{"id":16078,"date":"2005-10-20T07:25:29","date_gmt":"2005-10-20T07:25:29","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/kinky-friedman-greenwich-killing-time\/"},"modified":"2022-06-12T23:37:56","modified_gmt":"2022-06-12T21:37:56","slug":"kinky-friedman-greenwich-killing-time","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/kinky-friedman-greenwich-killing-time\/","title":{"rendered":"Kinky Friedman: Greenwich Killing Time"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eIn dieser Nacht regnete es wie eine Hure mit \u00dcberziehungskredit.\u201c<\/em> \u2013 Eigentlich habe ich alles verstanden in Kinky Friedmans Erstling \u201eGreenwich Killing Time\u201c, die Bedeutung dieses Vergleichs ausgenommen. Macht nichts. Ein Krimi, der von den Assoziationen seines Protagonisten lebt, ist immer noch besser als einer, der von seinen vorgestanzen Bauteilen erschlagen wird.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer einen Song mit dem Titel <em>\u201eThey Ain\u2019t Makin\u2019 Jews Like Jesus Any More\u201c <\/em>schreibt, kann kein ganz schlechter Mensch und eigentlich auch kein ganz schlechter Krimiautor sein. Friedman, Countrys\u00e4nger mit dem Hang zum Schr\u00e4gen, bleibt sich auch als Schriftsteller treu. \u201eGreenwich Village Time\u201c ist anders als die andern \u2013 oder etwa nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen wir einmal die Pers\u00f6nlichkeit des Detektivs au\u00dfen vor und schauen, was die Handlung zu bieten hat. Ein Journalist namens McGovern wird verd\u00e4chtigt, einen Wohnungsnachbarn get\u00f6tet zu haben und bittet unseren Helden, den Fall zu kl\u00e4ren, denn nat\u00fcrlich ist McGovern unschuldig. Der Detektiv \u2013 eigentlich ist er Countrys\u00e4nger, eigentlich arbeitet er gerade an einem Theaterst\u00fcck mit Musik und eigentlich ist er Friedman pers\u00f6nlich \u2013 ermittelt. Sehr konventionell. Er verh\u00f6rt, kombiniert, bricht ein paar Gesetze, deren H\u00fcter den Amateur nicht leiden m\u00f6gen. Es geschehen weitere Morde, auch der Detektiv ger\u00e4t ins Visier des Killers. Das \u00dcbliche halt, und schlie\u00dflich wird kombiniert wie nur je in einem Detektivengehirn, um den Fall zu l\u00f6sen. Davon, dass Friedman \u201eGenreregeln\u201c br\u00e4che, kann keine Rede sein. Die Story entwickelt sich als Whodunit und wird folgerichtig mit der Entlarvung der f\u00fcr all die Untaten verantwortlichen Person abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber da w\u00e4re eben doch noch die Pers\u00f6nlichkeit des Detektivs, der ja seinem Autor aus dem Gesicht und der Weltanschauung geschnitten ist, und letztere erweist sich als eine Mischung aus Lakonie, Ironie und Flapsigkeit. <em>\u201eNew Jersey war meine zweitliebste Gegend.\u201c<\/em>, bekennt der Held, und f\u00fcgt sogleich hinzu: <em>\u201eDie liebste war \u00fcberall sonst.\u201c<\/em> So geht es quer durch den Roman, ein Sammelsurium von gro\u00dfst\u00e4dtischen Schnappsch\u00fcssen und New Yorker Personal, das Boris, Ratso oder Rambam hei\u00dft, auf irgendwelche Eigenarten und F\u00e4higkeiten reduziert wird (Nahkampf-As, Einbrecher-As, what ever), ansonsten aber neben dem allm\u00e4chtigen Ego des Ich-Erz\u00e4hlers keinerlei Pers\u00f6nlichkeit ausbilden darf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIn den Tripple-Burger der Psyche\u201c<\/em> hinabsteigen, <em>\u201ebis du das Land Oz erreichst, das Unbewu\u00dfte\u201c<\/em> \u2013 das ist nicht bei Friedman. Die Handlung geht in die Breite, was nichts hei\u00dfen mag. Man gew\u00f6hnt sich an die Erz\u00e4hlweise \u2013 und man liest das Ganze durchaus vergn\u00fcgt \u2013 oder eben nicht. Dann wird ein Vergleich wie <em>&#8222;Die n\u00e4chsten zwei Tage schleppten sich hin wie ein Tausendf\u00fc\u00dfler mit einem b\u00f6sen Hexenschuss&#8220; <\/em> zum Sinnbild der Lekt\u00fcre, die von einemTausenddenker mit Schlagseite zur letzten Seite hin formuliert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe einige Kapitel gebraucht, um mich einzulesen, was ich an meiner allm\u00e4hlich sich erh\u00f6henden Lesegeschwindigkeit gemerkt habe. Kein schlechtes Zeichen. Und auch auf das Konventionelle reduziert, kann \u201eGreenwich Killing Time\u201c als unterhaltsamer Krimi bestehen. Ob bei meinem n\u00e4chsten Friedman-Abenteuer das Ganze in Genervtheit umschl\u00e4gt? Nicht auszuschlie\u00dfen. Mal sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Kinky Friedman: Greenwich Killing Time. <br \/>Rotbuch 2005, 228 Seiten, 9,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIn dieser Nacht regnete es wie eine Hure mit \u00dcberziehungskredit.\u201c \u2013 Eigentlich habe ich alles verstanden in Kinky Friedmans Erstling \u201eGreenwich Killing Time\u201c, die Bedeutung dieses Vergleichs ausgenommen. Macht nichts. 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