{"id":15006,"date":"2001-04-01T11:11:00","date_gmt":"2001-04-01T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=15006"},"modified":"2022-06-03T15:03:43","modified_gmt":"2022-06-03T13:03:43","slug":"am-telefon-nils-koppruch-fink","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2001\/04\/am-telefon-nils-koppruch-fink\/","title":{"rendered":"Am Telefon: Nils Koppruch (Fink)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Fink-Interviews sind was Sch\u00f6nes. Kurzweilig, ergiebig und entspannt. Sie haben nur einen Nachteil: der Journalist tr\u00e4gt die Telefon-Geb\u00fchren. Und die laufen bei Freiberuflern auf der Privatrechnung auf. Immer hei\u00dft es &#8222;Du wirst von der Plattenfirma angerufen&#8220;, immer sieht die Praxis so aus: &#8222;Kannst Du zur\u00fcckrufen? Wir sind grad unterwegs&#8220; resp. &#8222;Ich bin noch zu Hause, das wird sonst zu teuer&#8220;. F\u00fcr mich auch. Aber was tut man nicht alles als guter Fink-Fan&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Diesmal geht\u00b4s also ums vierte Album, dessen Titel oder Nicht-Titel noch zu kl\u00e4ren sein wird. Das letzte Album des Hamburger Quartetts liegt zwei Jahre zur\u00fcck, und vieles deutet darauf hin, dass das brillante &#8222;Mondscheiner&#8220; nicht schon der Gipfel des Fink-Schaffens war. Beim neuen Album wurde wenig dem Zufall \u00fcberlassen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Die Farbe Eures Album-Covers &#8211; wurde die wirklich eigens f\u00fcr Euch gemischt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, aber bis jetzt ist es ein Rot, und nicht das Braun, das es eigentlich sein sollte. Die Farbe der Promo-CD ist falsch, die tats\u00e4chliche wird etwas dunkler.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Dieses Album mit der speziellen Farbe hat keinen Namen. Oder hei\u00dft das so wie Ihr?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Das hei\u00dft so wie wir. Es hat also quasi keinen Namen. Es hei\u00dft so wie wir.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Hat das was zu bedeuten? Namenlose Alben signalisieren oft, dass sie in den Augen ihrer Sch\u00f6pfer einen besonderen Stellenwert einnehmen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Nee, es h\u00e4tte was zu bedeuten gehabt, wenn die Platte einen Titel gehabt h\u00e4tte. Aber wir wollten dem kein Motto dr\u00fcberstellen. Wir dachten, wenn man einen Titel rausgreift, wird es der Sache nicht gerecht, weil es von der Platte ablenkt. Und die sollte einfach f\u00fcr sich selbst sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Manches am neuen Fink-Album klingt nach Konzeptalbum. K\u00f6nnt Ihr das unterschreiben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Nee! Ein Konzeptalbum ist etwas, wo man sich vorher einen Plan macht, und der muss erf\u00fcllt werden. Darunter leidet dann meistens die ganze Platte, weil sich bestimmte Ideen dem Konzept so unterordnen m\u00fcssen, dass das nicht funktioniert. In dem Sinne ist es kein Konzeptalbum&#8230; Angenommen, man schreibt ein Buch, dann ist die eine M\u00f6glichkeit, dass man tats\u00e4chlich ein Konzept hast, dem alles untergeordnet wird, oder man f\u00e4ngt an zu arbeiten, und es ergeben sich bestimmte Zwangsl\u00e4ufigkeiten, step by step: du machst den ersten Schritt, und dann machst du den zweiten Schritt &#8211; und so haben wir gearbeitet. Am Ende, als wir fertig waren, war\u00b4s ganz einfach, die Lieder auszuw\u00e4hlen, die wir auf die Platte nehmen wollten. Die Reihenfolge ergab sich ganz zwangsl\u00e4ufig &#8211; eine supersch\u00f6ne Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Irgendwie beruhigend, denn Konzeptalben sind meistens richtig eklig und eigentlich nur \u00b4was f\u00fcr Leute wie Alan Parson oder Mike Oldfield. Aber der Eindruck wird eben durch die Texte unterst\u00fctzt, die frappierend aufeinander aufbauen und alle ein gemeinsames Thema haben: der Weg, das Ich, seine Entwicklung&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, deswegen war es auch so einfach, die Reihenfolge zusammenzustellen. Es war ganz einfach, zu sagen, dass &#8222;Die Richtung&#8220; an den Anfang muss und &#8222;Wenn du mich suchst&#8220; ans Ende &#8211; und dann guckst du, wie du das in der Mitte aufbaust. Aber das war nicht klar, bevor wir die Lieder geschrieben oder aufgenommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Punkto Konzeptalbum-Abneigung haben wir schnell einen Konsens. Auch der Fink-Frontman findet Konzeptalben &#8222;eklig&#8220;. Am Rande einigen wir uns auf eine Ausnahme: &#8222;Sgt. Pepper&#8220; von den Beatles.