{"id":16144,"date":"2005-11-09T07:46:21","date_gmt":"2005-11-09T07:46:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/abgestempelt-und-ein-wort-zum-historienkrimi\/"},"modified":"2022-06-15T00:03:16","modified_gmt":"2022-06-14T22:03:16","slug":"abgestempelt-und-ein-wort-zum-historienkrimi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/abgestempelt-und-ein-wort-zum-historienkrimi\/","title":{"rendered":"Abgestempelt &#8211; und ein Wort zum Historienkrimi"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/bibliostempel.jpg\" alt=\"bibliostempel.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein solch formsch\u00f6ner Stempelabdruck wird jedes Exemplar von Carl von Holteis &#8222;Schwarzwaldau&#8220; an diskreter Stelle zieren, wenn&#8230; ja, wenn das Werklein \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/09\/einladung-zur-subskription.php\">hier und jetzt! <\/a>subskribiert wird! Ein Unikat, eine Wertanlage, der Beginn einer aufregenden, exklusiven Serie, die, unter den Weihnachtsbaum gelegt, jeden Krimifreund entz\u00fccken wird. Also schnell! Die Zeit l\u00e4uft!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das war der Werbeteil dieses Beitrags. Und jetzt der grunds\u00e4tzliche: F\u00fcr wen mache ich das eigentlich hier und warum liest man Historienkrimis, aber keine historischen Krimis?<\/p>\n\n\n\n<p>Alles geht seinen Gang. &#8222;Schwarzwaldau&#8220; wird druckfertig gemacht, die verschollene Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts peu \u00e0 peu ausgegraben, um ebenso peu \u00e0 peu dem interessierten Leser zug\u00e4nglich gemacht zu werden, ja, eine erste Auswahl wurde schon getroffen und wird all jene, die, denken sie an alte Krimis, &#8222;Schund und Kolportage&#8220; assoziieren, \u00fcberraschen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4h&#8230; dem interessierten Leser? Gibts den eigentlich? Ist es wirklich nur einer, sind es zwei oder drei? Die Subskriptionserfahrungen mit &#8222;Schwarzwaldau&#8220;, so erfreulich sie auf den ersten Blick auch zu sein scheinen, stimmen nachdenklich. Zwar haben sich inzwischen gut 30 Vorbesteller gefunden, die meisten indes (ich sch\u00e4tze zwei Drittel) stammen aus dem Umfeld von Arno Schmidt, der &#8222;Schwarzwaldau&#8220; als &#8222;besten deutschen Krimi&#8220; gelobt hat. Diese werten Leute interessiert wohl weniger die Historie des Kriminalromans, sondern der Schmidt-Bezug. Dass sie f\u00fcr ihr Interesse einen wirklich lesenswerten Roman bekommen, sei ihnen geg\u00f6nnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Blieben also, wenn ich sehr, sehr optimistisch rechne, ganze zehn Leutchen, die sich f\u00fcr historische Kriminalromane interessieren, ja, f\u00fcr die Geschichte des deutschen Krimis \u00fcberhaupt. Sehr wenig; aber wer bin ich, Geschichtsbewusstsein einzufordern? Noch gar beim Krimi, den man liest und weglegt und vergessen hat, wenn man sich den n\u00e4chsten vom Stapel ungelesener B\u00fccher greift? Was ich jedoch merk- und denkw\u00fcrdig finde, ist die gro\u00dfe Popularit\u00e4t von &#8222;historischen Krimis&#8220; aus der Feder zeitgen\u00f6ssischer Autoren. Prinzipiell nichts dagegen; aber warum die &#8211; historisch zumeist fragw\u00fcrdige, weil aus zweiter Hand gestrickte &#8211; Nachahmung, wenn ich auch Originale lesen kann? Schreibt man heute besser? Mitnichten; im Gegenteil. Die Stilsicherheit der Burschen und M\u00e4dels damals \u00fcberrascht immer wieder. Spannender? Vielleicht im modernen Whodunit-Sinn. Ein Buch wie &#8222;Schwarzwaldau&#8220; etwa &#8211; KEIN Whodunit &#8211; besitzt gleich auf mehreren Ebenen Spannung.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal: Nichts gegen gutgemachte Krimis, deren Autoren sich M\u00fche geben, das ber\u00fchmte &#8222;Kolorit&#8220; der Vergangenheit zu recherchieren. Nur: Historie ist mehr als die Rekonstruktion einer Mode, einer Stadt, einer gesellschaftlichen Lage. Sie ist auch &#8211; und genau das gibt es in den alten Romanen zur Gen\u00fcge &#8211; ein Blick in Denkweisen, aus denen die unsrigen hervorgegangen sind. In die Denkweisen des Autors und seiner Figuren, die dem Leben abgelauscht sind und uns gemeinhin weit mehr er\u00f6ffnen als jenes gem\u00fctliche Sichversenken in die Zeiten, da man noch Postkutsche fuhr oder mit Keulen aufeinander einschlug.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will, jedenfalls hier, die Leser nicht weiter mit Geschichte langweilen. Dass es immer besser ist zu wissen, woher etwas kommt, sei nur erw\u00e4hnt. Und das trifft nicht nur auf unser t\u00e4glich Brot und Rindfleisch zu. Mir geht es jetzt um etwas anderes, statisch Handfestes: Wieviele der Leser dieses Krimiblogs k\u00f6nnten sich denn \u00fcberhaupt vorstellen, die hier bald eingerichtete &#8222;Criminal-Bibliothek des 19. Jahrhunderts&#8220; anzuklicken? Gar eine der PDF-Dateien zu \u00f6ffnen (an &#8222;downloaden&#8220; wage ich ja im Moment gar nicht zu denken, geschweige denn an begeistertes &#8222;Ja, das m\u00f6chte ich als Buch haben! Ich subskribiere!&#8220;)?<\/p>\n\n\n\n<p>Man will ja wissen, f\u00fcr wen man etwas macht, f\u00fcr wieviele Menschen man sich der M\u00fche unterzieht, einen Text einzuscannen oder abzutippen, ihn &#8222;gebrauchsfertig&#8220; zu machen, wom\u00f6glich gar finanzielle Mittel einzusetzen. Und ich m\u00f6chte auch gerne wissen, warum jemand NICHT davon Gebrauch machen m\u00f6chte, warum diesem oder dieser JemandIN es gen\u00fcgt, sich aus den reichhaltigen Neuerscheinungen zu bedienen?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine so h\u00fcbsches Umfrage-Anklick-Teil wie der-andere-Krimiblog-da haben wir leider nicht, aber dieser Beitrag hat eine Kommentarfunktion. Ein paar S\u00e4tze sind schnell getippt. Tut ihr mir die Freude?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein solch formsch\u00f6ner Stempelabdruck wird jedes Exemplar von Carl von Holteis &#8222;Schwarzwaldau&#8220; an diskreter Stelle zieren, wenn&#8230; ja, wenn das Werklein \u2192hier und jetzt! subskribiert wird! Ein Unikat, eine Wertanlage, der Beginn einer aufregenden, exklusiven Serie, die, unter den Weihnachtsbaum gelegt, jeden Krimifreund entz\u00fccken wird. Also schnell! 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