{"id":16257,"date":"2005-12-01T09:59:58","date_gmt":"2005-12-01T09:59:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/wenig-schnaps-aber-eine-schnapsidee\/"},"modified":"2022-06-15T14:15:12","modified_gmt":"2022-06-15T12:15:12","slug":"wenig-schnaps-aber-eine-schnapsidee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/wenig-schnaps-aber-eine-schnapsidee\/","title":{"rendered":"Wenig Schnaps, aber eine Schnapsidee"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/jahrbuch_cover_werk.jpg\" alt=\"jahrbuch_cover_werk.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>(Das &#8222;Krimijahrbuch 2006&#8220;: wie es wurde, was es wird. Einblicke in die Werkstatt eines Herausgebers.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kann man so besoffen sein, um auf die Schnapsidee eines \u201eKrimijahrbuchs\u201c zu verfallen? Man kann, man war. Nicht, weil man eine \u201eMarktl\u00fccke\u201c gewittert, Ruhm und Geld am Horizont schemenhaft erblickt h\u00e4tte. Je nach Sch\u00e4tzung tummeln sich zwischen 500 und 1000 versch\u00e4rft an Krimi-Hintergr\u00fcnden Interessierte in der Republik, zum Geldverdienen \u00fcberfalle man besser eine Bank, zum Ber\u00fchmtwerden setze man sich lieber in eine Talkshow.<br \/>1989 \/90 haben Martin Compart und Thomas W\u00f6rtche den, wenn ich jetzt nicht sehr daneben liege, letzten Versuch unternommen, via Jahrbuch etwas \u00dcberblick und Struktur in eine Landschaft zu bringen, die schon wegen der Genre-Kalamit\u00e4ten un\u00fcbersichtlich bleiben muss, eine, um Freund W\u00f6rtche zu paraphrasieren, \u201eSpaghettisierung by nature\u201c. Mit \u2192<a href=\"http:\/\/criminalis.de\/html\/criminalis.html\">\u201eCriminalis\u201c<\/a> gibt es zwar seit 2002 ein \u201eJahresmagazin f\u00fcr Krimifreunde\u201c, aber eben kein Jahrbuch, das die Pflichten auf sich n\u00e4hme, die in anderen Interessensbereichen von solchen Publikationen erwartet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcckblick und Einblicke, Analysen und Debatten: mit dieser groben Gliederung fing es an. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde man die Produktion des Jahres 2005 in ausgew\u00e4hlten Rezensionen noch einmal kritisch abgehen. Vieles stand und steht zwar im Internet, doch da die Inhalte dieses Mediums h\u00e4ufig nur kurzlebig sind, ein toter Link kein guter Link ist und dem Interessenten ein Tauchgang in diesem Meer kaum zuzumuten, muss ein solcher Block Herzst\u00fcck des Unternehmens \u201eJahrbuch\u201c sein. Dass dabei immer \u201eetwas fehlen\u201c w\u00fcrde, nun ja, das versteht sich von selbst. Dass man auf bislang Unbekanntes, nicht Registriertes sto\u00dfen k\u00f6nnte, auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber alles andere? Das musste zun\u00e4chst arg theoretisch bleiben, abh\u00e4ngig von den lieben Menschen, die bereit sein w\u00fcrden, an diesem Jahrbuch mitzuarbeiten, Beitr\u00e4ge zur Verf\u00fcgung zu stellen, neue zu schreiben \u2013 denn \u201enur\u201c einen Digest wollte man nun auch nicht. Originalbeitr\u00e4ge sollten nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das kostet Zeit. Zeit, die nicht mit Geld aufzuwiegen ist, denn finanziell stand und steht das Unternehmen bescheiden da. Sollte man Verlage ansprechen? Die w\u00fcrden, angesichts der zu erwartenden Ums\u00e4tze, abwinken. Von den \u00fcblichen Klippen ganz zu schweigen, die sich dem Schiffchen t\u00fcckisch in die Fahrrinne legen k\u00f6nnten. Keine inhaltliche Beeinflussung des Herausgebers durch den Verlag, keine der Autoren durch den Herausgeber. Dieser Merksatz hing imagin\u00e4r \u00fcber der T\u00fcr, die es nun aufzusto\u00dfen