{"id":16171,"date":"2005-11-15T01:36:15","date_gmt":"2005-11-15T01:36:15","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/sylvia-maultash-warsh-find-me-again\/"},"modified":"2022-06-15T00:54:39","modified_gmt":"2022-06-14T22:54:39","slug":"sylvia-maultash-warsh-find-me-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/11\/sylvia-maultash-warsh-find-me-again\/","title":{"rendered":"Sylvia Maultash Warsh: Find me again"},"content":{"rendered":"\n<p>Sylvia Maltash Warshs Roman \u201eFind me again\u201c ist ein zweifacher R\u00fcckgriff auf die Historie. In der Gegenwart (genauer 1979) in Toronto, Kanada ist da erst einmal eine Geschichte, die gespeist wird von einem komplexen Beziehungsgef\u00fcge, welches sich in Polen zur Zeit der Naziokkupation und \u201eBefreiung\u201c durch die Sowjetunion zwischen j\u00fcdischen Polen und nicht-j\u00fcdischen Polen entwickelt hatte. Als eine der beteiligten Personen tot im Swimmingpool aufgefunden wird, stellt sich heraus, dass eine von dieser Person verfasste Geschichte in der Geschichte, die im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, der Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung eines Verbrechens ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dreh- und Angelpunkt des Buches ist Dr. Rebecca Tempel, eine \u00c4rztin, die schwer am Tode ihres Mannes tr\u00e4gt. Sarah, ihre Schwiegermutter, ist eine \u00dcberlebende des Holocaust und tr\u00e4gt schwer am Verlust all derer, die sie in der Vergangenheit und Gegenwart verloren hat. Beide erhalten Besuch aus Polen. Halina, eine fr\u00fchere polnische Angestellte der Eltern Sarahs und deren Tochter. Die Tochter hat m\u00f6glicherweise Leuk\u00e4mie und Rebecca wird gebeten zu helfen. Mutter und Tochter haben Gl\u00fcck, das notwendige Geld f\u00fcr eine teure medizinische Behandlung ist vorhanden: Der Ehemann Halinas musste 1945, als die Sowjets kamen, Polen verlassen und ist mit Hilfe des Sohnes der Gutsaufsehers des Gutes, in dem Halina w\u00e4hrend des Krieges Unterschlupf fand, mittlerweile in Kanada reich geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Geschichte aus dem vollen Leben gegriffen: Die labile Beziehung zwischen j\u00fcdischen Polen und nicht-j\u00fcdischen Polen und die Nachwirkungen des Holocausts \u00fcber die Zeit hinaus. Es ist aber auch eine R\u00e4tselgeschichte voller Symbolik, eintauchend ins 18. Jahrhundert [so w\u00fcrde es Dan Brown machen wollen, wenn er denn k\u00f6nnte]. All das erz\u00e4hlt die Autorin gekonnt, die unterschiedlichen Jahrhunderte auch in der Sprache abgrenzend. Die Erz\u00e4hlperspektive wechselt immer wieder, die Dialoge sind gelungen, sie lassen den Personen aus unterschiedlichen sozialen Verh\u00e4ltnissen ihre eigene m\u00fcndliche Ausdrucksweise.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Geschichte abrollt, legt die Autorin Faden um Faden aus, gebildet aus den Erlebnissen der gemeinsame Geschichte und den eigenen individuellen Erfahrungen, bis ein dichtgewirktes Gef\u00fcge entstanden ist. Dabei ist das Ganze zu klug konstruiert, als k\u00f6nnten der Autorin dabei die F\u00e4den aus der Hand geraten und sie sich verheddern. Und so ist \u201eFind me again\u201c ein Buch, welches respektvoll mit seiner sensiblen Thematik umgeht, aber es katapultiert den Leser nicht in einen emotionalen Rausch.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der zweite Roman der Autorin, die \u00e4hnlich schon in ihrem ersten Buch arbeitete, und erhielt vollkommen zurecht den Edgar, als beste Taschenbuchneuerscheinung des Jahres auf dem US-amerikanischen Markt. Sensibel, mit seiner Geschichte in der Geschichte aus dem 18. Jahrhundert auch als W\u00fcrdigung von Literatur und des Lesens deutbar, spannend, wenn auch ohne Actionszenen, weicht er vom \u00fcblichen US-amerikanischen Mainstream ab. Das ist aber vielleicht auch kein Wunder, handelt es sich bei der Autorin doch um eine deutschst\u00e4mmige j\u00fcdische Kanadierin.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Sylvia Maultash Warsh: Find me again.  <br \/>Castle Street Mysteries 2003. 450 Seiten, 7,99 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sylvia Maltash Warshs Roman \u201eFind me again\u201c ist ein zweifacher R\u00fcckgriff auf die Historie. 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