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Eine andere Auff\u00e4lligkeit ist, dass ihr Euer Album selbst produziert habt. War es wichtig, dass Ihr ganz auf Euch allein gestellt wart?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruck: Hhm, ja. Wenn man ins Studio geht, ist das relativ teuer &#8211; obwohl diese Platte nicht billiger war als die letzte. Aber wir haben \u00fcber eine Strecke von einem halben Jahr daran gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Wie lange habt Ihr denn fr\u00fcher produziert?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Fr\u00fcher haben wir uns vorbereitet auf eine Produktion, geprobt, \u00fcberlegt, wie wir\u00b4s machen wollen, und waren bei der letzten Platte rund zwei Wochen im Studio zum Aufnehmen und eine Woche zum Mischen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Und jetzt habt ihr im Studio gleichzeitig geprobt und sich das entwickeln lassen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Wir haben uns Anfang des letzten Jahres eine Bandmaschine gekauft und einen kleinen Kellerraum gemietet. Es gab also keinen Unterschied zwischen Proben und Aufnehmen. Wir haben da gesessen und musiziert, haben es mal mitgeschnitten, wieder verworfen und nochmal mitgeschnitten&#8230; Es war eine flie\u00dfende Arbeit &#8211; nicht mit fertigen Dingen, sondern vieles ist dabei erst entwickelt und gleich aufgenommen worden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Also war die Situation so geplant und kein Behelf, weil der Wunsch-Produzent grad nicht verf\u00fcgbar war?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, wir wollten das. Wir wollten eine neue Erfahrung machen. Und es gab vorher auch Sachen, die uns gest\u00f6rt haben. Wir setzen uns teilweise sehr extrem dar\u00fcber auseinander, was wir machen wollen. Auch, weil wir den Anspruch haben, dass sich jeder gleicherma\u00dfen drin verwirklicht sieht. Es gab bei den anderen Platten immer Meinungsverschiedenheiten. Der eine sagt, &#8222;Das ist mein Lieblingslied &#8211; jenes mag ich eigentlich gar nicht, da h\u00e4tte man \u00b4was anders machen m\u00fcssen.&#8220; Und wenn noch ein Produzent dabei ist, der dann sagt, &#8222;Das ist doch gut so&#8220;, und er hat auch gute Argumente, und die Band sagt dann, &#8222;Ah ja, stimmt, wir haben jetzt auch schon ziemlich lange dran gearbeitet, dann lassen wir das einfach so&#8220;&#8230; Diesmal wollten wir keine Instanz dabeihaben, die au\u00dferhalb der Band steht, sondern alles, was entschieden wurde, mu\u00dfte innerhalb der Band ausgek\u00e4mpft werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Habt ihr das je bereut im Laufe dieses halben Jahres?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: \u00c4hm&#8230; (lacht), es war teilweise sehr schwierig. Wenn man den Anspruch hat, dass jeder Titel f\u00fcr alle gleich gut ist, kann auch ein ganz schlimmer Kompromiss dabei \u00b4rauskommen. Und wenn man das im Auge beh\u00e4lt, muss nat\u00fcrlich jeder sagen, was er will oder nicht &#8211; und warum nicht -, und dann muss man schon eine ganze Menge quatschen. Teilweise sahen unsere \u00dcbungsabende eher aus wie Trinkgelage, wo wir halt nur da gesessen und irgendwelche Anekdoten erz\u00e4hlt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Ging es Euch auch um einen anderen Sound?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, es ging uns auch um einen anderen Sound. Das lag sicherlich auch daran, dass wir die letzte Platte im Nachhinein zu unatmosph\u00e4risch fanden. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Aber wir wollten einen sehr warmen, sehr geschlossenen Sound, und ich glaub, das ist uns auch gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Definitiv. Mit Kritik am Vorg\u00e4nger-Album &#8222;Mondscheiner&#8220; bist Du bei mir allerdings an der falschen Adresse&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ich sag ja nicht, dass es eine misslungene Platte ist. