{"id":14212,"date":"2005-08-15T20:47:12","date_gmt":"2005-08-15T18:47:12","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=14212"},"modified":"2022-07-29T03:30:24","modified_gmt":"2022-07-29T01:30:24","slug":"hard-fi-stars-of-cctv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/hard-fi-stars-of-cctv\/","title":{"rendered":"Hard-Fi: Stars Of CCTV"},"content":{"rendered":"\n<p>Was tun, wenn man in Staines, im Westen Londons gelegen, gro\u00df wird, wo au\u00dfer Ali G. kein Prominenter herkommt? Wo selbst die Infrastruktur keine vern\u00fcnftigen Alternativen zu bieten hat:<em>&#8222;Hier gibt&#8217;s keinen Plattenladen, keinen Klamottenladen, keinen Club, keinen Nachtbus, keine Sp\u00e4tzug &#8211; gar nix. Wenn du abends in Central London warst, musst du mit einem Taxi zur\u00fcck. Das kostet 80 Pfund&#8220;<\/em>, jammern die Jungs von Hard-Fi. Da braucht man sie auch gar nicht zu fragen, warum sie sich mit beschissen bezahlten Jobs durchschlagen mussten und teilweise auf St\u00fctzte angewiesen waren. Immerhin hatten sie die glorreiche Idee, eine Band zu gr\u00fcnden und mit der ihren Idolen The Clash, Dexy&#8217;s Mignight Runners, Curtis Mayfield, Lee &#8222;Scratch&#8220; Perry, den Rolling Stones und den Happy Mondays nachzueifern.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bis es so weit war, musste jeder der Vier seine eigene Lebenserfahrungen sammeln. S\u00e4nger Richard Archer versuchte sich vor Jahren in einer Band namens Contempo, was aber ein zum Scheitern verdammter Versuch war. Die Frustration schlug sich gleich in seinen neuen Songideen nieder. Anfang 2002 war schlie\u00dflich die Geburtstunde von Hard-Fi. Archer hatte \u00fcber den ehemaligen Produzenten von Contempo den Schlagzeuger Steve Kemp kennen gelernt. Gitarrist Ross Phillips kannte er aus einem Hi-Fi-Laden, den Richard immer dann aufsuchte, wenn er eines seiner Demotapes auf einer sehr guten Anlage Probe h\u00f6ren wollte. Als Letzter stie\u00df Kai Stephens (Bass) dazu, der zuvor bei der Insektenvernichtungsfirma &#8222;Rent-O-Kill&#8220; gearbeitet hatte, doch &#8222;vom dauernden Sterben&#8220; frustriert war. Eine sehr bizarre Entstehungsgeschichte, nicht wahr? Das war aber l\u00e4ngst nicht alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Hard-Fi nisteten sich in einer ehemaligen Taxizentrale in Staines ein, die sie zu einem Studio beziehungsweise Proberaum umfunktionierten. Dort nahmen sie unter der Aufsicht von Wolsey White erste Demos und auch sp\u00e4ter das nun vorliegende Deb\u00fctalbum &#8218;Stars Of CCTV&#8216; auf. Die Produktionskosten waren nicht allzu hoch. Die f\u00fcr ihre erste Single, das gro\u00dfartige &#8222;Cash Machine&#8220;, sollen sich auf schlappe 300 britische Pfund belaufen haben &#8211; was der Raummiete der Taxizentrale entspricht. Zufrieden waren sie mit den Aufnahmen immer erst, wenn sie den BMW-Test bestanden hatten. Archer erkl\u00e4rt den wie folgt: <em>&#8222;Wir schnappten uns dem BMW unseren Produzenten, fuhren um die Blocks und h\u00f6rten uns w\u00e4hrenddessen die Songs an. Letztendlich werden sich die meisten Leute die Songs eh im Auto oder im Bett anh\u00f6ren. Wenn sie sich im Auto gut anh\u00f6ren, dann kann man also nicht falsch liegen&#8220;<\/em>. Nicht minder bizarr, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Hard-Fi