{"id":16113,"date":"2005-11-02T07:54:44","date_gmt":"2005-11-02T07:54:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/das-andere-medium\/"},"modified":"2022-06-15T02:51:48","modified_gmt":"2022-06-15T00:51:48","slug":"das-andere-medium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/das-andere-medium\/","title":{"rendered":"Das andere Medium"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/denkstapel.gif\" alt=\"Denken und stapeln\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>(Auf dem Denkstapel landet alles, was ich so aufschnappe und kurz andenke, was weiterzudenken sich vielleicht lohnt, vielleicht auch nicht. Heute: ein paar Gedanken zu Krimis und ihren Verfilmungen und warum das eine nicht das andere ist, aber f\u00fcr die Unsterblichkeit doch eins wie das andere.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, wen er f\u00fcr \u00fcbersch\u00e4tzt halte, \u2192<a href=\"http:\/\/www.alligatorpapiere.de\/befragung-teigeler-piet.html\">antwortete<\/a> der belgische Krimiautor Piet Teigeler:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eRaymond Chandler. Most of his immortality comes from Bogart &amp; Bacall who gave his stories another dimension on screen.\u201d<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In dieser Aussage steckt zweierlei. Zum einen, dass Teigeler den Buchautor Chandler nicht sonderlich mag. Zum anderen, dass er zu unterscheiden wei\u00df zwischen einem Text und seiner filmischen Adaption. Aber diese \u201eandere Dimension\u201c des Mediums Film l\u00e4sst sich nicht nur an Namen und Gesichtern und Gesten festmachen. Buch und Film sind zwei grundverschiedene Medien, und die grunds\u00e4tzlichste dieser Verschiedenheiten besteht wohl darin, dass uns TV und Film die Bilder diensteifrig in die Augen flimmern, das Buch jedoch das Gehirn braucht, den Kessel f\u00fcr Gedanken und Phantasie, um zu bebildern, was wir da lesen. Lesen ist also Sehen mit Selbstbeteiligung. Wir tragen einen betr\u00e4chtlichen Teil des Aufwands, der entsteht, wenn wir W\u00f6rter in Bilder verwandeln, streichen aber auch eine L\u00f6wenanteil des Ertrages ein, denn dieser Film, der da in uns abl\u00e4uft, ist UNSER Film. Es gibt keine Mitzuschauer. Director\u2019s Cut.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch vieles von dem, was wir da so lesen, verweigert sich seiner Visualisierung. Ja, wahrscheinlich das Entscheidende, das Charakteristische. Nehmen wir Chandler. So kongenial Bogart auch immer jenen Philip Marlowe gespielt haben mag, seine Seele, wie sie Chandler in Worte gefasst hat, konnte er uns nicht \u00f6ffnen. Bogart spielte den zarten Zyniker, den Mann mit dem weichen Keks unter der harten Schale. Chandler meinte mit seinem Marlowe etwas anderes, er war ein Person gewordener Reflex auf die Gesellschaft, sein Zynismus war entt\u00e4uschte Liebe, resignatives Mitleiden, Z\u00e4rtlichkeit, die zu Brutalit\u00e4t geronnen war. Kein Stoff f\u00fcr Bilder, kein Stoff f\u00fcr Filme, nicht einmal f\u00fcr die in uns selbst. Immaterielles.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Chandler tats\u00e4chlich einen Teil seiner Unsterblichkeit der Schauspiel- und Regiekunst derjenigen verdankt, die seine Stoffe adaptierten, bleibt unbestritten. Dass er auch ohne die Flimmerversionen seiner B\u00fccher wenigstens unsterblicher w\u00e4re als die meisten seiner Kollegen, aber auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne nur einen einzigen Krimi, der wirklich so verfilmt wurde, wie er geschrieben ist, ohne von seinen Qualit\u00e4ten zu verlieren: Hammetts &#8222;Thin Man\u201c. Wenn ich das Buch lese, sehe ich den Film, wenn ich den Film lese, sehe ich das Buch. Das macht Spa\u00df. Ist aber der Ausnahmefall.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Auf dem Denkstapel landet alles, was ich so aufschnappe und kurz andenke, was weiterzudenken sich vielleicht lohnt, vielleicht auch nicht. Heute: ein paar Gedanken zu Krimis und ihren Verfilmungen und warum das eine nicht das andere ist, aber f\u00fcr die Unsterblichkeit doch eins wie das andere.) 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