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Zeit im Studio limitiert ist. Von den Titeln der neuen Platte gibt es zum Teil drei oder vier Alternativversionen &#8211; die Zeit hat man ja im Studio \u00fcberhaupt nicht&#8230; Wir haben grunds\u00e4tzlich nichts dagegen, dass jemand unsere Alben produziert. Es gab ein Halbangebot von Kurt Wagner von Lambchop, das neue Album zu mischen, aber dann h\u00e4tten wir es ganz aus der Hand geben m\u00fcssen, ohne Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen, und das Risiko war uns zu gro\u00df. Die meisten unserer Wunsch-Produzenten k\u00f6nnen wir gar nicht bezahlen, und die haben wahrscheinlich auch kein Interesse an so \u00b4ner kleinen deutschen Band&#8230; Supersch\u00f6n w\u00fcrde ich es finden, wenn Joey Burns von Calexico zumindest mal einen Titel von uns produzieren w\u00fcrde, aber die sind ja st\u00e4ndig auf Tour&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Hinternet-Interviewerin traut sich was: sie kategorisiert das neue Album. Etwas, das Bands auf der ganzen Welt nicht leiden k\u00f6nnen: wenn man ihrer Musik einen Namen gibt, vielleicht gar nach konkreten Stilrichtungen sucht. Es k\u00f6nnte Lesern, die die Platte noch nicht kennen, die Orientierung erleichtern. Aber unter Musikern hat es in etwa den Stellenwert des christlichen Bilderverbots. &#8222;Du sollst Dir kein Bildnis machen&#8230;&#8220; Ein Sakrileg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Am &#8222;Mondscheiner&#8220;-Album mu\u00df sich das Nachfolge-Werk unwillk\u00fcrlich messen lassen. Gerade, weil &#8222;Fink&#8220; ganz anders, aber ebensolch ein Gigant geworden ist. Von der Stimmung her erinnert es an Euer erstes Album &#8222;Vogelbeobachtung im Winter&#8220;, ist \u00e4hnlich rauh und d\u00fcster, und unterm Strich ein Folk-Album.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Hast du gut geh\u00f6rt. Als wir angefangen haben zu arbeiten, waren wir ziemlich weit weg von der ersten Platte. Die Titel sind auch fast in der Reihenfolge aufgenommen worden, wie sie auf der Platte drauf sind. Und am Ende wird sie ja sehr viel traditioneller. Ist \u00b4ne Entwicklung, die bei der Arbeit passiert ist, keine Ahnung&#8230; Ich glaube, der gr\u00f6\u00dfte Unterschied zum &#8222;Mondscheiner&#8220; ist nicht so sehr musikalisch, sondern inhaltlich. Die Erz\u00e4hlperspektiven sind ganz anders. Auf der &#8222;Mondscheiner&#8220; und der &#8222;Loch in der Welt&#8220; ging\u00b4s um sehr individuelle Wirklichkeiten. Da wurden Figuren vorgef\u00fchrt und versucht, durch ihre Art zu erz\u00e4hlen, Br\u00fcche darzustellen. Bei der &#8222;Fink&#8220; war nicht so wichtig, wer da erz\u00e4hlt, und es sind auch keine Momentaufnahmen von Dingen, sondern es geht um allgemeing\u00fcltigere, universellere Sachen. Gerade in diesem Sinne sind es auch Folksongs oder Volksmusik, obwohl wir ja keine gute Volksmusiktradition haben&#8230; Also, zum Beispiel &#8222;Das Liebste&#8220; halt ich f\u00fcr einen der gr\u00f6\u00dften Titel auf dem neuen Album, weil das wirklich ein Klassiker ist: relativ sp\u00e4rlich instrumentiert, mit \u00b4ner Mandoline &#8211; h\u00f6rt sich wie \u00b4was ganz Altes an, ist aber ganz neu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Koppruch ist freundlich geblieben. Wie leichtsinnig. Geradezu kamikaze-artig presst die Interviewerin jetzt das Kunstwerk in die verp\u00f6nte &#8222;Schublade&#8220;.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Wie kommt es, dass ihr jetzt wieder st\u00e4rker wieder in die Folkrichtung geht? Die &#8222;Mondscheiner&#8220; ist dagegen fast Pop: unglaublich bunt und vom Sound her ganz anders, viel plastischer modelliert. Jetzt seid Ihr in den Arrangements zwar komplexer, trotzdem f\u00fcgt sich alles viel unspektakul\u00e4rer zusammen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, wir wollten etwas Geschlosseneres machen. Und zumindest in diesem Punkt war die letzte Notwist-Platte &#8222;Shrink&#8220; ein Vorbild, auch wenn\u00b4s andere Musik ist. Wir wollten nicht nur hier mal ein Blitzlicht und da mal ein Blitzlicht draufhalten und offensiv mit Klangfarben spielen, sondern tats\u00e4chlich versuchen, mehr ein Album zu machen: etwas Geschlosseneres. Wie ein Ziegelstein, so schwer und stabil.