{"id":16009,"date":"2005-09-30T07:52:29","date_gmt":"2005-09-30T07:52:29","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/krimikultur-die-thesen-2\/"},"modified":"2022-06-07T01:28:42","modified_gmt":"2022-06-06T23:28:42","slug":"krimikultur-die-thesen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/09\/krimikultur-die-thesen-2\/","title":{"rendered":"Krimikultur &#8211; die Thesen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/freitagsessay.gif\" alt=\"freitagsessay.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Gibt es eine Krimikultur in Deutschland? Aber immer! Wir haben Autoren, Verlage, Kritiker und, nicht zu vergessen, Leser. \u00dcber Krimis wird geschrieben, gesprochen: in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen, im Internet mit seinen Portalen, Blogs und Foren. Eitel Sonnenschein \u00fcber Deutsch-Krimiland, Freitagsessay fertig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch wie dem aufmerksamen Leser schwant, er\u00fcbrigt sich die Frage nach einer deutschen Krimikultur keineswegs. Was oben aufgez\u00e4hlt wurde: gut und sch\u00f6n. Aber es ist keine Kultur. Es sind die Voraussetzungen, deren Kultur bedarf. Und was ist nun diese Kultur?<\/p>\n\n\n\n<p>Sagen wir es in freier Rede: Kultur hei\u00dft, sich mit einem Gegenstand zu besch\u00e4ftigen, ihn zu pflegen, \u00fcber ihn nachzudenken, ihn weiterzuentwickeln, ihn zu kritisieren und zu f\u00f6rdern, ihn zu beschreiben und zu verbreiten. Ein verzwicktes Thema, und wir werden ihm in einer Sitzung nicht beikommen. Spazieren wir heute also nur kurz durch deutsche Krimikultur, wie sie \u2013 in einem vision\u00e4ren Idealzustand \u2013 erbl\u00fcht sein k\u00f6nnte:<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Krimikultur hat man sich die Wurzeln, aus denen Krimi gewachsen ist, genau, objektiv und abseits \u00fcberkommenen Schemadenkens betrachtet. Dies zu unternehmen, w\u00e4re Aufgabe der Literaturwissenschaft; doch bereits ein kursorischer Streifblick \u00fcber dieses Terrain l\u00e4sst Schlimmes erahnen. Schon bei der Erfassung der Objekte wurde derma\u00dfen geschludert, dass ein einziger forschender Blick Sch\u00e4tze zu Tage f\u00f6rdert, von denen \u201edie Facharbeiter\u201c keine Ahnung haben. (Das ist nat\u00fcrlich jetzt Schleichwerbung. Siehe \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/09\/einladung-zur-subskription.php\"> hier <\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine, nicht nur wissenschaftliche, Besch\u00e4ftigung mit Krimis w\u00e4re in unserer Kulturvision nicht &#8222;elit\u00e4r&#8220; im Sinne eines verkopft-akademisierten, sprich: bildungsb\u00fcrgerlichen Verst\u00e4ndnisses. Sie beflei\u00dfigte sich einer offenen Toleranz, was die Auspr\u00e4gungen ihres Gegenstandes angeht, und kritisch hinsichtlich der Qualit\u00e4t der in diesen Auspr\u00e4gungen entstandenen Produkte. Beispiel: Die sogenannten \u201eSchundromane\u201c sind selbstverst\u00e4ndlicher Teil der Krimikultur und werden mit der gleichen Sorgfalt behandelt wie die uns\u00e4glicherweise so genannten \u201eliterarischen Krimis\u201c. Kein Mensch verlangt, dass ich jeden Heftchenroman in den Kanon \u201esch\u00fctzenswerter Krimis\u201c aufnehme; zum Ph\u00e4nomen Krimi geh\u00f6rt er sehr wohl, und zwar mehr, als sich manchereiner vorstellen mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Krimikultur ist das Werk einer Gemeinschaft, eines Netzwerkes, denn Kultur ist nicht zuletzt Kommunikation. Hier sind wir, das Internet sei Dank, auf einem guten Weg. Doch das Medium ist fl\u00fcchtig, die Kulturlandschaft disparat, Kleinstaaterei gewisserma\u00dfen, aber nichts, was man nicht \u00e4ndern k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Krimikultur grenzt sich nicht ab zu anderen Kulturen. Ihr Versuch, Form anzunehmen, bedeutet nicht, sich aus der Gesamtkultur herauszuheben. Sie bleibt ein Teil dieses Ganzen, das \u2013 sehr vision\u00e4r \u2013 wie ein System kommunizierender R\u00f6hren agiert. Sagen wir es sehr konkret: Krimis sind ein Teil der Literatur, die Literatur ist ein Teil des Lebens, des Individuums, der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Schluss: Krimikultur ist keine Eigenschaft, sondern eine Methode. Das muss man erkl\u00e4ren. Die Begriffe selbst stammen aus der objektorientierten Programmierung, sind aber leicht zu \u00fcbertragen. Einem Werk der Kriminalliteratur wird nicht der Stempel \u201ekulturell\u201c als eine zus\u00e4tzliche Eigenschaft angeh\u00e4ngt, sondern &#8222;Kultur&#8220; umschreibt die Art des Umgangs mit einem der betreffenden Gegenst\u00e4nde. Das ist deshalb wichtig, weil es Kulturen so an sich haben, irgendwann statisch zu werden, vor lauter Regeln und Gesetzen, Konventionen und sonstigen Gewohnheiten unbeweglich, leblos.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit die Vision, die, bei Ihresgleichen \u00fcblich, nicht ohne Schrammen in die Wirklichkeit f\u00e4llt und wohl mehr Fragen offenl\u00e4sst als beantwortet. Was soll eigentlich \u201eKrimikultur\u201c? Wem n\u00fctzt sie, wer braucht sie, was bewirkt sie, was ist mit den Verlagen, den Autoren, den Lesern? In den n\u00e4chsten Folgen des Freitagsessays wollen wir die f\u00fcnf vorgenannten Kriterien etwas genauer betrachten. Begonnen sei dann mit der &#8222;Forschung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es eine Krimikultur in Deutschland? Aber immer! Wir haben Autoren, Verlage, Kritiker und, nicht zu vergessen, Leser. \u00dcber Krimis wird geschrieben, gesprochen: in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen, im Internet mit seinen Portalen, Blogs und Foren. 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