{"id":16292,"date":"2005-12-20T07:44:23","date_gmt":"2005-12-20T07:44:23","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/duane-swierczynski-secret-dead-men\/"},"modified":"2022-06-15T01:00:26","modified_gmt":"2022-06-14T23:00:26","slug":"duane-swierczynski-secret-dead-men","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/duane-swierczynski-secret-dead-men\/","title":{"rendered":"Duane Swierczynski: Secret Dead  Men"},"content":{"rendered":"\n<p>Krimis, die so richtig quer stehen zur \u00fcblichen Lesart, sind, wenn man mal ehrlich sein will, selten. Klar gibt es B\u00fccher, die herausragen, sei es aufgrund der Sprache oder des ausgefeilten Plots oder der dichten Atmosph\u00e4re &#8230;, Handwerk eben. Die verschiedene Subgenres haben ihre Schnittmuster, und wenn der Leser Gl\u00fcck hat, kann der Autor des Kaisers Kleider vortrefflich schneidern, aber dass ein Autor etwas ganz Neues hinzuf\u00fcgt, das passiert nicht oft. Duane Swierczynskis \u201eSecret dead men\u201c ist, glaube ich, so ein seltenes Buch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Del Farmer ist \u201cSoul Collector\u201d. Bis zu 24 Stunden nach dem Tod einer Person kann er deren Seele einsammeln und in seinem Brain Hotel unterbringen. Und eine recht illustre Schar unterschiedlicher Seelen hat er mittlerweile zusammen. Sein Ziel: Eine kriminellen Organisation namens \u201eThe Association\u201c zur Strecke zu bringen. Diese hatte seinen urspr\u00fcnglichen K\u00f6rper und die mehrerer Seelen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p>Da stellt sich anf\u00e4nglich beim Lesen, gelinde gesagt, etwas \u00dcberraschung ein. Einer der Grundpfeiler eines Krimis ist die Realit\u00e4tsverbundenheit. Wird diese aufgebrochen, wie z.B. bei \u201eThe Wishing Game\u201c von Patrick Redmond, endet das Ganze im Fiasco. Ein Krimi macht f\u00fcr den Leser einfach keinen Spa\u00df, wenn der Autor ihn nach Strich und Faden bel\u00fcgen kann und alles mit \u00fcbersinnlichen Kr\u00e4ften erkl\u00e4ren wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber \u201eSecret dead men\u201c funktioniert. Sogar gro\u00dfartig&#8230; und zwar deshalb, weil der Autor seine Konstruktion ernst nimmt. Das \u201eSeelensammeln\u201c erfolgt nach festgelegten Vorgaben, und die Seelen im Hotel, die spielen halt auch nach \u00e4hnlichen Regeln wie alle Lebenden. Hilfreich ist, dass Duane Swierczynski nicht nur gut erz\u00e4hlen kann, er hat auch viel Humor und zwar einen feinen, eleganten, konsequent die M\u00f6glichkeiten seiner Konstruktion ausnutzenden. Das strahlt dann tats\u00e4chlich einen gr\u00f6\u00dferen Realismus aus, als z.B. die B\u00fccher Carl Hiaasens, die aufgrund der grotesken \u00dcbertreibungen immer surreal wirken. Dabei folgt Duane Swierczynski den Vorgaben eines modernen Trillers genau. Sei es der verzweifelte Kampf mit den Starken und M\u00e4chtigen, sei es die Art und Weise wie er Spannung schafft, sei es das mehrfache Fintieren, um den Leser an der Nase herumzuf\u00fchren. Und f\u00fcr all das hat er sogar zwei B\u00fchnen. Die \u201eSeelenwelt\u201c genauso wie die reale Welt, in welcher der jetzige K\u00f6rper Del Farmers sich bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses doppelte Wechselspiel zwischen der \u201eSeelenwelt\u201c und den Begebenheiten der wahren Welt und dem ungew\u00f6hnlichen Plot und dem Befolgen klassischer Genreregeln, das hat nicht nur einen ganz eigenen Reiz, nein, das ist gro\u00df. Mit anderen Worten: Ein ungew\u00f6hnlicher Lesegenuss&#8230; bezaubernd, avantgardistisch, gelungen. Ein Muss f\u00fcr alle, die Autoren sch\u00e4tzen, die nicht nur Neues probieren, sondern es auch gekonnt und stilsicher durchziehen k\u00f6nnen. F\u00fcr mich eines der herausragenden B\u00fccher dieses Lesejahres.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Duane Swierczynski: Secret Dead Men. <br \/>Point Blank 2005. 204 Seiten, 15,50 \u20ac (Taschenbuchausgabe). <br \/>Noch nicht ins Deutsche \u00fcbersetzt.<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krimis, die so richtig quer stehen zur \u00fcblichen Lesart, sind, wenn man mal ehrlich sein will, selten. Klar gibt es B\u00fccher, die herausragen, sei es aufgrund der Sprache oder des ausgefeilten Plots oder der dichten Atmosph\u00e4re &#8230;, Handwerk eben. 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