{"id":15988,"date":"2005-09-17T07:29:37","date_gmt":"2005-09-17T07:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/oh\/"},"modified":"2022-06-05T23:50:21","modified_gmt":"2022-06-05T21:50:21","slug":"oh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/oh\/","title":{"rendered":"Oh!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/lustig.gif\" alt=\"lustig.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eOh.\u201c Mehr hat sie nicht gesagt, die adrette Frau Andernach-Bietsch\u00fcssel, bei der wir VHS-m\u00e4\u00dfig \u201eMit Blogs in 80 Tagen zum Million\u00e4r\u201c werden wollten, aber, weil das partout nicht zu klappen scheint, resolut unser Geld zur\u00fcckgefordert haben. Kundenbindung! Tz! Reinfall! Schuss in den Ofen! Und die Dame sagt nur: \u201eOh\u201c.<br \/>Aber schlie\u00dflich sammelt sie sich, und wir k\u00f6nnen sie dazu \u00fcberreden, sich unseren wunderbaren Blog anzuschauen. Und schon sagt sie wieder \u201eoh\u201c. Diesmal sind wir beunruhigt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eOh.\u201c Und dann, gemurmelt: \u201eNa, das kann ja nichts werden mit der Leserbindung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie bitte?\u201c, fragen wir scheinheilig, als h\u00e4tten wir nicht verstanden, was da aus dem roten Lippenmund gepresst worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Leserbindung\u201c, wiederholt Frau Andernach-Bietsch\u00fcssel, \u201edas kann nichts werden damit, wenn Sie Ihre Leser gleich wieder wegschicken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTun wir das?\u201c Wir sind etwas konfus und fragen es uns tats\u00e4chlich: Tun wir das? Schicken wir unsere Leser gleich wieder weg, verjagen wir sie wie l\u00e4stige Fliegen oder aufdringliche Bundestagskandidaten in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier\u201c. Frau Andernach-Bietsch\u00fcssel (uns w\u00e4re es auch lieber, sie h\u00e4tte einen k\u00fcrzeren Namen) zeigt auf den rechten Rand des Bildschirms. \u201eEine Linkliste! Alles Konkurrenten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir winken lachend ab. \u201eI wo! Das sind doch nur die Alligatorpapiere, so ne Art Tagesschau in der Krimibranche, der Kommissarblog von der jungen Dame da, die angeblich in Prag einen Winzerkrimi schreibt, desweiteren der Blog von der sehr verehrten Frau Paprotta, die Kaliberseite, wo wir uns von dem Herrn W\u00f6rtche immer unsere Ideen herholen und zwei Krimi-Portale mit den \u00fcblichen Krawall- und Befindlichkeitsforen. Keine Konkurrenz!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Sie-kennen-den-Namen-ja-jetzt guckt wie es das Fr\u00e4ulein Schwarz in der Schule immer getan hat, wenn mal wieder die ungemachten Hausaufgaben f\u00e4llig waren. \u201eUnd was ist mit Krimiblog? Sie haben doch auch einen. Warum verweisen Sie hier auf einen direkten Futterkonkurrenten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Na, jetzt lachen wir aber ab. \u201eHa, ha, ha, das ist doch nur Ludger! Und den Namen m\u00fcssen wir wohl \u00e4ndern, der Ludger hat sich die Domain \u201eSchafsch\u00e4nderblog.de\u201c gesichert. V\u00f6llig unter dem Niveau unserer hochverehrten Leser!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Frau Dingsbums ist nicht \u00fcberzeugt. Sie klickt und scrollt sich durch unseren sch\u00f6nen Blog, ihre Miene verfinstert sich zusehens.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Gott\u201c, stellt sie abschlie\u00dfend fest, \u201eda wimmelt es ja nur so von LINKS! Kleine Pfeilchen, die alle sagen: Geh woanders hin! Weg von hier! Es gibt ein kriminelles Leben au\u00dferhalb des Hinternet-Weblogs! Ich sehe schwarz f\u00fcr Ihre Leserbindung!