{"id":16081,"date":"2005-10-21T07:47:51","date_gmt":"2005-10-21T07:47:51","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/krimikultur-die-kommunikation-2\/"},"modified":"2022-06-05T22:55:56","modified_gmt":"2022-06-05T20:55:56","slug":"krimikultur-die-kommunikation-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/krimikultur-die-kommunikation-2\/","title":{"rendered":"Krimikultur &#8211; die Kommunikation"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/freitagsessay.gif\" alt=\"freitagsessay.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Gem\u00fctlich im Sessel, im Bett: einen Krimi nach dem anderen dem stampfenden H\u00e4cksler der Augen vorwerfen: ein kulturelles Idyll. Oh, ich mag dieses private Kultivieren eines Interesses. Mache es ja genauso. Manchmal ist mir allerdings auch nach Austausch zu Mute, interessieren mich die Meinungen anderer, ihre Erkenntnisse, sogar ihre Irrwege. Als Krimifreund habe ich es da nicht leicht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Um das zu umrei\u00dfen, was man eine gemeinsame, also kommunikative Krimikultur nennen k\u00f6nnte, m\u00fcssen wir einen Schritt weit ins Nachbarfeld treten, wo die \u201eallgemeine Literatur\u201c erbl\u00fcht. 190 Mitglieder etwa sind in der \u2192<a href=\"http:\/\/www.alg.de\/index2.shtml\">\u201eArbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkst\u00e4tten\u201c<\/a> organisiert und widmen sich Leben, Werk und Wirken mal bekannter, mal unbekannter Autoren und Autorinnen. Die meisten dieser Vereinigungen z\u00e4hlen wenige hundert Mitglieder, einige d\u00fcmpeln gar im zweistelligen Bereich, andere, wie etwa die Karl-May-Gesellschaft, erfreuen sich gr\u00f6\u00dferen Zulaufs. Geld ist allerorten knapp und stammt zumeist aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, staatlichen Zusch\u00fcssen und den Erl\u00f6sen aus Publikationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir, weil es naheliegt, die \u2192<a href=\"http:\/\/www.gasl.org\/\">Gesellschaft der Arno Schmidt Leser (GASL)<\/a>, die sich seit 1986 mit allem besch\u00e4ftigt, was auch nur im Entferntesten mit unserem Helden aus der S\u00fcdheide zu tun hat. Die Mitgliederzahl hat sich jenseits der 200 eingependelt, davon sind etliche aktiv in Organisation und Forschung, andere treten gelegentlich hervor, viele sind einfach nur interessierte Mitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was leistet diese GASL? Sie veranstaltet j\u00e4hrliche Tagungen, gibt Jahrb\u00fccher heraus sowie eine Buchreihe und eine eigene, viermal j\u00e4hrlich erscheinende Zeitschrift. In einer so lobenswerten wie gigantischen Aktion werden zudem Werke aus Arno Schmidts Bibliothek als PDF-Dateien zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beispiel wurde nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt, da es sehr pr\u00e4zise und erschreckend aufzeigt, woran es der \u201eKrimiszene\u201c mangelt: an Kommunikaton und gemeinsamem Engagement. Etwa 200 Mitglieder \u2013 das ist auch eine realistische Zahl, wenn man alle versch\u00e4rft an Kriminalliteratur, ihrer Geschichte, ihrer Theorie Interessierten im deutschsprachigen Raum addiert. Vielleicht sind es mehr, sicher nicht viel weniger, man wei\u00df es halt nicht so genau, alles ist Sch\u00e4tzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Traurige Wahrheit indes: Wer sich hierzulande um den Krimi bem\u00fcht, bleibt mehr oder weniger Einzelk\u00e4mpfer. Nat\u00fcrlich gibt es inzwischen diverse Plattformen im Netz, die dem Informations- und Diskussionsbed\u00fcrfnis dienen. Und die Etablierung der &#8222;Krimibestenliste&#8220; wirft das kommunikative und sehr zu lobende Highlight des Krimijahres, allen St\u00e4nkerern und Verschw\u00f6rungstheoretikern zum Trotz. Wie aber steht es um die Besch\u00e4ftigung mit der Geschichte? Ein