ernten derzeit auf der Insel viel Lob. Die Presse spricht schon vom n\u00e4chsten gro\u00dfen Ding. Die Jungs aus Staines haben ihre Hausaufgaben wirklich gut gemacht. Moderner Dancepunk trifft auf alte Heroen (siehe oben) und viel Irrwitz (etwa einem schr\u00e4gen Kinderchor in &#8222;Tied Up Too Tight&#8220;). Schon jetzt platzen Hard-Fi vor Selbstbewusstsein. Archer sagte unl\u00e4ngst: &#8222;<em>Ich will Erfolg haben. Wir stehen nicht in Konkurrenz mit The Killers und Razorlight &#8211; im Gegenteil, ich finde sie sehr cool. Viel eher stehen wir in Konkurrenz mit Eminem. Wir wollen Platten in den Staaten verkaufen. Und das viele.<\/em>&#8220; Wenn man ihn danach fragt, woher es kommt, dass Ska, Rock und Punk zu verschiedenen Teilen in sein Songwriting einflie\u00dfen, dann sagt er: &#8222;<em>Wann immer ich an gro\u00dfe englische Bands denke &#8211; die Stones, The Clash, The Specials oder Massive Attack &#8211; dann sind das nie nur Rockbands. Wir sind zwar eine Rock&#8217;n&#8217;Roll-Band, aber wir h\u00f6ren auch HipHop, House, Dub und Reggae, und wir haben keine Angst, das einflie\u00dfen zu lassen. Alles was du brauchst, ist Kreativit\u00e4t. Fr\u00fcher nahm man einfach eine Gitarre in die Hand und machte Punk, heute brauchst du nur einen Computer und ein paar Instrumente. Du machst dein Artwork, brennst die CDs und bringst das alles unter die Leute. Auch wenn du begrenzte Mittel hast: Wenn du kreativ bist, hast du alle M\u00f6glichkeiten.<\/em>&#8220; Das k\u00f6nnte man das Motto der Band nennen: Kreativit\u00e4t versetzt Berge.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu was sie f\u00e4hig sind, kann man sich auf ihrer aktuellen Single &#8222;Cash Machine&#8220; anh\u00f6ren. Ein gro\u00dfartiger Dub-Ska-Dancepunk-Song. So als h\u00e4tten Bloc Party einen Song der Gorillaz gecovert. Dieses Lied schreit gerade nach &#8222;PARTY!&#8220;. Ein Ohrwurm mit Tanzqualit\u00e4t. Laut der britischen Zeitung &#8222;Guardian&#8220; treffen hier The Clash auf Duran Duran und geben &#8222;eine der besten Singles des Jahres, und wahrscheinlich die beste, die je \u00fcbers Pleitesein geschrieben wurde&#8220; zum Besten. Denn in dem Song &#8211; mit der Kernzeile &#8222;There&#8217;s a hole in my pocket&#8220; &#8211; geht es &#8222;grunds\u00e4tzlich darum, pleite zu sein&#8220;, so Archer. &#8222;<em>Diese Geschichte, dass ein Typ seine Freundin schw\u00e4ngert, was hier in der Gegend oft vorkommt. Und dann musst du eigentlich diese neue Stereoanlage haben oder den neuesten Kinderwagen, und irgendwie scheint nie Kohle reinzukommen. Wir sagen dazu aber, dass kein Geld zu haben nicht das Ende der Welt ist. Du kannst trotzdem was erreichen, wenn du es nur wirklich willst.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Hard-Fi: Stars Of CCTV<br \/>Warner<br \/>V\u00d6: 15.8.2005<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was tun, wenn man in Staines, im Westen Londons gelegen, gro\u00df wird, wo au\u00dfer Ali G. kein Prominenter herkommt? Wo selbst die Infrastruktur keine vern\u00fcnftigen Alternativen zu bieten hat:&#8222;Hier gibt&#8217;s keinen Plattenladen, keinen Klamottenladen, keinen Club, keinen Nachtbus, keine Sp\u00e4tzug &#8211; gar nix. 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