{"id":15931,"date":"2005-08-23T08:30:30","date_gmt":"2005-08-23T08:30:30","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/schlagt-mich\/"},"modified":"2022-06-07T15:36:06","modified_gmt":"2022-06-07T13:36:06","slug":"schlagt-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/08\/schlagt-mich\/","title":{"rendered":"Schlagt mich"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8230; aber ich sage es trotzdem: Mehr als die H\u00e4lfte der Leser von Belletristik sind Analphabeten; nicht das Wort selbst ist ihnen Geheimnis, es ist der Wortsinn, der ihnen zu schaffen macht. Sie schicken die W\u00f6rter wie Bandnudeln durch ihre eindimensionalen Gehirne, lassen sie im Sud ihrer Klischees und Vorurteile k\u00f6cheln \u2013 und wundern sich dann, wenn eine matschige Masse im Bewusstsein ankommt, ein Morast, ein Sumpf, kurz: eine Welt- und Lebensanschauung ganz in Kotzgr\u00fcn. Das nenne ich noch Leserbeschimpfung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und wozu das jetzt? Ach ja, damit wir uns nicht missverstehen: Gemeint sind hier nicht allein die Leser sogenannter Schundliteratur. Nein, meine traurigen Erfahrungswerte resultieren aus der jahrzehntelangen Beobachtung jenes Hochliteraturschmocks, der beim Lesen grunds\u00e4tzlich den inneren Ventilator anstellt, um die Luft von allen Partikeln tieferer Einsicht zu reinigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, noch einmal, wozu das jetzt? Weil nach Ludgers \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=222\">\u201ePlatzpatronen\u201c-Attacke<\/a> auf die Schafherde der Frau Swann mal wieder die Forendummheit fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd feiert. Man mag garnicht \u2192<a href=\"http:\/\/www.literaturschock.de\/literaturforum\/viewtopic.php?p=69898\">hin<\/a> verlinken, so weh tut einem der blo\u00dfe Gedanke an diese Sorte von \u201eLesern\u201c, die bei einem Verriss sogleich mutma\u00dft, der Kritiker habe hier nur seinen eigenen Frust abreagiert und quasi in einem Akt wohlfeilen Widerstands verk\u00fcndet, nun erst recht das diskriminierte Werklein erwerben zu wollen. Und auf der anderen Seite die gro\u00dfen Beschwichtiger. Jetzt ist aber gut mit der Kritik eines schlechten Buches, jetzt widmen wir uns aber wieder den Perlen, gell?<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00f6. JETZT gerade nicht. Kein Kritiker ist ein solcher Masochist, sich absichtlich B\u00fccher auszusuchen, bei denen die Gefahr geistiger Gei\u00dfelung auf der Hand liegt. Vielleicht ist das falsch, vielleicht sollte man sich \u00f6fter opfern, ganz gewiss danken wir Ludger f\u00fcr seinen ersten Schritt. Gerade wir Krimikritiker h\u00e4tten allen Grund dazu, denn wir bewegen uns nicht im geschlossenen Bereich der Hochliteratur, nicht im horizontalen Paradies des mehr oder weniger Anspruchsvollen, sondern in der Vertikalen, die in der H\u00f6lle des \u00fcbel zusammengehauenen Schunds beginnt und im Himmel wohlgesetzter und \u2013\u00fcberlegter Worte endet. Die Teufel sind allgegenw\u00e4rtig, sie sind ein Teil des \u201eGenres\u201c Krimi, ob wir wollen oder nicht. Dar\u00fcber wollte ich eigentlich demn\u00e4chst etwas Positives schreiben, und ich werde es auch. Aber an dieser Stelle ist mir wieder einmal nur negativ zu Mute.<\/p>\n\n\n\n<p>So langsam kriege ich wieder die Kurve. An die Adresse der Einen: Macht nur weiter so. D\u00fcnnpfiff entschlackt, und was an Hirn dabei wegflutscht, ist ja eh kaum die Rede wert. An die Anderen: Wer an die Perlen will, muss erst mal den Dreck wegr\u00e4umen, in dem sie liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und am Freitag gibt\u2019s das Ganze in Seri\u00f6s.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; aber ich sage es trotzdem: Mehr als die H\u00e4lfte der Leser von Belletristik sind Analphabeten; nicht das Wort selbst ist ihnen Geheimnis, es ist der Wortsinn, der ihnen zu schaffen macht. 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