dringendes Anliegen, f\u00fcrwahr. Dass Mirko Sch\u00e4del, seit Jahr und Tag mit seiner \u2192<a href=\"http:\/\/www.achilla-presse.de\">\u201eAchilla Presse\u201c<\/a> im Dienste des Krimis, demn\u00e4chst eine <em>\u201eIllustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur von 1796 bis 1945 im deutschen Sprachraum\u201c<\/em> herausgeben wird, w\u00e4re andernorts eine vieldiskutierte Neuigkeit, ein sehnlichst erwartetes Ereignis. Innerhalb unserer \u201eKrimikultur\u201c ist es (noch) ein Nichtereignis, und es bleibt zu hoffen, dass man den Herausgeber mit seiner arbeits- und kostenintensiven Arbeit nicht im Regen stehen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chstes Beispiel: Wo gibt es die M\u00f6glichkeit, etwa in Form eines Jahrbuchs die Entwicklung zu fixieren, zu beschreiben, zu analysieren? Selbstverst\u00e4ndlich kann man sich alles auch \u201eergoogeln\u201c. Doch wer tut es? Wo bleibt all das, was nicht hier und da, immer sehr vereinzelt, manchmal auch sehr entlegen, publiziert wurde, weil es schlichtweg an M\u00f6glichkeiten fehlte?<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig ist alles eine Frage der Initialz\u00fcndung. Wer das Fehlen eines Jahrbuches beklagt, sollte eins herausgeben. Wird geschehen. Wer das Fehlen einer (nicht auf die Produktion von Dissertationen zielenden) Besch\u00e4ftigung mit der Geschichte beklagt, sollte selbst damit beginnen. Wird geschehen. Doch die sch\u00f6nste Initialz\u00fcndung bleibt folgenlos, wenn das, was da gez\u00fcndet werden soll, nicht mitspielt. Oder, genauer, wenn dem, was da anzusto\u00dfen ist, schlichtweg die Mitfahrer fehlen. Wer alles mitfahren k\u00f6nnte, auch daf\u00fcr liefert uns die GASL einen Anhaltspunkt: Hier kommunizieren Wissenschaftler und Sammler, Publizisten und Leser, Germanisten und Biologen, Bibliothekare und Rechtsanw\u00e4lte &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich, nat\u00fcrlich: Ich h\u00f6re schon die Einw\u00e4nde. Soll etwa ein Verein gegr\u00fcndet werden? Geht es um Gr\u00fcppchenbildung, Interessentrusts, Gef\u00e4lligkeitskl\u00fcngeleien? Nichts weniger. Es geht um Austausch, um Kommunikation, um das B\u00fcndeln der Kr\u00e4fte, um das Erreichen eines Ziels durch gemeinschaftliches Engagement. Die allgegenw\u00e4rtigen Gefahren einer Verfilzung, eines Verfolgens egoistisch-materieller Interessen soll hier nicht kleingeredet werden; man widme sich ihnen aber doch bitte erst dann, wenn es etwas gibt, das sich verfilzen, das missbraucht werden k\u00f6nnte. Als Vorwand, Kommunikation zu verhindern, taugt das alles nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erfreuliche: Die Kommunikationsleitungen sind gelegt. Es gibt engagierte Einzelk\u00e4mpfer, es gibt Blogs, Internetportale, ja, sogar ein \u2192<a href=\"http:\/\/www.nordpark-verlag.de\/krimikritik1.html\">Verlag f\u00fcr Sekund\u00e4rliteratur<\/a> zum Krimi h\u00e4t sich tapfer \u00fcber Wasser. Jetzt m\u00fcssen blo\u00df noch ein paar Telefone angeschlossen werden und los gehts. Sage ich jetzt mal. Hoffnungslos optimistisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Oh doch. Ich k\u00f6nnte mir schon vorstellen, dass hier die wohl vorhandenen Einzelteile eines Engagements auf den verschiedensten Gebieten zusammengebracht werden k\u00f6nnten. Kultur hat man nicht. Man ist Kultur. Und wer sie entwickelt, entwickelt daher sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gem\u00fctlich im Sessel, im Bett: einen Krimi nach dem anderen dem stampfenden H\u00e4cksler der Augen vorwerfen: ein kulturelles Idyll. Oh, ich mag dieses private Kultivieren eines Interesses. Mache es ja genauso. Manchmal ist mir allerdings auch nach Austausch zu Mute, interessieren mich die Meinungen anderer, ihre Erkenntnisse, sogar ihre Irrwege. 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