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Auf Eurem neuen Album finden sich ausgesprochen tierische Laute &#8211; wer von Euch hatte kein Geld f\u00fcr ein Hundehotel?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Die Geschichte ist folgende&#8230; Der Reverend, unser Organist, hat einen kleinen Hund, Lucie. Ich vergess immer, wie die Rasse hei\u00dft. Der ist sehr klein, sieht aus wie eine Ratte, ist aber kein Scho\u00df-Fifi. Der Hund ist halt \u00fcberall da, wo der Reverend auch ist. Also war er auch im Studio, weil der Reverend ja am Harmonium sa\u00df, und hat da ein bi\u00dfchen um Aufmerksamkeit gebettelt. Jedenfalls rief der Reverend sp\u00e4ter an, ob wir Lucie nicht mit auf die Platte schreiben k\u00f6nnten, dann k\u00f6nnte er versuchen, GVL abzurechnen &#8211; ich glaube nicht, dass das funktioniert, aber wir haben ihm den Gefallen getan.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Ihr habt Lucie ja nicht nur in den Credits, sondern auch wirklich auf dem Album drauf, akustisch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, der Reverend mu\u00df ja auch was vorf\u00fchren k\u00f6nnen bei der GVL. Aber das war mehr ein Zufall. Es gab halt nicht die Situation bei den Aufnahmen, dass man sagt, &#8222;So, Ruhe, jetzt geht&#8217;s los&#8220;, sondern wir haben das mitgeschnitten, und der Hund war halt da. Und dann l\u00e4sst man das so oder man schmei\u00dft den Hund raus und nimmt das nochmal auf &#8211; aber kriegt man das nochmal so sch\u00f6n hin? Also haben wir gesagt, lassen wir das jetzt halt so, dann ist der Hund da mit drauf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Jetzt mu\u00df ich wenigstens einmal das b\u00f6se C-Wort in den Ring werfen&#8230; Habt ihr euch mittlerweile eine richtig sch\u00f6ne Strafe \u00fcberlegt f\u00fcr alle, die euch noch mit Country in Verbindung bringen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Nee, haben wir nicht. Sollte man vielleicht noch tun, wenn du schon danach fragst. Nee, aber &#8211; interessiert mich jetzt auch nicht mehr. Ja, bei der &#8222;Mondscheiner&#8220; war das schon absurd, und bei dieser Platte&#8230; &#8211; auch wenn du sagst, es ist eher wieder folkloristischer oder noch traditioneller, dann w\u00fcrd ich trotzdem sagen: wenn man das mit einem eindeutigen Genre beschreiben will, wird das der Platte nicht gerecht. Es ist halt so\u00b4n Bastard. Normalerweise gucken sich Bands die Popgeschichte bis 1960 an: Beatles, und was kommt danach&#8230; Und dann gr\u00fcnden sie \u00b4ne Band und sagen &#8222;Oh, wir machen 80er Jahre, denn im Moment m\u00f6chten alle wieder 80er Jahre h\u00f6ren&#8220;. Fink sind eher daran interessiert, was sehr weit vor 1960 passiert ist: &#8222;Kann man daraus nicht noch \u00b4was nehmen und in so\u00b4n popkulturellen Kontext stellen, um damit zu arbeiten? Ist das nicht viel spannender als zu sagen, naja, wir gucken grad mal bis zum Rock\u00b4n\u00b4Roll zur\u00fcck?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ha! Jetzt ist es raus! &#8222;Wenn man das mit einem eindeutigen Genre beschreiben will, wird das der Sache nicht gerecht.&#8220; Es gibt sie also noch. Die alte Angst, eine konkrete Bezeichnung k\u00f6nne dem Werk die Seele rauben, alle Innovation in Frage stellen, der Band Eingleisigkeit unterstellen&#8230; Leser, wenn Du Musiker sich winden sehen willst, dann frag sie, was f\u00fcr Musik sie machen. Fink sind da noch ein harmloses, wohlerzogenes Beispiel&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Klingt gut. Trotzdem seid ihr quasi der Opener der aktuellen XXS-Compilation &#8222;Land of the Kantrie Giants&#8220;. Ist das okay mit Euch ?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Jaja.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Auch die Rolle, die Ihr spielt in dieser ganzen Bewegung &#8211; die es ja gab?