{"id":14942,"date":"1998-02-12T11:11:00","date_gmt":"1998-02-12T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=14942"},"modified":"2022-08-27T02:25:13","modified_gmt":"2022-08-27T00:25:13","slug":"interview-rare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/02\/interview-rare\/","title":{"rendered":"Interview: Rare"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir versuchen, instinktiv und spontan an die Dinge heranzugehen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Es tut sich was in Irland! J\u00fcngste musikalische Entdeckung von der gr\u00fcnen Insel ist das Trio &#8222;Rare&#8220;. &#8222;Rare&#8220; wurde vom ehemaligen &#8222;Undertones&#8220;\/&#8220;That petrol emotion&#8220;-Gitarristen Sean O`Neill gegr\u00fcndet. Au\u00dferdem geh\u00f6ren der Bildhauer(!) Locky Morris und Mary Gallagher, eine ehemalige Dozentin f\u00fcr Kunstgeschichte(!) zur Band. Nicht minder interessant wie die Besetzung ist die Musik, die &#8222;Rare&#8220; macht: Eine ziemlich gute Mischung aus Rock, Pop und TripHop. Am 27. M\u00e4rz erscheint das Deb\u00fct-Album der Iren, &#8222;Peoplefreak&#8220;. Anl\u00e4\u00dflich einer Promotour von &#8222;Rare&#8220; durch Deutschland sprach Hinternet-Mitarbeiter Martin Schr\u00fcfer mit Sean O`Neill<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wenn Du Deine Musik jemanden beschreiben m\u00fc\u00dftest, der noch nie zuvor von &#8222;Rare&#8220; geh\u00f6rt hat, was w\u00fcrdest Du sagen?<br \/><em>Oh Gott, das ist diffizil. Wir machen nicht nur analoge Musik, und k\u00f6nnen uns nicht nur als Pop-Band klassifizieren, obwohl wir \u00f6fters mit dem Strophe-Refrain-Strophe-Schema arbeiten. Wir h\u00f6ren viel Dance-Musik und versuchen das zu groovigen Rhythmen zu verarbeiten. Einige Leute bezeichnen uns als Trip-Hop-Band, aber das ist auch nicht ganz richtig, weil wir auch mit Gitarren spielen. Vielleicht kann man uns als Dance-Pop-Band bezeichnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe in Eurer Band-Info gelesen, da\u00df ihr im April 1996 Eure normalen Berufe aufgegeben habt und von da an professionell Musik gemacht habt. Wie sind jetzt, knapp zwei Jahre sp\u00e4ter, Eure Erfahrungen damit? Bedauerst Du es, Deinen alten Job nicht mehr machen zu k\u00f6nnen?<br \/><em>Nein, weil es in Londonderry, wo wir leben, sehr schwierig ist, das zu machen, was wir tun. Niemand sonst tut es. Das machte es technisch und praktisch schwierig. Wir haben eine gewisse Zeit gebraucht, bis wir mit dem Equipment gut umgehen konnten. Da wir uns jetzt darauf konzentrieren k\u00f6nnen, l\u00e4uft es immer besser. Wir experimentieren mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>La\u00df uns \u00fcber Euer Album &#8222;Peoplefreak&#8220; sprechen. Eure Songs sind sehr komplex aufgebaut. Erz\u00e4hl` mal, wie &#8222;Rare&#8220; einen ganz normalen Song schreibt.<br \/><em>Die meisten Songs sind konventionell entstanden, das hei\u00dft, da\u00df die orginale Idee auf der Gitarre gespielt wurde. Wir nehmen jetzt aber mehr und mehr den Sampler und den Computer daf\u00fcr her. Wir sampeln jeden Teil der Musik und arrangieren es am Computer, loopen es undsoweiter und dann nehmen wir den Rhythmus dazu. Das ist sozusagen der Backing-Track. Dann kommen die Melodie und die Worte oben drauf dazu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer schreibt die Songs? Alle zusammen?<br \/><em>Die meisten Songs schreiben Locky (Morris) und ich. Auch, weil wir zusammen gelernt haben, die Technik zu bedienen. Einer von uns hat eine Idee und wir basteln abwechselnd daran, drehen sie in verschiedene Richtungen. Dann probieren wir die Melodie aus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt singt dann Mary Gallagher \u00fcber das Ganze?<br \/><em>Ja, sie bringt ihre Ideen mit ein und versucht das zu interpretieren, was wir vorschlagen. Wenn sie sich damit wohlf\u00fchlt, dann ist alles o.k. Marys Stimme ist sehr wichtig. Wir arbeiten meist in unserem kleinen, eigenen Studio in Londonderry. In einer sehr entspannten Atmosph\u00e4re.