{"id":16142,"date":"2005-11-08T07:46:53","date_gmt":"2005-11-08T07:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/cara-black-murder-in-the-sentier\/"},"modified":"2022-06-15T00:45:44","modified_gmt":"2022-06-14T22:45:44","slug":"cara-black-murder-in-the-sentier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/cara-black-murder-in-the-sentier\/","title":{"rendered":"Cara Black: Murder in the Sentier"},"content":{"rendered":"\n<p>Welches Interesse k\u00f6nnten deutsche Terroristen der 70er Jahre und deren franz\u00f6sische Kollaborateure haben, nach \u00fcber 20 Jahren Gef\u00e4ngnis die Spuren von einst wieder aufzunehmen und \u201ehide and seek\u201c (Versteck) in Paris zu spielen ? Cara Blacks f\u00fcr den Anthony Award nominiertes Buch \u201eMurder in the Sentier\u201c gibt zwar nicht unbedingt die wahrscheinlichste Antwort auf diese Frage, aber es greift das Terrorismus-Motiv auf und nutzt es, um einen atmosph\u00e4rischen und recht dicht gewobenen Krimi zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aim\u00e9e Leduc, Tochter eines Franzosen und einer Amerikanerin, ist in Frankreich geboren und aufgewachsen. Sie lebt in Paris. Seit Jahren ist Aimee auf der Suche nach ihrer Mutter, die pl\u00f6tzlich, als Aimee noch ein kleines Kind war, die Familie verlassen hatte. Danach hatte die Familie nie wieder etwas von ihr geh\u00f6rt. Leducs Vater war Polizist und ist sp\u00e4ter bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen. Aimee selber hat ein Detektivb\u00fcro, welches sich haupts\u00e4chlich mit Datensicherheit und dem Schutz von Computernetzwerken besch\u00e4ftigt. Unerwartet meldet sich eine Frau. Sie habe eine Zeit zusammen mit ihrer Mutter im Gef\u00e4ngnis verbracht und besitze hilfreiche Informationen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Tote Informanten, hektisch verscharrte Selbstm\u00f6rder, ein Einbruch in ihrer Wohnung. F\u00fcr Leduc geht es pl\u00f6tzlich um viel mehr als um die Suche nach der Mutter; es geht um ihr Leben. Im Milieu des 2. Pariser Arrondissement und bei der Polizei trifft sie auf eine Mauer des Schweigens: Niemand gibt ihr Auskunft, Menschen tauchen unter und wiederholt erh\u00e4lt sie den Rat ihre Suche einzustellen. Daf\u00fcr tauchen Menschen auf, die eine auffallende N\u00e4he zur fr\u00fcheren deutschen Haader-Rofmein Bande (sic !) und ihren damaligen franz\u00f6sischen Sympathisanten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist dieses Buch keine profunde Bearbeitung des deutschen Terrorismus durch eine Amerikanerin unter der Verwendung des Schauplatzes Paris. Den Hintergrund der Entstehung des deutschen Terrorismus hat sie wohl richtig beschrieben, aber letztlich wird er von ihr f\u00fcr meinen [deutschen] Geschmack etwas zu sehr auf ein \u201eFun, Event und Abenteuer\u201c-Motiv reduziert. Sie unterschl\u00e4gt damit ein wenig, dass die Terrorgruppen damals die Grundfeste unserer Gesellschaft ersch\u00fctterten.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon abgesehen, ist es ein solide gutes Buch. Eine junge Frau auf der Suche nach ihrer \u201eimagin\u00e4ren\u201c Mutter, mit dem Wunsch nach einem Liebhaber, in f\u00fcr ihre Firma wirtschaftlich schweren Zeiten, zwischen Haut Couture und Computerspionage, in den Hinterh\u00f6fen und bei den Bewohnern des Sentier. Das alles stellt sie gut zusammen und erz\u00e4hlt es gekonnt, die Atmosph\u00e4re des Sentier scheint gut getroffen. Ihre Tempovariationen sind ungew\u00f6hnlich, aber gekonnt. Schildert sie erst, geradezu gem\u00fctlich, Aimees Treiben in Paris, da explodiert ansatzlos wie eine verdeckte Gerade der Plot und dem Leser stockt pl\u00f6tzlich der Atem. Spannung und Komplexit\u00e4t erzeugt sie dadurch, dass sie nicht nur aus der Sicht Aimee Leducs erz\u00e4hlt, sondern immer wieder auf andere Personen umschaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses ist ein weiteres Taschenbuch von Soho-Press (siehe auch Rebecca Pawels \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/07\/rebecca-pawel-death-of-a-nationalist.php\">\u201eDeath of a nationalist\u201c)<\/a>, einem kleinen amerikanischen Verlag, der f\u00fcr seine B\u00fccher gutes Papier und ein angenehmes Schriftbild verwendet und sie mit k\u00fcnstlerisch gelungenen Cover herausbringt [\u201eMurder in the Sentier\u201c war auch f\u00fcr den Anthony Award, Bestes Cover nominiert]. Nur, dass die Lektoren dieses engagierten und lobenswerten Verlags nicht sicherstellen, dass alle deutschsprachigen \u00c4u\u00dferungen im Buch korrekt sind, tr\u00fcbt das gute Bild etwas.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Cara Black: Murder in the Sentier. <br \/>Soho Press 2003. 336 Seiten, 12,50 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welches Interesse k\u00f6nnten deutsche Terroristen der 70er Jahre und deren franz\u00f6sische Kollaborateure haben, nach \u00fcber 20 Jahren Gef\u00e4ngnis die Spuren von einst wieder aufzunehmen und \u201ehide and seek\u201c (Versteck) in Paris zu spielen ? 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