galt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitarbeiter also. Eine knappe E-Mail war schnell geschrieben, die entsprechenden Adressen lagen noch schneller im Adressbuch. Man ist unbescheiden und h\u00e4lt sich an die Repr\u00e4sentanten der h\u00f6chsten Qualit\u00e4t. Nicht nur bei den Kritikern, auch bei den Krimiautoren selbst, die \u2013 so ein vager Gedanke \u2013 doch vielleicht auch einmal Lust h\u00e4tten, etwas \u00fcber ihre Arbeit, \u00fcber Krimis allgemein, \u00fcber Schreiben allgemein oder ganz etwas anderes zu verfassen, und sei es eine Kritikerbeschimpfung. So. Und jetzt abschicken, abwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hatte ich eigentlich erwartet? Ein noch unausgegorenes Projekt, dazu die Aussicht auf \u201eHonorar\u201c, mit dem du dir den Tee zum D\u00f6ner kaum leisten kannst, ein \u201eBook on Demand\u201c -Unternehmen, \u201eSelbstverlag\u201c hie\u00df das fr\u00fcher, weniger vornehm, aber treffender. Nun ja, wenn vielleicht so 7 oder 8, wer wei\u00df, vielleicht 9 oder 10 gener\u00f6se Menschen ihre Texte zur Verf\u00fcgung stellen, wenn davon 3 oder 4 \u2013 nee, sind wir mal ganz n\u00e4rrisch: 5 oder 6 vielleicht auch die Zeit f\u00e4nden, eigens f\u00fcr dieses Jahrbuch etwas zu schreiben \u2013 w\u00e4re doch ein solides Fundament, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Spannung nicht unn\u00f6tig zu steigern: Den Herausgeber eingerechnet, sind es 22 flei\u00dfige Hirne geworden, die sich f\u00fcr dieses Jahrbuch in Falten legen. Der eine oder andere kann sogar noch dazusto\u00dfen, warten wir mal ab, es raschelt im Geb\u00fcsch. 22. Davon 19 Kritiker, die es nicht mehr n\u00f6tig haben, sich in einem Jahrbuch zu \u201eprofilieren\u201c, bleiben 3 KrimiautorInnen, was von der Zahl her etwas wenig sein mag, von der Qualit\u00e4t her aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Art und Weise, wie diese Menschen sich zur Mitarbeit bereit erkl\u00e4rten, l\u00e4sst eines sehr deutlich erkennen: Diese Plattform war \u00fcberf\u00e4llig, und was man auf ihr errichten kann, berechtigt zu sch\u00f6nsten Hoffnungen. Vielleicht so etwas wie \u201eKrimikultur\u201c? Daf\u00fcr jedenfalls spricht das Engagement, das weit \u00fcber blo\u00dfes Abnicken von Textw\u00fcnschen hinausging. Man machte sich Gedanken, empfahl Kollegen, ja, gab diesem und jenem, der anfangs aus gutem Grund z\u00f6gerlich gewesen sein mag, einen freundlichen Schubs \u2013 und zack, schon wieder war einer im Jahrbuch-Projekt gefangen.<\/p>\n\n\n\n<p>22 mal Qualit\u00e4t, die man als Herausgeber gerne zu einem hoffentlich stimmigen Gesamtwerk zusammenschustert und auf eine Leserschaft losl\u00e4sst. Nein, man muss keinen falschen Pass besorgen, keinen falschen Bart ankleben, um nach Publikation das Land unauff\u00e4llig zu verlassen. Namen? Ach, die nennen wir hier schon noch. Aber denkt euch den Kritiker, die Kritikerin eures Vertrauens und die Chance, dass er oder sie dabei ist, d\u00fcrfte gr\u00f6\u00dfer sein als die, dass er oder sie fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste, wichtigste Schritt war also getan. Ein zweiter, der gar nicht geplant war, wurde erwartet. Book on Demand oder doch in einem \u201erichtigen Verlag\u201c? Dazu mehr demn\u00e4chst. Aber schlie\u00dfen will ich denn doch mit dem Hinweis: Man kann sich das Werk jetzt schon mitsamt einer kleinen Zugabe sichern. \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/11\/sprung-ins-kalte-wasser.php\">Hier<\/a> nat\u00fcrlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Das &#8222;Krimijahrbuch 2006&#8220;: wie es wurde, was es wird. 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