{"id":16270,"date":"2005-12-08T07:50:58","date_gmt":"2005-12-08T07:50:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/daeninnenkrimis\/"},"modified":"2022-06-15T21:42:14","modified_gmt":"2022-06-15T19:42:14","slug":"daeninnenkrimis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/daeninnenkrimis\/","title":{"rendered":"D\u00e4ninnenkrimis"},"content":{"rendered":"\n<p>Elsebeth Egholm und Kirsten Holst sind zwei bew\u00e4hrte Kr\u00e4fte d\u00e4nischen Krimischaffens. In ihren aktuellen B\u00fcchern, \u201eDas n\u00e4chste Opfer\u201c und \u201eDer Tod steht auf der Schwelle\u201c, geht es, kaum verwunderlich, um mysteri\u00f6se Morde und ihre Aufkl\u00e4rung. Ende der Gemeinsamkeiten. Zwischen beiden Titeln liegen lange 200 Seiten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"190\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/egholm_klein.jpg\" alt=\"egholm_klein.jpg\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Elsebeth Egholms Roman beginnt klassisch: Eine Brandstiftung, ein Mord, beides bequemerweise ganz in der N\u00e4he der Protagonistin Dicte Svendsen, einer Journalistin in heiklen Verh\u00e4ltnissen. Ihre Tochter (die auch die Leiche gefunden hat) wird fl\u00fcgge und droht schon mit 17 im Einerlei einer b\u00fcrgerlichen Existenz zu versacken. Ihr Freund, Fotograf, leidet unter der Trennung von seinen Kindern und den seelischen Grausamkeiten seiner Ex. Zudem soll in Dictes Zeitung \u201erationalisiert\u201c werden, ihr Arbeitsplatz steht auf dem Spiel. Das ist eine Menge Zeug, aber noch nicht genug. Der Fall selbst entwickelt sich zu einer Familientrag\u00f6die mit allen Ingredienzien, die Skandinaviens Autoren hinein zu mischen pflegen. Eine Tochter tot, die andere an der unverarbeiteten Kindheit leidend, dem pr\u00fcgelnden Vater vor allem, der jetzt demenzkrank in einem Altenheim lebt. Auch Dicte hat einen Vater, und der Vater stirbt. Dicte ist das schwarze Schaf der Familie, weil sie nicht wie die \u00fcbrigen den Zeugen Jehovas beigetreten ist. Und als die Ereignisse dramatisch zu werden beginnen, zeigt sich, wie beide Familienstr\u00e4nge ineinandergreifen \u2013 denn, pardon, das wurde vergessen, Dicte hat einen unehelichen Sohn, den sie gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben hat, und die Ermordete hatte eine Tochter, die in einer Sekte missbraucht wurde, weil ihre Mutter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Oh, ja, man merkt es schon. Das ist eine Menge Stoff f\u00fcr einen einzigen Fall, der am Ende auch nichts weiter ist als ein ganz gew\u00f6hnlicher Mord, dem ein anderer folgt und ein dritter nicht, weil er verhindert wird. Kein Wunder, dass \u00fcber 400 Seiten bei solcher F\u00fclle von Material nur f\u00fcr Gemeinpl\u00e4tze reichen. Bin ich eine gute Mutter? Eine gute Journalistin? Ist mein Freund der richtige f\u00fcr mich, wenn nicht, warum nicht? Ein gew\u00f6hnlicher Fall, wie gesagt, begraben unter den Belanglosigkeiten einer vom Schicksal gepr\u00fcgelten, von ihrer Sch\u00f6pferin heillos \u00fcberfrachteten Protagonistin. Ihn hinsichtlich seiner Themen als &#8222;Frauenkrimi&#8220; abzulegen, hie\u00dfe die Frauen beleidigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/holst_klein.jpg\" alt=\"holst_klein.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ganz anders Kirsten Holst. Sie braucht, um ihrem Ermittlerduo Hoyer und Therkelsen fallm\u00e4\u00dfig ein erfolgreiches Ende zu bereiten, gerade einmal 220 Seiten. Ein Einbrecher ist ermordet worden, dummerweise vor den Augen der Polizei. Viele Fragen, das kennt man, viele Mutma\u00dfungen, das kennt man auch. Aber die beiden Ermittler sind nur die beiden Ermittler. Sie haben Ehefrauen, Kinder, und das Dramatischste, was ihnen privat passiert, ist die zu laute Musik der Spr\u00f6sslinge. Ansonsten machen sie, nicht einmal unwitzig, ihren Job \u2013 und kommen auch ans Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Holst hat ein H\u00e4ndchen f\u00fcr \u00d6konomie, f\u00fcr Andeutungen, man liest entspannt und wartet nicht schon voller d\u00fcsterer Ahnungen auf den n\u00e4chsten Schicksalsschlag, der die Handlung von ihrem eigentlichen Thema abbringt und auf Nebenschaupl\u00e4tze verlegt, wo die gro\u00dfen Themen nordischer Spannungsliteratur abgehandelt werden, all das R\u00e4sonnieren \u00fcber das Sein und das Werden, die Verrohung der Gesellschaft und die Unf\u00e4higkeit zum Orgasmus.<\/p>\n\n\n\n<p>Am sch\u00f6nsten jedoch: Nach 220 Seiten hat mans geschafft. Und nichts vers\u00e4umt und nichts bereut.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Elsebeth Egholm: Das n\u00e4chste Opfer. <br \/>btb 2005. 412 Seiten, 9,00 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Kirsten Holst: Der Tod steht auf der Schwelle. <br \/>Grafit 2005. 220 Seiten, 8,50 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elsebeth Egholm und Kirsten Holst sind zwei bew\u00e4hrte Kr\u00e4fte d\u00e4nischen Krimischaffens. In ihren aktuellen B\u00fcchern, \u201eDas n\u00e4chste Opfer\u201c und \u201eDer Tod steht auf der Schwelle\u201c, geht es, kaum verwunderlich, um mysteri\u00f6se Morde und ihre Aufkl\u00e4rung. Ende der Gemeinsamkeiten. 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