{"id":16087,"date":"2005-10-24T07:54:08","date_gmt":"2005-10-24T07:54:08","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/schule-der-rezensenten-10\/"},"modified":"2022-06-05T23:56:12","modified_gmt":"2022-06-05T21:56:12","slug":"schule-der-rezensenten-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/10\/schule-der-rezensenten-10\/","title":{"rendered":"Schule der  Rezensenten -10-"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/rezensent1.GIF\" alt=\"rezensent1.GIF\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Leser l\u00e4ngerer Krimirezensionen. Nicht ausgestorben wie der Tasmanische Tiger, aber vielleicht so selten wie der Sibirische. Behutsame Nachzucht dieser aussterbenden Spezies ist also geboten.<br \/>Das Internet, denkt man, k\u00f6nnte ein solcher idealer Ort zu Hege und Pflege sein, zumal er, wenigstens in den Sph\u00e4ren, in denen wir uns bewegen, \u201econtentm\u00e4\u00dfig\u201c kosten- und geb\u00fchrenfrei ist, wo man nicht zur Auflage hinschielt wie nach einer sch\u00f6nen Frau, wenn die eigene neben einem steht. Bliebe die Frage: W\u00fcnscht der Leser \u00fcberhaupt l\u00e4ngere Rezensionen?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und, was w\u00e4re eine solche? Die Buchkritiken in diesem Blog sind meist nicht l\u00e4nger als eine Din A 4 \u2013 Seite und liegen, verglichen mit anderen, damit durchaus innerhalb der \u201eNorm\u201c. Sie werden, soweit ich das absch\u00e4tzen kann, von Menschen gelesen, deren Fassungsverm\u00f6gen \u00fcber sieben Zeilen hinausgeht, was wiederum nicht normal ist. Man liest, sich zu informieren und das Pro oder Contra wenigstens im Ansatz abgew\u00e4gt zu sehen. Dazu reicht eine Seite in der Regel aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man vergegenw\u00e4rtige sich, dass da 3, 4, 500 Seiten Text analytisch auf eine gedampft werden m\u00fcssen, was unweigerlich zum Gebrauch von Stereotypen und sonstigen Versatzst\u00fccken von Seiten des Kritikers f\u00fchren muss. Am Ende der Lekt\u00fcre nenne ich einen Roman &#8222;sprachlich gelungen&#8220; und w\u00fcsste das auch mit reichlich Beispielen zu begr\u00fcnden &#8211; nur, wer m\u00f6chte das in aller Ausf\u00fchrlichkeit lesen? Zwischen dem Kritiker und seinem Leser muss sich also eine Art stillschweigende \u00dcbereinstimmung entwickeln. Erfahrungswerte sagen dem Leser, dass er meinem &#8222;sprachlich gelungen&#8220; trauen darf, weil er ihm bisher immer oder doch meistens trauen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Indes: Die Diskussion um &#8222;Gef\u00e4lligkeitsrezensionen&#8220; hat angedeutet, dass die erzwungene Verwendung von Signalw\u00f6rtern und -formulierungen auch niedere Motive des Rezensenten kaschieren kann. Wenn ich einen sprachlich verhunzten Roman &#8222;sprachlich gelungen&#8220; nenne, ohne dies zu begr\u00fcnden, vermag ich mich am Ende, wenn man mir das Gef\u00e4lligkeitsmoment der Rezension nachzuweisen trachtet, immer noch herauszureden. Doch, doch, glaubt es nur: Ich beweise euch auch, dass d\u00fcrftigster Stil sprachlich gelungen ist. Aber ich lege dadurch meine Karten offen auf den Tisch &#8211; und wer genau hinsieht, bemerkt, dass sie gezinkt sind. SO betrachtet, br\u00e4uchte man also immer die Langrezension, um m\u00f6gliche Manipulationen wenigstens als solche kenntlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Rezensionen sind eben &#8222;nur&#8220; die Zusammenfassung und Ausformulierung eines Leseeindrucks, sozusagen das zielgruppengerechte Metzgern, Formen und Eindosen eines zuvor recht lebendigen Wesens. Braucht man mehr? Eigentlich nicht, eigentlich schon. Jedenfalls m\u00fcsste man wirklich einmal ausprobieren, wie dieser Lekt\u00fcreprozess, die quasi noch wiederk\u00e4uende Kuh, auf den Leser von Rezensionen wirken w\u00fcrde, verglichen mit dem St\u00fcckchen Salami, das er sonst immer bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich sehe gerade: Es sollte um l\u00e4ngere <em>Rezensionen<\/em> gehen, und das, was da auf euch zuk\u00e4me, w\u00e4re gar keine Rezension. Oder doch? Wir m\u00fcssten das mal ausprobieren, und was wohl w\u00fcrde sich daf\u00fcr besser eigenen als Detlef Opitz&#8216; &#8222;Der B\u00fccherm\u00f6rder&#8220;, ein von mir \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/09\/flachsinn-tiefsinn.php\">an anderer Stelle<\/a> nach angefangener Lekt\u00fcre ziemlich schn\u00f6de verbal in die Ecke gestelltes Buch. Das noch einmal zu lesen ich ja versprochen habe und was ich verspreche, das halte ich manchmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Ab n\u00e4chste Woche gibt es hier &#8211; keine Rezension von Opitzens Buch (die folgt dann ganz am Ende), sondern der ungeschnittene Leseeindruck des am Vortag absolvierten Pensums. Und dann sehen wir weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Leser l\u00e4ngerer Krimirezensionen. Nicht ausgestorben wie der Tasmanische Tiger, aber vielleicht so selten wie der Sibirische. 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