{"id":15963,"date":"2005-09-06T07:46:29","date_gmt":"2005-09-06T07:46:29","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/morag-joss-half-broken-things-2\/"},"modified":"2022-06-15T01:02:24","modified_gmt":"2022-06-14T23:02:24","slug":"morag-joss-half-broken-things-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/morag-joss-half-broken-things-2\/","title":{"rendered":"Morag Joss: Half broken things"},"content":{"rendered":"\n<p>Was passiert, wenn Verlierer ein Zipfelchen des Gl\u00fccks erhaschen? Jean, 64 Jahre alt, ist Haussitterin und hat die Aufgabe, f\u00fcr neun Monate in einem herrschaftlichen Haus zu wohnen. Mit der Zeit finden in diesem einsamen und abgeschiedenen Haus drei von der Gesellschaft verlassene und ob der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation verzweifelte Menschen zusammen. Statt nur das Haus zu betreuen, richten sie sich dort ein und schaffen sich ihr eigenes, von der Realit\u00e4t abgekoppeltes Reich. Endlich einmal, so scheint es, haben die drei Gl\u00fcck, endlich einmal k\u00f6nnen sie dem \u201eschlechten Stern\u201c, unter dem ihre Leben stehen, entkommen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Jedoch wir ahnen es, das Gl\u00fcck der Drei ist nur geliehen. Morac Joss\u2019 mit dem Silver Dagger ausgezeichnetes Buch \u201eHalf Broken Things\u201c ist kein Whodunit, sondern Suspense-Literatur. Kulminationspunkt der Geschichte ist der Zeitpunkt der Haus\u00fcbergabe an den Eigent\u00fcmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ja klassische Literatur. Zu beschreiben, wie sich Menschen unter besonderen Umst\u00e4nden und bei einer krisenhaften Situation verhalten und wie sie sich ver\u00e4ndern. Im Falle von \u201eHalf Broken Things\u201c ist das ausgesprochen gut gemacht. Der Text des Titels des englischen Originals ist ein Zitat von Rainer Maria Rilke und deutet wohl an, woran Morag Joss sich orientiert. Und sie ist eine blendende Literatin, welche die Psychologie ihre Figuren sehr gelungen dekonstruiert. Unaufdringlich, sprachlich gekonnt und bisweilen humorvoll f\u00fchrt sie, einmal aus der Sicht der Haussitterin und zum anderen aus der Sicht eines Erz\u00e4hlers, den Leser durch die Geschichte. Das Buch ist ein Fest f\u00fcr Freunde eines sprachlich und stilistisch ausgefeilten und noblen Textes.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur&#8230; es handelt sich ja auch um Suspense-Literatur und in dieser Disziplin wird das Buch die Leserschar spalten. Am Ende, wenn der Leser zur\u00fcckblickt, wirkt das Buch rund. Die Geschichte wird stimmig und logisch abgeschlossen. Auf den Weg dahin versucht Morag Joss die Spannung durch kleine Episoden, wie den \u00fcberraschenden Besuchs der Chefin Jeans aufrecht zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber meiner Meinung nach ist die Gesamtbalance der Geschichte nicht gut gelungen. Die drei Personen selber verm\u00f6gen nur bedingt zu fesseln, solche Lebensl\u00e4ufe, wie die der 22j\u00e4hrigen zweifachen Mutter, die immer an die falschen Typen ger\u00e4t, sind zu h\u00e4ufig schon beschrieben worden. Und eigentlich bleiben sie weiter die Getriebenen, die sie schon immer waren. Die ganze Zeit wartet der Leser auf das gro\u00dfe Ereignis, welches die Erz\u00e4hlung vorantreibt, aber zunehmend wird klar, dass es dieses nicht gibt, dass insgesamt der gro\u00dfe Spannungsbogen fehlt. Man hat sich auf die Geschichte einzulassen und wird dann mit sehr guter Literatur belohnt, aber Spannung taucht erst kurz vor Schluss auf, wenn der Leser den Ausgang zu ahnen beginnt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Morag Joss: Half broken things. <br \/>New English Library 2004. 304 Seiten, 11,95 \u20ac<br \/>(deutsch als: \"Des Hauses H\u00fcterin\", Droemer-Knaur 2005, 7,95 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passiert, wenn Verlierer ein Zipfelchen des Gl\u00fccks erhaschen? Jean, 64 Jahre alt, ist Haussitterin und hat die Aufgabe, f\u00fcr neun Monate in einem herrschaftlichen Haus zu wohnen. Mit der Zeit finden in diesem einsamen und abgeschiedenen Haus drei von der Gesellschaft verlassene und ob der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation verzweifelte Menschen zusammen. 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