{"id":14783,"date":"1997-12-08T11:11:00","date_gmt":"1997-12-08T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=14783"},"modified":"2022-06-01T15:38:37","modified_gmt":"2022-06-01T13:38:37","slug":"cindy-crawfords-make-up","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/12\/cindy-crawfords-make-up\/","title":{"rendered":"Cindy Crawford\u00b4s Make up"},"content":{"rendered":"\n<p>Eins vorweg: ich hab das Buch geschenkt bekommen (von einer SR-Mitarbeiterin, die es nach erledigter Rezension schleunigst loswerden wollte\u2026). Und ich bin heilfroh, da\u00df ich schon Mitte 20 bin, vor zehn Jahren w\u00e4r ich nach der Lekt\u00fcre wohl nur noch mit Papiert\u00fcte \u00fcberm Kopf aus dem Haus gegangen. (Komplexgeplagte Teenager: Finger weg von diesem Buch!)<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da\u00df dieses Werk \u00fcberhaupt besprochen wird, liegt nat\u00fcrlich nicht an seiner Thematik oder irgendwelchen bahnbrechend neuen Erkenntnissen in Sachen Schminken, sondern einfach am klangvollen Namen der Autorin. Cindy Crawford ist jetzt 30 und offenbar zu alt f\u00fcr Laufsteg und Fitne\u00df-Videos. Der Catwalk war allerdings laut Expertenmeinung noch nie ihre St\u00e4rke, die liegt mehr in ihrer photographischen Pr\u00e4senz und ihrem Symbolwert als Pop-Ikone. Und genau das macht das vorliegende Werk interessant (die Make up-Tips fungieren lediglich als Vehikel, um aus einem Cindy Crawford-Bildband ein Sachbuch zu machen, das sich auch Frauen kaufen). Und die Photos sind schon klasse, Cindy Crawford mag ungeschminkt meinetwegen wie ein All-American-Girl aussehen, aber garantiert immer noch phantastisch. Irgendwie hat sie es geschafft, als \u00dcberfigur aus der Model-Masse herauszuragen &#8211; wie, wei\u00df ich auch nicht, da wirken wohl mehrere Faktoren zusammen. Das f\u00e4ngt beim Namen an, den man nicht besser h\u00e4tte erfinden k\u00f6nnen, vielleicht spielt auch die an sich wenig glamour\u00f6se, von Klischees unbelastete braune Haarfarbe eine Rolle und sicherlich ihre ausgekl\u00fcgelte Marketingstrategie, Cindy Crawford ist l\u00e4ngst ein Produkt, eine Trademark &#8211; so wie ihr Markenzeichen, das Muttermal (von dem die Legende sagt, als junges Model sei Crawford von den Agenturen immer mit dem dem Rat abgewiesen worden, es sich entfernen zu lassen\u2026).<\/p>\n\n\n\n<p>Un\u00fcbertroffen ist allerdings auch ihre Selbstironie: welches andere Super-Model berichtet so freim\u00fctig von \u00fcberschminkten Pickeln und Bauch-Einziehen bei Photo-Shootings (das mag man glauben oder nicht\u2026)! Um einen fr\u00fcheren Crawford-Ausspruch zu zitieren: &#8222;Viele Frauen tr\u00e4umen davon, so auszusehen wie wir. Was sie nicht wissen: wir sehen auch nicht so aus!&#8220; Geschickt, Cindy: mit eben dieser Philosophie darf man dann auch ein Schminkbuch \u00b4rausbringen, das suggeriert, mit dem richtigen Make up k\u00f6nne jede Frau so aussehen wie Du!<\/p>\n\n\n\n<p>Sei es drum. Das Fundament des Crawford\u00b4schen Schmink-Kurses bildet eine dicke Schicht Understatement (vor ihrer Model-Karriere habe sie nie Make up benutzt, richtig eingesch\u00fcchtert sei sie ob der vielen Utensilien gewesen, und nur durch Beobachtung und die Hilfe anderer habe sie es schlie\u00dflich erlernt, aber Expertin sei sie ja noch lange nicht bla bla\u2026).<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcrzlich sei sie gar in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses gewesen, wo eine Verk\u00e4uferin zu ihr sagte: &#8222;Sch\u00e4tzchen, mit ein bi\u00dfchen Make up k\u00f6nnten Sie echt h\u00fcbsch aussehen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Image definiert sie als &#8222;das M\u00e4dchen von Nebenan&#8220;, und vor Verlassen des Sets schminkt sie sich immer gr\u00fcndlich ab und bindet ihre Haare zum Pferdeschwanz (&#8222;Gute Frau!