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und bevor wir noch recht wissen, was wir darauf antworten k\u00f6nnten, hebt sie zu dozieren an. Womit sie ja auch schlie\u00dflich ihr Geld bei der Volkshochschule verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeine Herren! Internet und Marktbeherrschung, das vertr\u00e4gt sich nicht. Wer den Markt beherrschen will, muss sich abschotten. Muss so tun, als sei er der einzige seri\u00f6se Anbieter seiner Art von Leistung. Kleinstaaterei! Separatismus! Biedermeier-Idyll! So funktioniert Wirtschaft, meine Herren! Nun ist auch mir nicht unbekannt, dass das Internet urspr\u00fcnglich anderen Gesetzen zu gehorchen hatte. Man ist vernetzt, man schlie\u00dft sich zu einer Informationsplattform zusammen, zu einem demokratischen, uneigenn\u00fctzigen virtuellen Gesch\u00f6pf mit vielen einzelnen, unabh\u00e4ngigen Gliedern, zusammengehalten vom gro\u00dfen Leib staatsb\u00fcrgerlicher M\u00fcndigkeit und medial-aufkl\u00e4rerischer Souver\u00e4nit\u00e4t. Sie verstehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, ja\u201c, nicken wir schnell ab, verstehen aber nat\u00fcrlich kein Wort. Frau A-B f\u00e4hrt fort: \u201eSch\u00f6n. Sie tr\u00e4umen also vom m\u00fcndigen Leser, der sich deshalb an Ihre Unternehmung gebunden f\u00fchlt, weil Sie es ihm nicht nur erlauben, auch die Konkurrenz zu begutachten, sondern ihn sogar ausdr\u00fccklich dazu auffordern. Welch eine Naivit\u00e4t! Der Leser will Ketten! Er m\u00f6chte die Sicherheit eines kleinen Gartens, der ihn vor dem Dschungel sch\u00fctzt, in den SIE ihn treiben! Vergessen Sie das Internet! Schaffen Sie viele, viele kleine Internets, K\u00e4fige im gro\u00dfen Zoo der Information. Und dann fangen Sie sich Ihre Leser und lassen Sie sie nie mehr aus den Klauen! Der Link ist der Feind des Profits. Merken Sie sich das! Noch Fragen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich nicht. Wir betrachten Frau Andernach-Bietsch\u00fcssels nun endlich wieder geschlossenen Mund, einen Mund, der nicht l\u00fcgen kann. Und wir machen uns an die Arbeit. Programmieren eine klitzekleine Software, die zuk\u00fcnftig, wer unseren phantastischen Blog genie\u00dfen m\u00f6chte, herunterladen und auf seinem Rechner installieren muss. Gegen eine geringe Geb\u00fchr. Und mit der Zusicherung, dass dank dieser Software das browserm\u00e4\u00dfige Ansteuern aller auch nur im Entferntesten krimiaffinen Sites, au\u00dfer der unsrigen einzigartigen, rigoros unterbunden wird. Die Software durchsucht die gew\u00fcnschten Seiten nach verd\u00e4chtigen Schl\u00fcsselw\u00f6rtern (&#8222;Mord&#8220;, &#8222;Krimi&#8220;, &#8222;Menke&#8220; usw.). Findet sie eins davon, bricht der \u00dcbertragungsvorgang sofort ab und eine Wahnmeldung erscheint: &#8222;Sie haben soeben versucht, eine andere Krimiseite als die einzig wahre aufzurufen. Unterlassen Sie das gef\u00e4lligst!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgenommen von dieser kommunikationstechnischen Hygienema\u00dfnahme sind die &#8222;Alligatorpapiere&#8220;, und auch das nur, weil dieses nie genug zu preisende Medium sich verpflichtet hat, 50% seiner EInnahmen an uns abzutreten. Jetzt brauchen wir zwar 90 Tage bis zur ersten Million, aber immerhin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach, Leser! Es kommen herrliche Zeiten auf dich zu! Es wird sein wie damals, als die Postkutsche einmal im Jahr den &#8222;illustrierten Kalender f\u00fcr den frommen Landmann&#8220; brachte, man durch ihn erfuhr, was so alles passierte in Feld, Wald, Flur und sonstigem Leben. Da prasselte abends das Feuer im Kamin und die Welt war in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anmerkung: Diese Schnurre des lustigen Wochenendes fu\u00dft auf einer wahren Begebenheit aus den Tiefen des Netzes.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eOh.\u201c Mehr hat sie nicht gesagt, die adrette Frau Andernach-Bietsch\u00fcssel, bei der wir VHS-m\u00e4\u00dfig \u201eMit Blogs in 80 Tagen zum Million\u00e4r\u201c werden wollten, aber, weil das partout nicht zu klappen scheint, resolut unser Geld zur\u00fcckgefordert haben. Kundenbindung! Tz! Reinfall! Schuss in den Ofen! Und die Dame sagt nur: \u201eOh\u201c.Aber schlie\u00dflich sammelt sie sich, und wir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-15988","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15988"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15988\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}