{"id":15932,"date":"2011-07-05T08:44:44","date_gmt":"2011-07-05T08:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/07\/ross-thomas-kaelter-als-der-kalte-krieg\/"},"modified":"2022-06-16T21:59:17","modified_gmt":"2022-06-16T19:59:17","slug":"ross-thomas-kaelter-als-der-kalte-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/07\/ross-thomas-kaelter-als-der-kalte-krieg\/","title":{"rendered":"Ross Thomas: K\u00e4lter als der kalte Krieg"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"274\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/thomas_krieg.jpg\" alt=\"thomas_krieg.jpg\"\/> Man sch\u00e4tzt Ross Thomas nicht geringer, wenn man das Deb\u00fct von 1966 nicht unter die Top 3 seiner Kriminalromane w\u00e4hlt. Sie m\u00f6chten keine ausf\u00fchrlichen Rezensionen, sondern lieber einen intelligenten Spionagethriller lesen? Sofort aufh\u00f6ren und \u201eK\u00e4lter als der kalte Krieg\u201c kaufen. Denn hier keimt schon alles, was in den sp\u00e4teren Arbeiten erbl\u00fchen wird: die Stilsicherheit, der punktgenaue Witz, die Rasanz der Handlung, immer wieder zum richtigen Zeitpunkt verlangsamt und beschleunigt, die genau skizzierte Zeit, in der die Geschichte spielt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bonn, Mitte der sechziger Jahre. McCorkle und Padillo, zwei Amerikaner, betreiben eine Kneipe in der Bundeshauptstadt. Eigentlich ein unfreiwilliges Gespann, denn Padillo hat sich die Teilhaberschaft mit sanftem Nachdruck erpresst, braucht er doch eine Tarnung f\u00fcr seinen eigentlichen Job als Geheimagent. Ein Metier, das McCorkle nicht fremd ist, auch er wurde einst vom Geheimdienst ausgebildet und eingesetzt. Den Ereignissen ist es geschuldet, dass McCorkles F\u00e4higkeiten bald wieder gefragt sind. Ein Mann wird in der Bar erschossen, Padillo macht sich auf zu einer neuen Aktion hinter dem Eisernen Vorhang, doch dabei geht etwas gr\u00fcndlich schief. McCorkle fliegt nach Berlin, um seinem Freund zu helfen, trifft eine Reihe mehr oder weniger zwielichtiger Gestalten und findet sich in Ostberlin wieder, wo Padillos Zwangslage eskaliert. Er ist J\u00e4ger und Gejagter, die Fronten sind unklar, einige der Gegner haben noch kein Gesicht. Man versucht in den Westen zu gelangen, was selbst f\u00fcr ausgebuffte Profis kein Leichtes ist. Ein actionreiche Geschichte also, deren Finale wieder am Rhein stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eK\u00e4lter als der kalte Krieg\u201c ist ein Spionageroman wie aus dem Bilderbuch, was man w\u00f6rtlich nehmen kann, denn er lebt von den sattsam bekannten Visualisierungen des Genres, dieser Mixtur aus Intrige und Gegenintrige, deren Aufl\u00f6sung den Leser ein wenig ins Schlingern bringt, weil das Sinnhafte jeder Aktion im Nachhinein erl\u00e4utert werden muss. Andererseits jedoch schafft es Thomas, gerade in diesem Sinnhaften die ganze Sinnlosigkeit zu entlarven. Denn um was geht es eigentlich? Letztlich um nichts. Der kalte Krieg generiert seine eigene Dramatik, unn\u00fctz gewordenes Personal wird nach Gebrauch entsorgt, ausgetauscht, zwischen den Fronten verschoben. Es sind Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die Galerie, sie zeitigen keinen Nutzen, eine Besch\u00e4ftigungstherapie f\u00fcr \u201edie Dienste\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>So austauschbar wie die Aktionen ist auch das Personal selbst. Sogar die Protagonisten McCorkle und Padillo besitzen wenig Kontur, ihre M\u00e4nnerfreundschaft bleibt letztlich ein Geheimnis, sie agieren mechanisch in einem Umfeld aus eher blassen Figuren. Das k\u00f6nnte man als eine Schw\u00e4che des Romans bezeichnen, wenn einem nicht nach und nach aufginge, dass genau diese Vagheit zu dem passt, was da erz\u00e4hlt wird. Es wird sich in der weiteren Karriere des Autors Ross Thomas als eine seiner gro\u00dfen St\u00e4rken erweisen, das Uhrwerk der historischen Zeit mit dem der biografischen Zeit seines Personals zu synchronisieren. Der kalte Krieg, diese eigentlich selbstreferenzielle Veranstaltung, spiegelt sich in Kleinen in seinen Akteuren wider, ihren instinktiven Handlungen, ihrem st\u00e4ndigen Lavieren zwischen den Ideologien, die l\u00e4ngst beliebig geworden sind. Diese St\u00e4rke des Autors wird sich mit jedem Buch weiter festigen. \u201eK\u00e4lter als der kalte Krieg\u201c ist der lesenswerte erste Anlauf.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ross Thomas: K\u00e4lter als der kalte Krieg. <br \/>Alexander Verlag 2011 <br \/>(The Cold War Swap. 1966. Deutsch von Wilm W. Elwenspoek, <br \/>durchgesehen und \u00fcberarbeitet von Gisbert Haefs und Anja Franzen. <br \/>Mit einem Vorwort von Dominik Graf). 265 Seiten. 14,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man sch\u00e4tzt Ross Thomas nicht geringer, wenn man das Deb\u00fct von 1966 nicht unter die Top 3 seiner Kriminalromane w\u00e4hlt. 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