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja. XXS ist unsere alte Plattenfirma, die es nur gibt, weil es Fink gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Das klingt aber bitter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Nein, die haben sich ja gegr\u00fcndet, um uns damals zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Dann war das nicht polemisch gemeint?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Neenee, das ist korrekt, und denen sind wir nat\u00fcrlich menschlich wie musikalisch sehr zugeneigt. Daher kommen wir ja letztendlich auch. Wir haben bei XXS angefangen, und &#8222;Kantrie Giants&#8220; ist das, was XXS jetzt macht und zeigt. Da geh\u00f6rt Fink nat\u00fcrlich auf alle F\u00e4lle drauf. Ich hab die &#8222;Kantrie Giants&#8220; nicht zusammengestellt und nicht ausgesucht, aber die ersten beiden Fink-Alben sind halt eine XXS- Produktion.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Seht ihr das mit Wohlwollen, was durch XXS in Eurem Kielwasser entstanden ist?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ich wei\u00df grad gar nicht, was da drauf ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Zum Beispiel Missouri.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Missouri&#8230; Mit denen haben wir auch schon zusammengespielt, die haben uns schon supportet, find ich sehr sch\u00f6n. Ja, ich find das gut, dass solche Bands jetzt so\u00b4n Forum haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hinternet: Oder Das Weeth Experience. Kennt ihr die?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Ja, aber das ist auch so mi\u00dfverst\u00e4ndlich. Dieser Country-Sampler ist nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt kein Country-Sampler, sondern &#8211; naja, es ist das, was XXS halt macht. Es gab ja einen Konzertabend in Hamburg zur Ver\u00f6ffentlichung der Platte. Wer dahingekommen ist und Country sehen wollte, der war da total fehlplatziert. Es geht bei der Compilation wohl eher um eine sehr individuelle Sichtweise von XXS Records, und da f\u00fchlen wir uns nat\u00fcrlich schon zu Hause. Cow ist da drauf, beispielsweise, die sehr traditionell sind. Ich hab die neulich live gesehen, die haben Calexico supportet. Sehr, sehr gut, aber das ist wirklich fast traditioneller Bluegrass. Ich find\u00b4s gut, dass solche Bands eine M\u00f6glichkeit haben, etwas zu ver\u00f6ffentlichen, und wenn\u00b4s nur auf solch einem Sampler ist. Oder dass XXS die ver\u00f6ffentlicht mit dem Wissen, dass sich das eigentlich nicht verkaufen l\u00e4sst, aber du das trotzdem anh\u00f6ren kannst&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Interview geht zur Neige. Alle Fragen sind gestellt, die Interviewerin ist wieder schlauer. Doch da ist noch \u00b4was, das Nils Koppruch loswerden will &#8211; wenn\u00b4s mich interessiert. Und das tut es.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Koppruch: Wir haben jetzt angefangen, wieder zu proben f\u00fcr die Tour. Und es gibt auch &#8211; was f\u00fcr uns superspannend ist und riesig Spa\u00df macht &#8211; von vielen \u00e4lteren St\u00fccken neue Interpretationen. Wir sind schon bem\u00fcht, dass wir quasi mit neuem Programm kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fink-Interviews sind was Sch\u00f6nes. Kurzweilig, ergiebig und entspannt. Sie haben nur einen Nachteil: der Journalist tr\u00e4gt die Telefon-Geb\u00fchren. Und die laufen bei Freiberuflern auf der Privatrechnung auf. Immer hei\u00dft es &#8222;Du wirst von der Plattenfirma angerufen&#8220;, immer sieht die Praxis so aus: &#8222;Kannst Du zur\u00fcckrufen? Wir sind grad unterwegs&#8220; resp. &#8222;Ich bin noch zu Hause, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1044,12],"tags":[1972,1095,3445,1971,3448],"class_list":["post-15006","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interview","category-musik","tag-country","tag-deutschsprachig","tag-fink","tag-folk","tag-nils-koppruch"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Katja Preissner","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kp-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15006"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15006\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}