&#8220; w\u00fcrde Johann Lafer sagen). &#8222;Nat\u00fcrlichkeit&#8220; ist Crawfords Mantra, und in deren Zweck stellt sie auch ihre Kosmetik-Tips. \u00dcber mehr als hundert Seiten erstreckt sich ihr kleines Einmaleins der Kunst des Schminkens, mit erl\u00e4uternden Zeichnungen versehen und gespickt mit Photos, die selbst einen Aschenbecher oder ein Glas Wasser nach Haute Couture aussehen lassen. Gem\u00e4\u00df ihres Leitmotivs beginnt das Buch der Amerikanerin mit Kapiteln \u00fcber Nat\u00fcrlichkeit (nat\u00fcrlich!) und die innere Einstellung. &#8222;Ich habe nie eine Gelegenheit zum Ausgehen verpa\u00dft, nur weil mein Gesicht oder meine Haare nicht hergerichtet waren.&#8220; Ihr Werk ist der &#8222;Sch\u00f6nheit in jeder Frau&#8220; gewidmet, in \u00fcbersichtliche Textbl\u00f6cke gegliedert, ultramodern layouted und mit einer praktischen Ringbindung versehen (wer hat schon im Badezimmer eine Buchst\u00fctze \u00e0 la Biolek-beim-Kochen?).<\/p>\n\n\n\n<p>Also, wem\u00b4s wirklich ums Schminken geht, der f\u00e4hrt mit diesem Buch nicht schlecht, von Reinigung und Pflege bis hin zur Gestaltung der einzelnen Gesichtspartien ist alles enthalten, erg\u00e4nzt durch jede Menge &#8222;Insider-Tips&#8220; (z. B. bei kreidigem Make up einfach einen Hauch Wasser ins Gesicht spr\u00fchen\u2026) &#8211; darum kauft man ja schlie\u00dflich die Erg\u00fcsse eines Top-Models! \u00dcberhaupt hat man nach der Lekt\u00fcre das Gef\u00fchl, auf Du und Du mit der Crawford zu sein, so pers\u00f6nlich ist der Ton der Texte, und das Thema Make up geh\u00f6rt ohnehin zum Intimsten, was man sich so &#8222;unter Frauen&#8220; erz\u00e4hlt, oder? Und in dieser Hinsicht erf\u00e4hrt der Leser (wahrscheinlicher: die Leserin) auch von Cindy Crawford Unglaubliches: &#8222;Manchmal macht es mir nichts aus, mit Tr\u00e4nens\u00e4cken unter den Augen herumzulaufen, weil ich finde, da\u00df sie weiblich und in gewisser Hinsicht sogar erotisch wirken&#8220;. Oder den Rat, nach dem Waschen von Puderpinseln nur im \u00e4u\u00dfersten Notfall die Borsten zu stutzen, &#8222;sie wachsen nicht nach&#8220;! Genauso wertvoll: die Feststellung &#8222;Es gibt keine Toupets f\u00fcr Augenbrauen&#8220;, und &#8222;entfernte H\u00e4rchen kann man nicht mehr ankleben&#8220;. Gipfelnd in einer rhetorischen Frage: &#8222;Betrachten Sie das Make up, das die (Make up-)Verk\u00e4uferin selbst tr\u00e4gt: M\u00f6chten Sie so aussehen?&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Interessant auch Crawfords einleitendes Res\u00fcme: &#8222;Dieses Buch gleicht einem Kochbuch&#8220; (Hinter-Net! kocht mit Cindy Crawford?!! Man nehme 1 EL Mascara, 250 g Feuchtigkeitscreme und 1 Prise Puder\u2026). Und der Verdacht, das Model sei eine unerkannte Hinter-Net!-Mitarbeiterin, erh\u00e4rtet sich noch: &#8222;Die meisten von uns kennen die Frage, was man auf eine einsame Insel mitnehmen w\u00fcrde&#8220;, klar (siehe dazu auch unsere Inselplatten), es \u00fcberrascht aber doch wenig, da\u00df Mi\u00df Crawford lieber auf ihre Lieblings-CDs verzichtet statt auf Lipgloss und Abdeckstift.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber im Ernst: das Buch enth\u00e4lt einen einzigen Satz, f\u00fcr den allein sich die Anschaffung schon lohnt: &#8222;Wenn nichts mehr hilft, L\u00e4cheln!&#8220;. Nur &#8211; wozu dann \u00fcberhaupt das Buch?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Cindy Crawford\u00b4s Make up. Profi-Tips f\u00fcr jeden Tag<br \/>Mosaik Verlag, M\u00fcnchen 1997<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eins vorweg: ich hab das Buch geschenkt bekommen (von einer SR-Mitarbeiterin, die es nach erledigter Rezension schleunigst loswerden wollte\u2026). 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