{"id":16043,"date":"2005-10-11T08:28:28","date_gmt":"2005-10-11T08:28:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/materialien-gegen-die-sauberkeit-des-rezensenten-1-2\/"},"modified":"2022-06-12T23:57:52","modified_gmt":"2022-06-12T21:57:52","slug":"materialien-gegen-die-sauberkeit-des-rezensenten-1-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/materialien-gegen-die-sauberkeit-des-rezensenten-1-2\/","title":{"rendered":"Materialien gegen die Sauberkeit des Rezensenten -1-"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(In loser Folge, aus aktuellem Anlass: Einblicke in den Alltag, fernab von theoretischer Moraldiskussion. So isses halt und nicht anders.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich gr\u00fcnde demn\u00e4chst ein Kleinverlag in Saarbr\u00fccken. Nur Krimis. Nat\u00fcrlich bin ich finanziell klamm und starte mit einem einzigen Titel, aus taktischen Gr\u00fcnden wird es ein Saarland-Krimi sein. Kohle f\u00fcr PR hab ich nicht. Ich schicke eine Palette Rezensionsexemplare hinaus in die gro\u00dfe weite Welt von Spiegel, Zeit, taz und Stern, aber eigentlich wei\u00df ich: verschwendete M\u00fche, verschwendetes Geld.<br \/>Aber: Saarbr\u00fccken. Saarland-Krimi. Das Saarland ist klein und f\u00fcr meinen Krimi gibt es nur wenige potentielle \u201eMeinungsmultiplikatoren\u201c. Da h\u00e4tten wir zun\u00e4chst den Saarl\u00e4ndischen Rundfunk. Das ist gut. Da kenn ich viele Leute. Die machen was. Und wir haben die \u201eSaarbr\u00fccker Zeitung\u201c. Auch gut. Ist zwar schon ne Weile her, dass ich f\u00fcr die geschrieben habe, aber ein Freund von mir kennt jemanden, der dort ab und zu als freier Autor f\u00fcrs Feuilleton arbeitet. Dann gibt es noch ein paar Stadtmagazine, einen privaten Rundfunksender&#8230; na ja, insgesamt wird es mich nicht auf die Bestsellerlisten katapultieren, aber vielleicht h\u00e4lt es die Miesen, die ich mit meinem erstverlegten B\u00fcchlein mache, in Grenzen und ich k\u00f6nnte, who knows, im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr daran denken, ein zweites Buch zu verlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>So. Nat\u00fcrlich werde ich demn\u00e4chst keinen Kleinverlag in Saarbr\u00fccken gr\u00fcnden. Aber wenn ich es t\u00e4te, w\u00e4re Obenstehendes haarklein mein \u201eMarketingkonzept\u201c. Blanke Vetternwirtschaft, aber es w\u00fcrde aufgehen. Selbst wenn ich keinen Menschen in diesen \u201eMassenmedien\u201c kennen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich darauf rechnen, dass man mir \u2013 saarl\u00e4ndischer Verlag, saarl\u00e4ndischer Krimi \u2013 wenigstens so gewogen w\u00e4re, mich wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen. Gef\u00e4lligkeitsrezensionen nennt man so etwas, auch nicht viel besser als Vetternwirtschaft, aber ich als Kleinverleger w\u00e4re darauf angewiesen. Irgend so ein Hansel, keine Ahnung von Krimis, w\u00fcrde sich das B\u00fcchlein durchlesen und etwas Nettes, Kenntnisloses dar\u00fcber schreiben. So funktionierts. Ohne \u201eRezensentenethos\u201c, klar. Aber mir w\u00fcrde es helfen, mein Miniunternehmen am Laufen zu halten. N\u00e4chstes Buch. Vielleicht besser. Vielleicht auch nicht. Vielleicht g\u00e4be sich tats\u00e4chlich ein \u00fcberregionales Medium die Ehre, einen Blick rein zu werfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dann kommt der Herr Rothschild mit seinem Kodex. M\u00fcssen jetzt alle beim SR und bei der SZ unterschreiben, dass sie weder aus Bekanntschafts- noch sonstigen Gef\u00e4lligkeitsgr\u00fcnden B\u00fccher positiv rezensieren. Okay, damit w\u00e4re der Sack zu, mein Verlag, gerade erst gegr\u00fcndet, im Arsch. Ich h\u00e4tte aber ein positives Gef\u00fchl, weil keine Leser m\u00f6glicherweise d\u00fcpiert worden w\u00e4ren. Leider h\u00e4tte ich auch keine M\u00f6glichkeit mehr, Leser mit meinem zweiten, dritten oder achten Buch zu erfreuen. Ich w\u00fcrde auch nie und nimmer Nachwuchsautoren eine Chance geben k\u00f6nnen, deren \u201eunverlangt eingesandten Manuskripte\u201c man anderswo gleich aussortiert. Die Moral stimmt, das z\u00e4hlt. Der Leser ist unm\u00fcndig und muss gesch\u00fctzt werden, dass man soeben die versammelte Journaille anl\u00e4sslich der Bundestagswahlen mit millionenschwerer &#8222;Presse-Lobbyarbeit&#8220; \u00fcbern Tisch gezogen hat, ist l\u00e4ngst vergessen. Hauptsache, man hat mir das Handwerk gelegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(In loser Folge, aus aktuellem Anlass: Einblicke in den Alltag, fernab von theoretischer Moraldiskussion. 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