\u00fcrgerliches Happyend. Beides gelingt ihr, wenn auch auf Kosten der Wahrscheinlichkeit. Die Entlarvung des B\u00f6sewichts folgt mehr den Gesetzen des Genres als denen der Psychologie und der Alltagserfahrung, ist ergo \u00fcber das Ma\u00df des \u00dcblichen hinaus unglaubw\u00fcrdig.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichwohl: \u0084Das verbotene Zimmer\u0093 \u00fcberzeugt als souver\u00e4n gestrickter Krimi, der sein unappetitliches Thema ernstnimmt und dennoch unterhaltsam erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Sam Hayes: Das verbotene Zimmer. <br \/>List 2011 <br \/>(Tall-Tale. 2009. Deutsch von Carola Kasperek). <br \/>507 Seiten. 8,99 \u0080<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man durfte skeptisch sein. Ein 500-Seiter zum Thema P\u00e4dophilie? Das klingt nach einem geh\u00f6rigen Quantum geschw\u00e4tzig formulierter Betroffenheit, einem Mischmasch aus umst\u00e4ndlicher Erz\u00e4hlung und triefender Moral, wie es einem mehrmals im Jahr auf den Schreibtisch kommt und von diesem schnell wieder verschwindet. 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