{"id":15457,"date":"2011-04-04T09:20:26","date_gmt":"2011-04-04T09:20:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/04\/mechtild-borrmann-wer-das-schweigen-bricht\/"},"modified":"2022-06-13T01:02:40","modified_gmt":"2022-06-12T23:02:40","slug":"mechtild-borrmann-wer-das-schweigen-bricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/04\/mechtild-borrmann-wer-das-schweigen-bricht\/","title":{"rendered":"Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"334\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/borrmann_schweigen.jpg\" alt=\"borrmann_schweigen.jpg\"\/> Mechtild Borrmann hat den Krimi nicht neu erfunden. Sie arbeitet auch nicht in den Fertigungshallen des gerade wieder einmal durch das gruselige argumentative Fixierbad gezogenen \u201eRegiokrimis\u201c, obwohl \u2013 \u00dcberraschung \u2013 auch ihre Krimis \u201eirgendwo spielen\u201c. Kein Hype umwogt sie, kein \u201ewichtiger Krimipreis\u201c hebt sie (oder habe ich etwas verpasst?), nicht einmal die Binnenanpreisung unter KollegInnen funktioniert so recht. Wenigstens das l\u00e4sst sich \u00e4ndern. Also: Mechtild Borrmann ist eine der interessantesten Autorinnen von Kriminalliteratur hierzulande, damit Ausrufezeichen und zum Buch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft \u201eWer das Schweigen bricht\u201c und, lieber Verlag, dieser Titel ist der einzige S\u00fcndenfall, das klingt nach \u201eWenn die Begierde zweimal klingelt\u201c oder \u201eWer das Wasser in Wein verwandelt\u201c oder sonstigen Schwachsinnigkeiten deutscher Titelei, muss also zuk\u00fcnftig nicht mehr sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Arzt Robert Lubisch findet im Nachlass seines verstorbenen Vaters, eines Bauunternehmers, das alte Foto einer jungen Frau, wird neugierig und setzt sich auf die F\u00e4hrte der Unbekannten. Tats\u00e4chlich findet er schnell heraus, wer sie war und mit Hilfe der ehrgeizigen Journalistin Rita Albers auch, wer sie jetzt IST. Dieser Umstand entbehrt nicht der Pikanterie, wie Albers sogleich erkennt und eine gro\u00dfe Story wittert. Doch bald darauf ist sie tot. Der Arzt forscht weiter, ein Dorfpolizist ebenfalls, so weit ist alles noch normal und wirklich nicht neu, das obligatorische dunkle Geheimnis im Vergangenen eben, Nazizeit, Krieg, auch das noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunst von Mechtild Borrmann liegt darin, ihre Geschichte aus unterschiedlichen Personen- und Zeitperspektiven zu entwickeln. Unspektakul\u00e4r und eindringlich, asketisch in der Storyf\u00fchrung, ohne ungesunde Magerkeit allerdings, an manchen Stellen ein klein wenig zu erkl\u00e4rend, wenn das Beschriebene schon ausgereicht h\u00e4tte. Aber das sind Kleinigkeiten, die vom hohen spezifischen Gewicht der Geschichte locker ausgeglichen werden. Kurz: Der Text packt einen und wartet mit einer h\u00fcbschen finalen \u00dcberraschung auf, einem Clou, auf den man selbst h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen und als Selberautor auch gerne gekommen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Studie \u00fcber Identit\u00e4ten , spannend und anr\u00fchrend, garantiert witzfrei, in der Konstruktion aber eben nicht ohne Witz. Kriminalliteratur wie sie sein sollte und wenn es ein paar mehr Freunde des Genres merken w\u00fcrden, k\u00f6nnte das diesem nicht schaden.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht. <br \/>Pendragon 2011. 224 Seiten. 9,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mechtild Borrmann hat den Krimi nicht neu erfunden. Sie arbeitet auch nicht in den Fertigungshallen des gerade wieder einmal durch das gruselige argumentative Fixierbad gezogenen \u201eRegiokrimis\u201c, obwohl \u2013 \u00dcberraschung \u2013 auch ihre Krimis \u201eirgendwo spielen\u201c. 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