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Locky Morris sagte: &#8222;Peoplefreak mu\u00df die Leute \u00fcberzeugen, egal, von wo sie kommen. Derry beeinflu\u00dft das Album nicht, und es ist auch keine geistige Einstellung. Kannst Du erkl\u00e4ren, was er damit meint?<br \/><em>Diese Frage haben mir schon viele Leute gestellt. Derry ist sehr wichtig f\u00fcr uns, weil das unsere Heimat ist, alle unsere Freunde leben dort und wir wollen es auch nicht verlassen. Aber wir h\u00f6ren auch viel Musik aus Amerika, England und Europa. Wir bewahren uns einen freien Kopf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland wird das Land Irland oftmals als erstes mit Terror und Blutvergie\u00dfen verbunden. K\u00f6nnt ihr Eure Arbeit von diesem Aspekt isolieren? Wie lebt ihr damit?<br \/>&#8230; (lacht)<em>&nbsp;Wir sind ein bi\u00dfchen davon isoliert, weil wir mit der Musik viele andere Einfl\u00fcsse aufnehmen. Aber es geht uns auch pers\u00f6nlich nahe, das schl\u00e4gt sich zwar nicht in den Lyriks nieder, aber es beeinflu\u00dft die Art, wie wir Musik interpretieren. Wir versuchen so instinktiv und spontan wie m\u00f6glich die Dinge anzugehen. Das ist wichtig. In Derry ist die Lage besser wie anderswo, der Frieden macht dort Fortschritte. Die Leute kommen immer mehr darauf, da\u00df sie sich selber helfen m\u00fcssen. Das reflektieren wir mit unserer Musik.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sind in Eurer Musik politische Statements?<br \/><em>Nicht im eigentlichen Sinn. Vielleicht aber durch unsere Arbeit. Wir sind erfolgreich und inspirieren unsere Leute dazu, es auch zu versuchen. Damit w\u00e4re ich zufrieden. Das finde ich gut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es entsprechende Ans\u00e4tze in Derry?<br \/><em>Derry ist eine sehr konservative Stadt, es gibt viele Arbeitslose, so da\u00df es sehr schwierig ist, auch an Instrumente zu kommen. Wir haben angefangen, Instrumente auszuleihen, damit Bands experimentieren k\u00f6nnen. Das ist ein langer Proze\u00df, der da beginnt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Welche Einfl\u00fcsse haben eure Musik zu dem gemacht, was sie ist?<br \/><em>In erster Linie Massive Attack, Soul to Soul und auch Bj\u00f6rk. Ich mag das sehr, was sie macht. Interessanter Anspruch, den sie hat. Tricky ist auch wichtig, wir h\u00f6ren auch viel Reggae und Black Music. Die war immer am innovativsten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was h\u00e4ltst Du eigentlich von den neueren Sachen einer anderen irischen Band, n\u00e4mlich U2?<br \/><em>Ach, ich war nie ein gro\u00dfer Fan von U2, aber ich mag die neuen Sachen lieber als die alten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1997 spielten vor allem britische Bands eine gro\u00dfe Rolle im Musikgesch\u00e4ft, Beispiele gibt es genug. Woran liegt das Deiner Meinung nach? Zufall?<br \/><em>Viele Bands mixen die unterschiedlichsten Stile zusammen, das klingt meistens sehr interessant. England ist ein gro\u00dfer &#8222;Melting pot&#8220;. Viele gute Ideen kommen da raus, unter anderem auch die Britpop-Schiene mit Oasis und The Verve.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfende Frage: Wann seid ihr auf Tour?<br \/><em>Wir spielen im April in England, ich hoffe, da\u00df wir im Mai nach Deutschland kommen. Wir lieben es, live zu spielen und tun das auch oft in Derry. Wir haben sechs Monate gebraucht, um die CD fertigzustellen und freuen uns jetzt sehr darauf, live zu spielen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir versuchen, instinktiv und spontan an die Dinge heranzugehen Es tut sich was in Irland! J\u00fcngste musikalische Entdeckung von der gr\u00fcnen Insel ist das Trio &#8222;Rare&#8220;. &#8222;Rare&#8220; wurde vom ehemaligen &#8222;Undertones&#8220;\/&#8220;That petrol emotion&#8220;-Gitarristen Sean O`Neill gegr\u00fcndet. Au\u00dferdem geh\u00f6ren der Bildhauer(!) Locky Morris und Mary Gallagher, eine ehemalige Dozentin f\u00fcr Kunstgeschichte(!) zur Band. 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